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50 Jahre deutsch-französische Freundschaft

Als deutsch-französischer Sender ist ARTE ein wichtiger Bestandteil dieser einmaligen Freundschaft und feiert den 50. Jahrestag des Élysée-Vertrags daher mit einem großen Sonderprogramm.

> Eine verstärkte Beziehung?

50 Jahre deutsch-französische Freundschaft

Als deutsch-französischer Sender ist ARTE ein wichtiger Bestandteil dieser einmaligen Freundschaft und feiert den 50. Jahrestag des Élysée-Vertrags daher mit (...)

50 Jahre deutsch-französische Freundschaft

Bilanz - 23/01/13

Haben sich die deutsch-französischen Beziehungen in den vergangenen zehn Jahren weiter vertieft?

Für ein Paar ist ein Jubiläum die ideale Gelegenheit, um sich neue Ziele zu setzen. Und dieser fünfzigste Jahrestag bildet da keine Ausnahme – wir haben es bereits 2003 bei der letzten großen Feier der deutsch-französischen Freundschaft erlebt. Damals hatten der französische Staatspräsident Jacques Chirac und der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder eine enthusiastische und ehrgeizige Erklärung abgegeben.

Auch wenn sich die beiden Regierungschefs hüteten, eine detaillierte Roadmap mit klar definierten Zielen zu entwerfen, war diese Erklärung dennoch Ausdruck einer gemeinsamen Vision für das deutsch-französische Abenteuer in den folgenden zehn Jahren. Was ist 2013 daraus geworden? Konnte der von der deutsch-französischen Exekutive formulierte Kurs umgesetzt werden oder blieb es bei einer reinen Absichtserklärung?

ARTE, ein Kind dieser neu erstarkten Freundschaft, möchte die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern einmal im Licht dieser Gemeinsamen Erklärung vom 22. Januar 2003 betrachten. Im Folgenden präsentieren wir eine vorläufige Bilanz, die – anders als es die Politik bisweilen darstellt – zeigt, dass sich die bilateralen Beziehungen ständig weiterentwickeln, und zwar in fast allen Bereichen.


§ 15. [...] Wir möchten das Erlernen der Partnersprache entschlossen fördern und unterstützen generell ein Bildungsmodell, das es den Jugendlichen unserer beiden Länder ermöglicht, zwei europäische Fremdsprachen zu beherrschen.

In diesem Bereich sind die Ergebnisse gemischt. Die Zahl der Schüler, die die Partnersprache erlernen, ist insgesamt relativ stabil. Ein kleiner Sieg, der zweifellos dem politischen Willen beider Länder zu verdanken ist, wenn man die starke Konkurrenz durch die Fremdsprachen Englisch und Spanisch bedenkt.

Nach Angaben des Auswärtigen Amt wählen 27,7 Prozent der deutschen Schüler Französisch als zweite lebende Fremdsprache und 15,3 Prozent der französischen Schüler Deutsch als dritte Fremdsprache. Rund 200.000 Schüler nehmen jährlich an einem deutsch-französischen Austauschprogramm teil.

Beim akademischen Austausch wurden die Ziele erreicht: 6.000 Franzosen studieren derzeit in Deutschland und 8.000 Deutsche in Frankreich.

Auch wenn Deutsch beziehungsweise Französisch als Fremdsprache in starker Konkurrenz zum Englischen und Spanischen steht, ist der Leiter des Pariser Goethe-Instituts Joachim Umlauf dennoch der Ansicht, dass die Gemeinsame Erklärung zum 40. Jahrestag des Elysée-Vertrags eine positive Wende für den Erwerb der jeweiligen Partnersprache eingeläutet hat.



Die Generalsekretärin des Deutsch-Französischen Jugendwerks Béatrice Angrand schildert, wie das DFJW die deutsch-französischen Beziehungen einem jungen Publikum nahebringt.




- Das deutsch-französische Geschichtslehrbuch
Das Projekt wurde 2003 gemeinsam von Staatspräsident Chirac und Kanzler Schröder auf den Weg gebracht. Der erste Band, der für die "Terminale" beziehungsweise die 13. Klasse entwickelt wurde und sich mit der Gegenwartsgeschichte ab 1945 beschäftigt, wird seit 2006 im Unterricht eingesetzt, überwiegend im AbiBac-Zug sowie in einigen "sections européennes" oder "sections internationales". Der zweite Band, "Europa und die Welt vom Wiener Kongress bis 1945", ist für die "classes premières" in Frankreich und entsprechend für die 11. und 12. Klasse in Deutschland konzipiert und wurde 2008 herausgegeben. Ein dritter Band, der sich mit der Zeit von der Antike bis zur Romantik befasst, folgte 2011.

Ein Erfolg, der leider symbolisch bleibt, da das Lehrbuch in der Praxis nur selten Verwendung findet: Von den ersten beiden Bänden haben sich nur jeweils 40.000 Exemplare pro Land verkauft, was weit unter der anvisierten Grenze von 100.000 liegt, und der französische Nathan-Verlag wird den dritten Band laut "Le Café pédagogique" lediglich in einer Auflage von 7.000 Exemplaren drucken. ( )

- Die Deutsch-Französische Hochschule (DFH)

Ziel dieser "Hochschule ohne Mauern" ist die Intensivierung der deutsch-französischen Zusammenarbeit in Lehre und Forschung. Die DFH wurde 1999 gegründet und bietet binationale Studiengänge mit Doppeldiplomabschluss sowie Doktorandenausbildungen an. Die DFH ist ein Verbund aus 169 Partnerhochschulen überall in Deutschland und Frankreich und betreut heute laut Außenministerium rund 5.000 Studierende sowie 500 Doktoranden gegenüber 3.000 Studierenden im Jahr 2003. Mehr als 1.000 deutsch-französische Doppeldiplome werden jährlich verliehen. Deutschland und Frankreich finanzieren je die Hälfte der neun Millionen Euro, die für die Unterhaltung der DFH notwendig sind. Nach Angaben der Universität erhöht sich der Anzahl der geförderten Forschungsprojekte: 15 in 2003 und 143 in 2012.


§ 16. Wir erklären den 22. Januar zum "Deutsch-Französischen Tag". [...]

An diesem Tag sind Schulen und andere Bildungseinrichtungen eingeladen, deutsch-französische Veranstaltungen zu organisieren. 2003 ins Leben gerufen, wurde er 2006 in "Entdeckungstag" umgetauft. Seither gibt er beispielsweise Schulklassen Gelegenheit, ein Unternehmen im Partnerland zu besuchen. Die Teilnehmerzahl wächst konstant.

Die Generalsekretärin des Deutsch-Französischen Jugendwerks Béatrice Angrand erläutert Einzelheiten zum Deutsch-Französischen Tag.



§ 18. Um den sportlichen Austausch zu intensivieren, beabsichtigen wir die gemeinsame Kandidatur Deutschlands und Frankreichs für die Ausrichtung internationaler Sportwettbewerbe. [...]

Bislang ist eine solche gemeinsame Kandidatur ein frommer Wunsch geblieben. Dabei gibt es durchaus Vorbilder, insbesondere im Fußball. So wurde die Europameisterschaft 2012 von Polen und der Ukraine organisiert, die EM 2008 von der Schweiz und Österreich und die EM 2000 von Belgien und den Niederlanden. Einziger Trost: Die deutschen und französischen Sportverbände werden ohnehin zusammenarbeiten müssen, weil die Fußballeuropameisterschaft 2020 in ganz Europa stattfinden soll. Paris und Berlin sind beide als Austragungsorte im Gespräch.


§ 26. Unsere Außenminister werden die Vernetzung unserer diplomatischen und konsularischen Dienste verstärken. [...] Wir beauftragen sie auch damit, die Möglichkeit der Eröffnung gemeinsamer deutsch-französischer Botschaften zu prüfen.

In Lilongwe (Malawi) betreibt Frankreich nach Schließung seiner Botschaft 1996 seit Januar 2003 in der deutschen Botschaft eine diplomatische Außenstelle. Dies war die erste konkrete Umsetzung des Vorhabens einer gemeinsamen diplomatischen Vertretung, auch wenn es bereits vorher dahingehende Erfahrungen gab. In Rio de Janeiro hat Deutschland sein Konsulat im Maison de France untergebracht, das gleichzeitig Sitz des französischen Konsulats und Kulturdienstes ist. Der Mietvertrag wurde vom 1. Januar 2010 an für die Dauer von zwölf Jahren geschlossen.

Im Rahmen des Deutsch-Französischen Ministerrats vom 26. Oktober 2004 haben die beiden Außenminister eine Liste von Projekten der gemeinsamen Unterbringung gebilligt, die seitdem durch neue Projekte bereichert wurde. Am 4. Februar 2010 fügte der Deutsch-Französische Ministerrat dem einen neuen Impuls hinzu, indem er sich das Ziel setzte, bis 2020 bis zu zehn gemeinsame Botschaften zu errichten.

Die anderen Projekte konzentrieren sich auf Dhaka (Bangladesch), wo Frankreich derzeit ein neues Botschaftsgebäude baut, in dem auch die deutsche Vertretung untergebracht werden soll, sowie auf Kuwait-Stadt.


§ 36. Die deutsch-französischen Gipfeltreffen werden die Form eines Deutsch-Französischen Ministerrates annehmen. [...] Ministerräte in kleinerer Zusammensetzung können zur Behandlung spezifischer Themen zusammentreten.
§ 38. Wenn ein Thema der Tagesordnung dazu geeignet ist, nimmt der zuständige Minister des Partnerlandes an Kabinettssitzungen der anderen Seite teil und wird eingeladen, gemeinsame legislative Projekte vorzustellen.
§ 39. Ebenso sollen sich die Minister unserer beiden Länder über die Ministerräte der Europäischen Union hinaus noch systematischer und häufiger treffen, insbesondere um Tagesordnungspunkte des Deutsch-Französischen Ministerrats vorzubereiten.
§ 41. In jedem Land wird ein Beauftragter (Generalsekretär) für die deutsch-französische Zusammenarbeit geschaffen. Diese hochrangige Persönlichkeit wird persönlich beim Bundeskanzler (beim Premierminister) angesiedelt und über geeignete Strukturen im Außenministerium verfügen. [...]
§ 42. [...] Wir fordern unsere Minister auf, die Abordnung von Beamtinnen und Beamten in das andere Land auf nationaler wie lokaler Ebene allgemein einzuführen, die Kontakte zwischen den Verantwortlichen der gleichen Fachbereiche in beiden Ländern zu systematisieren. [...]

Dieser bilaterale Teil der gemeinsamen Erklärung von Jacques Chirac und Gerhard Schröder ist zweifellos der erfolgreichste. Alle dahingehenden Vorschläge von 2003 gehören mittlerweile zum Alltag der Regierungs- und Ministerarbeit in beiden Ländern.

François Vandeville, Referatsleiter der Europaabteilung des französischen Außenministeriums, beschreibt die Funktion des 2003 gegründeten Deutsch-Französischen Ministerrats.



François Vandeville illustriert anhand konkreter Beispiele, was die deutsch-französische Zusammenarbeit innerhalb des Staatsapparats beider Länder bedeutet.




Frank Baasner, Direktor des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg, würde sich wünschen, dass die deutsch-französische Zusammenarbeit noch weiterreiche. So bedauert er beispielsweise, dass den Vertretern eines Landes so wenig Raum in den Medien des Partnerlandes eingeräumt wird.



§ 14. [...] Wir ergreifen daher bilaterale Initiativen, die es auf prioritären Aktionsfeldern erlauben, eine engere Verbindung zwischen unseren Bürgerinnen und Bürgern, unseren Gesellschaften und unseren Institutionen zu praktizieren.

Seit dem vierzigsten Jahrestag des Elysée-Vertrags hat sich die Zusammenarbeit zwischen dem deutschen und dem französischen Parlament weiter verstärkt. Maßgeblich war dabei eine gemeinsame Sitzung der Assemblée nationale und des deutschen Bundestags am 22. Januar 2003 in Versailles. Damals wurden gemeinsame Sitzungsperioden der Ausschüsse für Auswärtige Angelegenheiten beider Parlamente implementiert, sowie jährliche Treffen zwischen den Dienststellen des Bundestags und der Assemblée nationale und Austauschprogramme für das Verwaltungspersonal der Parlamentarischen Versammlungen - über das Deutsch-Französische Parlamentspraktikum können jedes Jahr fünf französische und fünf deutsche Studierende ein Praktikum in einem Parlament des Partnerlandes absolvieren.

Wie können die beiden Kammern die Zusammenarbeit vorantreiben? Dazu die Antwort von Bundestagsmitglied Andreas Schockenhoff, Vorsitzender der Deutsch-Französischen Parlamentariergruppe.




§ 22. [...] Wir streben an, unsere nationale Gesetzgebung in wesentlichen Bereichen, die das Leben unserer Bürgerinnen und Bürger betreffen, zu harmonisieren. [...] Wir wünschen insbesondere, dass Gesetzesvorhaben vorgestellt werden, die auf eine Annäherung des Zivilrechts, insbesondere des Familienrechts zielen. Wir müssen die Schwierigkeiten verringern und letztlich beseitigen, die immer noch für diejenigen Bürgerinnen und Bürger bestehen, die im Hinblick auf Beruf, Familie oder persönliche Situation ihren Lebensmittelpunkt sowohl in Deutschland als auch in Frankreich haben.

Laut Professor Frank Baasner, Direktor des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg, wurden genau in diesem Bereich seit 2003 die wenigsten Fortschritte erzielt. Trotz des ausdrücklichen Willens der Politik und trotz einer engmaschigen Zusammenarbeit und Verzahnung der Nachbarinstitutionen, tun sich Deutschland und Frankreich sehr schwer damit, ihren Staatsangehörigen, die im Nachbarland studieren, arbeiten oder verheiratet sind, den Alltag leichter zu gestalten.




§ 9. [...] Wir werden die erforderlichen Anstrengungen zur Verbesserung der militärischen Fähigkeiten unternehmen und dabei auch unsere bilaterale Zusammenarbeit erheblich intensivieren.

Der wichtigste Eckpfeiler im Bereich der militärischen Zusammenarbeit zwischen den beiden Partnerländern ist der Deutsch-Französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat (DFVSR), der 1988 durch ein Zusatzprotokoll zum Elysée-Vertrag ins Leben gerufen wurde. Er setzt sich aus den Staats- und Regierungschefs sowie den Außen- und Verteidigungsministern beider Länder zusammen. Zur Arbeit des Rats können hohe zivile und militärische Verantwortliche hinzugezogen werden, die für die bilaterale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Verteidigung zuständig sind. Der Deutsch-Französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat tritt mindestens zweimal jährlich zusammen, und zwar abwechselnd in Frankreich und in der Bundesrepublik Deutschland.

Auf betrieblicher Ebene fiel die Entscheidung zur militärischen Zusammenarbeit der deutschen und französischen Infanterie in einem gemischten Großverband bereits 1998 mit der Aufstellung der Deutsch-Französischen Brigade. Diese besteht aus zwei französischen Regimentern, drei deutschen Bataillonen, einem gemischten Versorgungsbataillon und einer deutschen Panzerpionierkompagnie. Seither hat die Deutsch-Französische Brigade insbesondere erhebliche Fortschritte im Bereich der Kommunikationsfähigkeit erzielt, beispielsweise in Rüstungsfragen und hinsichtlich der Abstimmung von Methoden und Wirkungsweisen. Ihren bisher größten Einsatz seit der gemeinsamen Erklärung von Staatspräsident Jacques Chirac und Bundeskanzler Schröder hatte die Brigade im Rahmen der von der NATO geführten Internationalen Schutztruppe für Afghanistan zwischen 2004 und 2005.

Ihren mit Abstand symbolträchtigsten Auftritt hatte die Brigade während der Parade auf den Champs-Elysées am 14. Juli 2009.

Ein weiterer Motor der militärischen Zusammenarbeit ist der Austausch und die gemeinsame Ausbildung von Offizieren, die im Sommer 2007 auf wesentliche Abschnitte der Ausbildung zum Offizier des Heeres ausgeweitet wurde. Seither werden fünf deutsche Offiziersanwärter in Frankreich ausgebildet und fünf französische Offiziersanwärter in Deutschland.

Die Zahl der vom Partnerland anerkannten Ausbildungsmodule wächst beständig. So bieten deutsch-französische Flugschulen für den Eurocopter Tiger (Kampfhubschrauber) praktische und taktische Schulungselemente im französischen Luc an, während der technische Teil der Pilotenausbildung in Fassberg in Deutschland stattfindet. Seit April 2006 sind über 20 deutsche Austauschoffiziere ständig im Führungsstab der französischen Streitkräfte, im Führungsstab des Heeres sowie in zentralen Dienststellen eingesetzt.

Der große Verfechter der deutsch-französischen Zusammenarbeit General Yves Béraud, Generaldirektor der französischen Organisation CiDAN (Civisme, défense, armée, nation), sieht neben den vielen großen Erfolgen, die die deutsch-französische Verständigung auf dem Gebiet der Verteidigung vorzuweisen hat, auch einige Klippen, die es noch zu nehmen gilt.




§ 29. [...] Wir werden unsere Zusammenarbeit in der Industrie-, Handels-, Energie-, Technologie- und Transportpolitik vertiefen, um im europäischen Rahmen die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaften zu stärken.

Unsere beiden Länder sind seit langem privilegierte Wirtschaftspartner. Das deutsch-französische Handelsaufkommen belief sich im Jahr 2011 auf 168 Milliarden Euro und beschreibt damit einen konstanten Aufwärtstrend nach 152 Milliarden Euro 2010 und 126 Milliarden Euro 2009.

2011 war Frankreich einmal mehr Hauptimporteur deutscher Produkte, wie es seit 1961 jedes Jahr der Fall war. Umgekehrt rangiert Frankreich im deutschen Importsektor auf Platz drei, gleich hinter China.

Was das Investitionsaufkommen anbelangt, so war Deutschland 2011 mit 3.100 bestehenden Unternehmen (gegenüber 2.500 in 2007) der zweitgrößte ausländische Investor in Frankreich. Die deutschen Unternehmen beschäftigen dort über 300.000 Mitarbeiter. Beispiel: Hinter jedem fünften Arbeitsplatz in der französischen Automobilindustrie steckt ein deutscher Konzern (Tochtergesellschaften von Siemens, Bosch, Thyssen-Krupp oder auch Smart). Deutsche Hersteller von elektronischen und medizinischen Produkten stellen 15 Prozent der französischen Arbeitsplätze in dieser Branche. Frankreich wiederum ist mit 2.300 Firmen und insgesamt 285.000 Arbeitsplätzen auf deutschem Boden der viertgrößte ausländische Investor in Deutschland.

Seit 1988 werden die wichtigsten Handelsbeziehungen zwischen unseren beiden Ländern vom Deutsch-Französischen Finanz- und Wirtschaftsrat geregelt. Darin vertreten sind der Wirtschafts- und Finanzminister der Französischen Republik, die jeweiligen Finanz- und Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland sowie die Präsidenten der beiden Zentralbanken. Der Rat tritt vier Mal im Jahr zusammen, und zwar abwechselnd in Deutschland und in Frankreich. Er kann der deutschen und französischen Regierung alle Fragen vorlegen, die eine Entscheidung seitens der beiden Regierungen erfordern.

Dieses institutionelle Dispositiv wird seit 2005 durch ein privates ergänzt, in dem die Big Player aus der Welt der Wirtschaft von beiderseits des Rheins versammelt sind: den Deutsch-Französischen Wirtschaftsclub.

- Die Hochgeschwindigkeitsstrecke (LGV)
Seit 2007 erleichtert diese Linie deutschen und französischen Bürgern die Mobilität ins Nachbarland. Zwei Anschlussverbindungen zwischen dem französischen TGV und seinem deutschen Pendant, dem ICE, verkürzen die Fahrtzeit auf der Strecke Frankfurt-Paris auf dreieinhalb Stunden. Doch es wird noch mehr getan im Bereich des grenzüberschreitenden Hochgeschwindigkeitsverkehrs: Seit 2012 betreibt Alleo, ein gemeinsames Tochterunternehmen von SCNF und Deutsche Bahn, die Linie Marseille-Frankfurt (über Lyon und Straßburg). Seit ihrer Inbetriebnahme haben sich die Fahrgastzahlen bei über 60 Millionen Reisenden jährlich eingependelt – Tendenz leicht steigend.

Damien Wanner


Die Interviews sind am 13. November im Goethe Institut Paris geführt worden.

Erstellt: 09-01-13
Letzte Änderung: 23-01-13