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Berlinale 2005 - 17/02/05

Filmportal.de

Filmportal.de - die führende Plattform zum deutschen Film geht online


Filmportal.de vernetzt die Bestände der zwei umfangreichsten Filmdatenbanken des Landes: die des Deutschen Filminstituts (DIF) und die von Cinegraph, dem Hamburgischen Centrum für Filmforschung. So stehen Angaben zu insgesamt 30.000 deutschen Produktionen und 100.000 Personen kostenlos zur Verfügung: filmografische Daten zu 17.000 Spielfilmen, 3000 langen Dokumentationen und ca. 10.000 Kurzfilmen. Besonderer Akzent liegt auf dem deutschen Film seit 1990.


Interview mit Claudia Dillmann, Direktorin des Deutschen Film Instituts (DIF) in Frankfurt/M. und Leiterin von filmportal.de

Frau Dillmann, Filmdatenbanken gibt es im Internet schon viele, mit ganz unterschiedlichen Ausrichtungen. Was ist das Besondere an filmportal.de ?

Das Besondere ist, dass es sich von anderen Filmportalen und auch Datenbanken dadurch unterscheidet, dass es sich erstens auf den deutschen Film konzentriert, und zweitens den gesamten Zeitraum von seinen Anfängen bis zur Gegenwart abdeckt.

Das heißt, „filmportal.de“ bietet komplette Informationen zu allen in Deutschland produzierten langen Dokumentar- und Spielfilmen und enthält darüber hinaus eine Fülle von weiteren Informationen und Materialien, Fotos, Plakaten, Kritiken u.s.w..

Filmwissenschaftlich und filmhistorisch abgesicherte Informationen und ein möglichst vollständiger Datenbestand zum deutschen Kinofilm - das ist ein hoher Anspruch und bedeutet einen großen redaktionellen Aufwand. Wer steht hinter „filmportal.de“ und seit wann arbeiten Sie daran?

Hinter „filmportal.de“ steht das Deutsche Filminstitut in enger Kooperation mit dem in Hamburg herausgegebenen Lexikon zum deutschsprachigen Film „CineGraph“, und mit anderen Mitgliedern des Kinemathek-Verbundes, also mit anderen Filmmuseen.

Die Idee zu einer Datenbank für den deutschsprachigen Film kam uns eigentlich schon vor einigen Jahren, aber es dauerte natürlich sehr lange, sie konkret umzusetzen. Wir greifen auf unsere Bestände zurück, das heißt, das Filminstitut selbst stellt zum Beispiel schon 1,8 Millionen Fotos zum deutschen und internationalen Film zur Verfügung, wir greifen aber auch auf eine Datenbank zurück, die wir sukzessiv in den letzten Jahren aufgebaut haben und auf die Datenbank von CineGraph, die seit 20 Jahren Daten erhebt. Begonnen haben wir dann mit der eigentlichen Arbeit im Juli 2003.

Ist der Zugang eigentlich völlig frei, oder wird es für den Nutzer auch gebührenpflichtige Informationen beim filmportal.de geben?

Claudia DillmannDank der Unterstützung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Filmförderungsanstalt (FFA), dem media-Programm des Landes Hessen, der Murnaustiftung und der Hamburger Kulturbehörde die uns nicht nur gefördert, sondern dieses Portal finanziell ermöglicht haben, können wir dieses Angebot frei und kostenlos zur Verfügung stellen.

In Deutschland hat es der Spielfilm ja immer etwas schwerer gehabt, nicht nur als Unterhaltung, sondern auch als eigene Kunstform wahrgenommen zu werden. Ist diese neue Datenbank auch ein Schritt in Richtung Sicherung und Aufarbeitung des filmischen Erbes?

Ich denke, dass es eine gute Voraussetzung ist. Vor allem ist die Datenbank eine Voraussetzung dafür, dass man in Zukunft als Nutzer – ob als interessierter Laie oder als Professioneller - leichter Fakten recherchieren kann, wie z. B. wo gibt es diesen Film auf DVD, oder wo sind Filmkopien vorhanden? Also das ist interessant und hilfreich für jeden, der sich mit dem deutschen Film beschäftigt, und ich denke, damit tragen wir auch ganz erheblich zur weiteren Verbreitung des deutschen Films im In- und Ausland bei.

Wie gehen Sie mit einzelnen filmgeschichtlichen Kapiteln um, also zum Beispiel mit den propagandistischen Spielfilmen im Nationalsozialismus? Werden die auch entsprechend eingeordnet?

Selbstverständlich. Wir werden eine Chronik des deutschen Films haben, also von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik, dem NS-Film, dem deutschen Nachkriegsfilm, dem Neuen Deutschen Film, bis zum aktuellen Gegenwartsfilm, und innerhalb des Kapitels NS-Films arbeiten wir natürlich bestimmte Filme thematisch auf und stellen sie in einen Zusammenhang. Darüber hinaus werden wir aktuelle Themen und Tendenzen des deutschen Films verarbeiten und sozusagen aus der Aktualität zurückführen in die Geschichte.

Der Datenbestand von filmportal.de muss ja auch gepflegt und aktualisiert werden. Wie schnell können sie zum Beispiel deutschsprachige Filme, die neu in die Kinos kommen, in die Datenbank einarbeiten?

Wir sind ja eigentlich noch mittendrin, das heißt wir haben gerade eine Aufbauphase hinter uns und stellen jetzt das, was wir haben, ins Netz. Das ist schon eine ganze Menge Material. Wir arbeiten aber natürlich weiter, das heißt, insbesondere wird es noch mehr Informationen zu einzelnen Filmen geben. Was die aktuellen Produktionen angeht, die werden wir praktisch eins zu eins umsetzen. Das heißt konkret: Wenn ein Film ins Kino kommt, ist dazu auch schon Material im Auftritt „filmportal.de“ vorhanden. Das hängt auch damit zusammen, dass wir hier eng mit den Produzenten und den Verleihern zusammenarbeiten, die uns ihr Material zur Verfügung stellen, weil sie nämlich auch „filmportal.de“ als die zentrale Plattform für den deutschen Film begreifen.

Bekommt der Nutzer neben den reinen Fakten auch eine kritische Einordnung der einzelnen Filme, und wird die dann von Zeit zu Zeit auch einer Revision unterzogen werden? Ich denke daran, dass wenn man alte Filmkritiken liest, die z.B. im Lexikon des Internationalen Films teilweise aus den fünfziger Jahren stammen, dann haben die manchmal auch schon ganz schön Patina angesetzt.

Ja, das stimmt. Aber es ist natürlich auch - sagen wir mal für Historiker - nicht uninteressant, zeitgenössische Filmbeurteilungen nachzulesen. Wir stellen daher zu ausgewählten Filmtiteln Kritiken ins Netz, und zwar durchaus auch welche aus den 50er Jahren, neben die von heute. Das bedeutet also, dass man zum aktuellen Film die aktuellen Kritiken findet, zu älteren Filmen aber eben auch die zeitgenössische Kritik, verbunden mit Hinweisen, wie man heute den Film einordnet in seiner filmhistorischen Bedeutung oder seiner Ästhetik. Wir wollen also nach Möglichkeit beides anbieten: Demjenigen, der auch mal die zeitgenössische Kritik lesen will, mit der dazugehörigen Patina, über die man heute manchmal auch Schmunzeln kann, und eine heutige, aktuelle Einschätzung dieses Films.

Was wünschen Sie dem filmportal.de, wenn Sie es nun nach so langer Vorarbeit und Vorbereitungszeit ins world wide web entlassen werden?

Möglichst viele Nutzerinnen und Nutzer natürlich, die es täglich gebrauchen werden. Wie gesagt, wir richten uns ja nicht nur an die Professionellen, oder an Studierende und Filmhistoriker, sondern wir möchten eine breite Zielgruppe von Filminteressierten erreichen. Also einen großen Nutzen für alle und sehr viel Nutzung von allen - und natürlich auch intensive Kommunikation, sowohl mit der gesamten Branche, wie auch mit dieser großen Nutzergruppe der Filminteressierten.

Frau Dillmann, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Thomas Neuhauser, ARTE Deutschland, Januar 2005



Christoph Hauser, Programmdirektor von ARTE G.E.I.E. zu Filmportal.de

Darauf haben viele Filmfreunde schon lange gewartet: Filmportal.de, eine seriöse und kompetente Plattform für den deutschsprachigen Film im Internet. Wer als Professioneller oder interessierter Laie Informationen zum deutschen Film sucht, war bisher auf mehr oder weniger kommerzielle Datenbanken angewiesen, die meist der amerikanischen Filmproduktion näher stehen, oder mit einer sympathischen, aber nicht immer verlässlichen Fankultur verbunden sind.

Besonders erfreulich ist, dass für alle Nutzer der Zugang zu den werbefreien, filmgeschichtlich und wissenschaftlich geprüften Daten, im Filmportal.de offen und kostenlos ist. Ich bin sicher, Filmportal.de wird gerade auch für die deutsch-französischen ARTE-Redaktionen schon bald ein unentbehrliches Arbeitsmittel sein.

Erstellt: 13-02-05
Letzte Änderung: 17-02-05