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der Butoh - 17/09/12

Kleiner Crashkurs in Sachen Provokation mit einem japanischen „Endzeit“-Meister

Eine Reportage von Yves Montmayeur

Seit vierzig Jahren tanzt er auf Ruinen, legt sämtliche Konventionen in Schutt und Asche und wartet auf die große Welle, die Japan dahinrafft.

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Der Japaner Akaji Maro und seine Truppe spielen seit vierzig Jahren mit den Stilmitteln Parodie, Groteske und Übertreibung beim Butoh diesem Tanz, geboren aus der atomaren Katastrophe.

Aus diesen Katastrophen schöpft der Butoh die Energie, die er braucht, um sich von den künstlerischen Darstellungsformen im Land der aufgehenden Sonne loszusagen; einem Land, das zusehends in der atomare Vernichtung von Hiroshima und Nagasaki versinkt.




1945 ist die Geburtsstunde des Butoh; dem Tanz der Finsternis, wie seine Begründer ihre Antwort auf die nukleare Zerstörung taufen.

Entfacht wird der Skandal von Tatsumi Hijikata. 59 veranstaltet er bei einem Festival (für Nachwuchstänzer) ein fünfminütiges Happening, bei dem er sich ein Huhn zwischen die Schenkel klemmt und tötet. Beeinflusst von europäischen Avantgarde-Bewegungen, vertritt er eine minimalistische Körpersprache frei von Effekthascherei. Sein Tanz speist sich aus den alltäglichen Gesten der Bauern von Tohoku, wo er geboren wurde. Überwältigt von diesem Ansatz geht Akaji Maro mehrere Jahre beim Meister in die Butoh-Schule.

72 gründet Akaji Maro seine eigene Truppe Dairakudakan, die Theater und Butoh verschmelzen lässt. Seine Vorbilder sind sowohl der Shintoismus, als auch das Absurde Theater von Ionesco bis Kafka, weshalb seine Tänzer so gut wie nackt auftreten; weiß bemalte Körper mit rasierten Schädeln. Über extrem langsame Bewegungen versuchen sie, das Bild vom primitiven Leben, frei von all dem Hokuspokus der modernen Welt, heraufzubeschwören.


Biografie


Maro wächst in einer Welt ohne feste Bezugspunkte auf. 43 in einem Fischerdorf der Präfektur Nara geboren, muss er mit ansehen, wie der Kriegstod seines Vaters, eines Marineoffiziers, die Mutter in den Wahnsinn treibt. Mit zwei ist er Vollwaise und lebt bei seiner Tante auf dem Land, wo er zu einem Freigeist heranwächst. Als er sich nicht länger von Klassenkameraden schikanieren lassen will, lernt er Boxen und wird zu einem charismatischen Leitwolf, der seine Freunde zu ungewöhnlichen artistischen Experimenten anstiftet.

Mitte der Sechziger entert Akaji Maro Tokio. Er will an der Universität Tanz studieren. Schnell macht er Bekanntschaft mit der brodelnden Atmosphäre des Shinjuku-Viertels und dessen Guru Shūji Terayama. Die Theaterstücke und Experimentalfilme dieses genialen Allrounders spalten das bis dato von seiner traditionellen Kultur besessene Japan. Akaji Maro schlägt in die gleiche anarchistische Bresche und schließt sich der Compagnie Jokyo Gekijo an, die neben der Truppe von Terayama das künstlerische Leben der Epoche prägt.

Nach dem psychedelischen Feuerwerk im Tokio der Sechziger und Siebziger besinnt Akaji Maro sich wieder auf die Natur, von der er sich seit seiner Kindheit immer weiter entfernt hatte. Nun führt er seine Butoh-Truppe wie ein Schamane.

In Paris präsentiert Akaji Maro gerade das neueste Werk der Compagnie Dairakudakan: “Hai no hito“ – “Der Aschen-Mensch“. Es geht darin um eine völlig zerstörte, verbrannte Stadt, in der Menschen aus der Asche wieder auferstehen. Wie es der Zufall will, proben die Tänzer den Aschen-Mann auch am 11. März 2011, als das verheerende Erdbeben ihr Archipel erschüttert.

In einem Monat gastiert Akaji Maros Compagnie mit ihrem neuesten Stück Crazy Camel im Pariser Haus der japanischen Kultur. Und die Tänzer werden – ein Schock für alle Butoh-Hardliner – nicht weiß gepudert – sondern mit Goldstaub bedeckt sein!

"Kimpun Show" by Dairakudakan

« Crazy Camel » first show in the world
 
From thursday the 18th to saturday the 20th of october 2012 at 8pm, at 3pm on saturday the 20th.
Maison de la culture du Japon in Paris
Address : 101 bis, quai Branly 75015 Paris  / www.mcjp.fr  / reservation : 01 44 37 95 95
Link : http://www.mcjp.fr/
Link to the show here

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Donnerstag 13. September 2012 um 03.25 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2012, 52mn)
ARTE F

Erstellt: 05-09-12
Letzte Änderung: 17-09-12