Als Ratgeber und Ansprechpartner steht ihm vor Ort der indianische Polizist Walter Krähen-Hengst zur Seite. Ray, der sich bisher in keiner Weise mit seinem indianischen Erbe näher auseinandergesetzt hat, kann mit den Sioux und deren Stammesstreitigkeiten zunächst wenig anfangen. Doch allmählich beginnt er zu begreifen, was das Leben im Reservat für die amerikanischen Ureinwohner bedeutet. Er versucht, das Verhalten der Indianer, ihre Traditionen und ihre Sicht der Welt zu verstehen.
Nach und nach entwickelt Ray Sympathie und Faszination für dieses ihm so fremde wie eigenartig vertraute Volk und kann sich schließlich der Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit nicht länger entziehen. In phantastischen Visionen holen ihn Kindheitserinnerungen ein. Bei der Aufklärung des rätselhaften Mordfalles entdeckt Ray nicht nur seine indianische Identität wieder, sondern stößt auch auf ein dichtes Geflecht aus Korruption und Kriminalität sowie auf eine komplexe Verschwörung, in die auch hochrangige Staatsbeamte verstrickt sind.
"Halbblut" beruft sich auf tatsächliche Ereignisse, die in Indianerreservaten während der 1970er Jahre geschahen. Unausgesprochen wird auf den Fall von Leonard Peltier angespielt, der nach wie vor in der amerikanischen Öffentlichkeit unvergessen ist. Peltier, seinerzeit Aktivist des "American Indian Movement" (AIM), einer Bewegung, die für die Rechte der Indianer kämpft, wurde als vermeintlich Schuldiger in einem politisch motivierten Mordfall verhaftet, verurteilt und inhaftiert. Der Schuldspruch wurde nachfolgend mehrfach bestätigt, obwohl Gründe dafür sprechen, dass sich die amerikanische Justiz auf unkomplizierte Weise eines Widersachers des Systems entledigt hat. Eine Theorie, die auch in Michael Apteds unmittelbar vor "Halbblut" entstandenem Dokumentarfilm "Zwischenfall in Oglala"" unterstützt wird, der von Robert Redford koproduziert wurde.
Neben diesem prominenten Fall gibt es in "Halbblut" weitere klare Bezüge zur damaligen Lebensrealität der amerikanischen Ureinwohner: Uranabbau auf Stammesgebiet, damit verbundene Krankheiten wegen Trinkwasserverstrahlung; interne Kämpfe zwischen unterschiedlichen Interessengruppen innerhalb der Reservate und nicht zuletzt der Beteiligung des FBI an der Militarisierung dieser Konflikte. Das AIM findet im Film seine fiktionalisierte Entsprechung im ARM, im "Aboriginal Rights Movement".
Die genreübliche Actionhandlung verbindet sich mit einem Bild der sozialen und politischen Probleme in den Reservaten.
Der Film verknüpft auf bemerkenswerte Weise eine Kriminalgeschichte mit individuellen und gesellschaftlichen Konflikten und verhandelt die Indianerproblematik gleichzeitig realistisch und breitenwirksam. Die Hauptrollen sind mit Val Kilmer und Sam Shepard prominent besetzt. In der Rolle des Indianer-Polizisten Walter Krähen-Hengst überzeugt Graham Greene, eine bekannte Größe unter den Indianerdarstellern.
Regisseur Michael Apted ist ein britischer Filmemacher, der sowohl mit Spielfilmen wie mit Dokumentarfilmen reüssierte. Einen ersten Erfolg erzielte er 1974 mit dem Spielfilm "Stardust". Der internationale Durchbruch gelang ihm 1980 mit "Nashville Lady", der Sissy Spacek den Oscar als beste Schauspielerin einbrachte. Apted ist ein vielseitiger Regisseur, gerühmt für seine genaue Charakterzeichnung und seinen Mut zur Gesellschaftskritik. Zu seinen Arbeiten zählen so unterschiedliche, aber gleichsam erfolgreiche Filme wie die mit Jodie Foster besetzte Kaspar-Hauser-Variation "Nell" (1994), der James-Bond "Die Welt ist nicht genug" (1999) und die bombastische Fantasy-Literaturverfilmung "Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte" (2010).
WISSENSWERTES
- Val Kilmer ist tatsächlich - wenn auch nicht direkt - indianischer Abstammung, allerdings nicht wie im Film vom Stamm der Sioux, sondern vom Stamm der Cherokee.
Weiterführende Links
- Umfangreicher Webauftritt mit Originaldokumenten zum "American Indian Movement" (englisch)
MELDUNGEN UND REZENSIONEN
Stimmen aus dem Netz- Roger Ebert für "Chicago Sun-Times" (englisch)
- Janet Maslin für "The New York Times" (englisch)
- Kathleen Maher für "The Austin Chronicle" (englisch)
- Owen Gleiberman für "Entertainment Weekly" (englisch)
- Das Presseheft (englisch)






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