Dort trifft DS Siobhan Clarke nicht nur ihre fröhlich für Frieden und gegen Armut zeltenden Eltern aus London, sondern auch Santal Clark, eine als Punk ausstaffierte Fotografin, die den liberalen Erzeugern viel sympathischer zu sein scheint als die Polizistin und Tochter. Unüblich für die rationalistische Siobhan: Aus leise nagender Eifersucht gegen die Usurpatorin wächst Misstrauen.
Während Siobhan mit ihrer Rolle als staatstragender Tochter, mit einigen pöbelnden Jugendlichen und einem versöhnlich zu Hilfe eilenden Stadtrat herumdaddelt, hat ihr egozentrischer Mentor Rebus es mit Ernsterem zu tun: Von der Burgzinne ist - mitten aus den diplomatischen Dinnerritualen – der Parlamentarische Staatssekretär des Handelsministers hundert Meter tiefer auf die Felsen gefallen „Mord oder Selbstmord?“ lautet die klassische Frage. Und dann ist noch ein Türsteher des lokalen Gangsters und Erzfeindes von Rebus Big „Ger“ Cafferty mit Heroin betäubt und erschlagen. Spuren dieses üblen Kerls sowie zweier weiterer Vergewaltiger und Frauenmörder tauchen ganz in der Nähe des Tagungshotels Gleneagle in einem „Clotie Well“ auf. Dort pflegen die Verwandten die Kleider ihrer verstorbenen Lieben aufzuhängen, im Wald und bei den Geistern.
Von seinem ersten, vor nunmehr zwanzig Jahren erschienenen Rebus-Roman („Knots and Crosses“, deutsch: „Verborgene Muster“) an hat Rankin sein schottisches Erzählmuster variiert. Es ist das Hell-Dunkel, Oben-Unten seiner Stadt, in der nach einer wahren Begebenheit das Muster der verbrecherischen Doppelpersönlichkeit schlechthin entstanden ist: Robert Louis Stevensons Dr. Jekyll und Mr Hyde. Rankin ist in den letzten Jahren politischer geworden, hat in so manche Wunde des schottischen Selbstbewusstseins gestochen.
In „Im Namen des Todes“ sind Unten und Oben verkehrt. Konfrontiert mit der Arroganz der Macht in Gestalt eines sicherheitswütigen Special-Branch-Mannes und der Verwicklungen zwischen Politik, Militär und Rüstungsindustrie, auf die er bei seinen Ermittlungen stößt, kommt Rebus, der sich sonst keineswegs bei den Anti-G8-Demonstranten einordnet, zu der Überlegung, die Polizei müsse die Verbrechen weniger in der Unter- als vielmehr in der Oberwelt suchen. Down to Earth bringt Rankin diese Spekulationen durch einen elegant inszenierten Revierkampf zwischen Gangster Cafferty und Stadtrat Tench, bei dem Siobhan ihre moralische Unschuld verliert, und die geradezu klassisch britisch geplante Auflösung eines Serienkillerfalls mit allem Drum und Dran an Identitätswechsel und Mord-verdeckt-Mord-Spiel. Wie beinahe immer bei Rankin bleibt auch hier das Ende offen: Zwei Politikerleichen geben einem Golgatha-Trio aus Übeltätern den passenden Gipfelrahmen. Eine Rezension von Tobias Gohlis







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