Français

Schriftgröße: + -
Home > Kultur entdecken > Buch- und Krimiwelt

Buch- und KrimiWelt

Informationen über Literatursendungen auf ARTE, aktuelle Buchtipps, Neues aus der Welt des Krimis und Rätselhaftes: Kommen Sie mit auf Entdeckungsreise.

> Alle Dossiers > Littell, Jonathan > Überblick > Dokumentation vom 28.02.08

Buch- und KrimiWelt

Informationen über Literatursendungen auf ARTE, aktuelle Buchtipps, Neues aus der Welt des Krimis und Rätselhaftes: Kommen Sie mit auf Entdeckungsreise.

Buch- und KrimiWelt

Donnerstag, 28. Februar 2008 um 22.40 Uhr

Die Wohlgesinnten

Auf den Spuren einer literarischen Sensation


Es war die literarische Sensation des Jahres 2006 in Frankreich und Ende Februar wird der viel diskutierten Roman auch in Deutschland erscheinen: "Les Bienveillantes", auf Deutsch: "Die Wohlgesinnten", des 37-jährigen Autors Jonathan Littell. Der in Paris lebende Amerikaner erzählt eine fiktive Autobiografie und zwar aus der Perspektive des ehemaligen deutschen SS-Offiziers Max Aue, der unter falschen Namen in Frankreich lebt. ARTE widmet dem "literarischen Großereignis" eine Dokumentation, die der Frage nachgeht, wie sich deutsche und französische Befindlichkeiten bei dem historisch sensiblen Thema unterscheiden.

© avanti media/Harald Rammler, Chris Rowe
So ein Buch erscheint nur alle 20 Jahre - das erkannte der Pariser Verleger Antoine Gallimard, als er das Manuskript eines jungen unbekannten Autors in den Händen hielt. Sein Name: Jonathan Littell, damals 37 Jahre alt, ein in Paris lebender Amerikaner, der in französischer Sprache schrieb. Der Titel des Romans: "Les Bienveillantes", zu Deutsch: "Die Wohlgesinnten", eine fiktive Autobiografie, erzählt aus der Perspektive des ehemaligen SS-Offiziers Max Aue, der unter einem falschen Namen in Frankreich lebt. Der Roman erzählt von Aues Karriere im Nationalsozialismus, davon, wie er als Teil der Judenvernichtungsmaschine funktionierte und Einsätze im Osten koordinierte. Max Aue ist homosexuell, ein Intellektueller und skrupelloser Bürokrat, der Völkermord als logistische und methodische Aufgabe begreift.
Das Verlagshaus Gallimard landete mit der Veröffentlichung des 1.000-seitigen Werks die literarische Sensation des Jahres 2006. Die ungeheuren Grausamkeiten im Roman, mit eiskalter Präzision erzählt, lösten eine öffentliche Debatte aus. Bekannte Autoren und Kritiker bezogen Stellung, Leser diskutierten auf zahlreichen Internet-Foren. "Die Wohlgesinnten" erhielt den prestigereichen "Prix Goncourt" und wurde mit bisher 700.000 verkauften Exemplaren zum Megaseller.

Am 23. Februar wird die deutsche Fassung erscheinen. Bereits im Vorfeld ist durch intensive Medienberichterstattung auch in Deutschland ein Erwartungsklima entstanden. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, vor allem beim Berlin-Verlag, der sich nach schwierigen Verhandlungen die Verlagsrechte sichern konnte.
© avanti media/Harald Rammler, Chris Rowe
Wie werden die Leser im Ursprungsland des Nationalsozialismus reagieren, wo der historische Kenntnistand ungleich höher ist als im europäischen Ausland? Hat die Figur des eiskalten Nazi-Killers Aue auch in Deutschland das Potential zum erfolgreichen Romanhelden?
Kritiker und Kenner des Literaturbetriebs aus Deutschland und Frankreich, darunter Frank Schirrmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, geben Einschätzungen und wagen Prognosen: Michel Friedmann, der frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, inzwischen selbst Verleger, steht dem Roman skeptisch gegenüber, ähnlich wie der
© avanti media/Harald Rammler, Chris Rowe
"Shoah"-Regisseur Claude Lanzmann. Der französische Bestsellerautor Eric-Emanuel Schmitt dagegen, der selbst eine fiktive Biografie Adolf Hitlers veröffentlicht hat, plädiert für einen neuen Umgang mit dem historischen Horror. Der britische Literaturagent Andrew Nurnberg, spricht über Jonathan Littell selbst, den geheimnisvollen Verfasser von "Die Wohlgesinnten", von dem nur wenig bekannt ist - etwa, dass er aus einer jüdischen Familie stammt und jahrelang als Mitglied einer humanitären Hilfsorganisation Krisengebiete bereiste, selbst aber nie vor die Kamera tritt. Der Schauspieler Christian Berkel liest Passagen aus "Die Wohlgesinnten", inszeniert von dem Regisseur Oliver Hirschbiegel ("Der Untergang").
--------------------------------------------------------------
Die Wohlgesinnten
Auf den Spuren einer literarischen Sensation
Dokumentation von Hilka Sinning und Edda Baumann-von Broen
ARTE/ZDF, Deutschland 2008, 52 Min.
Wiederholung am 8. März um 3.50 Uhr und am 18. um 1.50 Uhr
--------------------------------------------------------------

Erstellt: 20-02-08
Letzte Änderung: 28-02-08


+ aus Kultur entdecken