Ursache:Die Ursachen für den Mutismus sind noch nicht vollständig erforscht. Der psychologische Erklärungsansatz geht davon aus, dass der Schweigende auf diese Weise ein seelisches Problem oder einen Konflikt zu bewältigen versucht. Sexueller Missbrauch ist in der Regel jedoch keine Ursache für Mutismus, auch wenn dies häufig angenommen wird.
Nach dem stresstheoretischen Ansatz schweigen Betroffene, weil sie sich durch äußere Einflüsse überfordert fühlen. Lerntheoretiker behaupten, dass Mutisten durch ihr Schweigen mehr Aufmerksamkeit einfordern wollen. Mutismus kann möglicherweise auch organische Ursachen haben oder durch sprachliche, intellektuelle oder motorische Defizite hervorgerufen werden. Manchmal tritt Mutismus im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung auf. Ein Mangel des Nervenbotenstoffes Serotonin sowie eine Störung im Angstzentrum des Limbischen Systems (Amygdala) könnten hier eine Rolle spielen. Auffällig ist, dass Mutisten häufig aus Familien kommen, die eher introvertiert und sozial zurückgezogen leben. Auch finden sich in der Familie häufig Fälle von Angststörungen, Depressionen oder Suiziden. Ein Mutismus könnte somit durch eine genetische Disposition begünstigt sein.
Symptome: Spricht der Betroffene nur mit bestimmten Personen, liegt ein selektiver ("auswählend") oder elektiver ("bestimmte Teile hervorhebend") Mutismus vor. Im engsten Familienkreis wird normal gesprochen, bei Verwandten wie den Großeltern beispielsweise aber bereits geschwiegen. Oftmals vermeiden Mutisten Lautäußerungen jeder Art. Selbst Lachen, Husten oder Niesen werden unterdrückt. Beim totalen Mutismus liegt eine völlige Kommunikationshemmung vor, bei der weder innerhalb noch außerhalb der Familie gesprochen wird. Die totale Sprechhemmung ist seltener und entwickelt sich manchmal aus einem in der Kindheit begonnenen (s)elektiven Mutismus. Je länger ein Mutismus anhält, umso tiefer geraten die Betroffenen in die soziale Isolation.
Diagnose:
Oft wird das Schweigen als Autismus fehlgedeutet. Für die Diagnose des (s)elektiven oder totalen Mutismus sind folgende Nachweise wichtig: In welchen Situationen tritt das Schweigen auf? Können Schädel-Hirn-Verletzungen oder neurologische Erkrankungen ausgeschlossen werden? Verfügt der Betroffene über ein ausreichendes Sprachverständnis, ist die Sprachentwicklung normal? In einer umfassenden Patienten- und Familienanamnese werden die kommunikativen und sozialen Fähigkeiten des Betroffenen und seiner Familie hinterfragt. Mit nichtsprachlichen Zeichentests und Fragebögen werden Persönlichkeitsmerkmale aufgedeckt.
Therapie:Die Mutismus-Therapie bewegt sich zwischen der Psycho- und Sprachtherapie (Logopädie). Sehr erfolgversprechend ist eine Sprachtherapie, die Mutisten die Vorteile des Sprechens wie z.B. bessere Leistungen in der Schule, Freundschaften usw. verdeutlicht. In einem "Therapievertrag" kann darüber hinaus ein Punktesystem festgesetzt werden. Für jedes Sprechen erhält der Betroffene Punkte, bei einer bestimmten Punktzahl gibt es eine Belohnung.
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HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
Dienstag, 06. Juni 2006 um 14.00 Uhr
Redaktion: Heidemarie Petters
Koproduktion ZDF -ARTE G.E.I.E.






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