28/08/08
KLEINES HANDBUCH FÜR KRIEGSFILM-PRODUZENTEN IN SPE
Weitere Artikel zum Thema
Die Produktion von Kriegsfilmen ist an sich kein Zuckerschlecken. Aber mit Unterstützung durch das Pentagon geht es schon viel einfacher: Zugang zu modernster Ausrüstung, Bereitstellung von höchst disziplinierten Statisten (echte Soldaten!) usw. (lien vers rubrique – en allemand – „les différents…“). Im Verteidigungsministerium liest man aufmerksam die einschlägige Presse und manchmal, wenn ein Projekt besondere Aufmerksamkeit auf sich zieht, kommt es sogar vor, dass ein Produzent direkt angesprochen wird. Normalerweise jedoch liegt es an Ihnen, den ersten Kontakt herzustellen, und auf dem Weg zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Pentagon gilt es einige Hindernisse zu überwinden…
Grundvoraussetzung für jegliche Zusammenarbeit ist die Bereitschaft zur Selbstzensur. Alle „heiklen“ Themen wie beispielsweise eine Meuterei (siehe „Crimson Tide – in tiefster Gefahr“) oder die Hinrichtung eines Offiziers durch ein anderes Armeemitglied (siehe „Apocalypse Now“) müssen sorgfältig vermieden werden. Dabei können die Tatsache noch so wahrheitsgetreu dargestellt und das Drehbuch noch so gut sein, es kann sich sogar um den zukünftigen Blockbuster des Jahrhunderts und zehnfachen Oscar-Kandidaten handeln: Es kommt nicht in Frage, ein Thema zu behandeln, das für die Armee tabu ist. Sollten Sie trotz allem auf Ihrem Film bestehen, wird dieser sehr schnell als „show stopper“, so der Militärjargon, eingestuft und keinerlei Unterstützung erhalten.
Deshalb sollten Sie sich über die Auswahlkriterien des Pentagons genauestens im Klaren sein, wenn Sie Ihren Film an den Mann bringen möchten:
- er muss die öffentliche Meinung dem Militär und dem Verteidigungsministerium gewogen machen.
- er muss der Rekrutierungs- und Mobilisierungspolitik der Armee zuträglich sein.
- er muss Personen, Schauplätze, Militäreinsätze und historische Begebenheiten wahrheitsgetreu wiedergeben. Auch rein fiktionale Drehbücher müssen ein realistisches Bild von militärischem Leben, Einsätzen und Vorschriften abgeben (hierbei ist zu beachten, dass dieses Kriterium sogar auf ausgesprochene Science-Fiction-Filme angewandt wird. Das Pentagon hat beispielsweise dem Film „Independence Day“ aufgrund „unrealistischer“ Darstellung der Armee die Unterstützung verweigert).
Das Drehbuch (vorzugsweise in mehrfacher Ausführung) sowie eine detaillierte Bedarfsliste und die genauen Drehtermine müssen sodann in einem der Armee-Verbindungsbüros in Los Angeles vorgelegt werden. Die Auswahl des Büros – Heer, Marine oder Luftwaffe – hängt hierbei vom Thema Ihres Films ab. Dort wird Ihr Projekt aufs Komma genau geprüft und dann – eventuell – in Absprache mit Philip Strub unterstützt. Diese Unterstützung beruht selbstverständlich nicht auf reiner Nächstenliebe; Sie müssen nicht nur alle Auslagen des Militärs zurückzahlen (Transportkosten für Personal, Treibstoff für die Flugzeuge etc.), sondern auch auf Ihre „künstlerische Integrität“ verzichten. Es kommt nur sehr selten vor, dass das Pentagon einen Film unterstützt, ohne vorher Veränderungen am Drehbuch anzuordnen (Beispiel: „Windtalkers“).
Danach werden die Bedingungen der Zusammenarbeit in einem Produktionsvertrag schriftlich festgelegt. Geben Sie sich nicht der Illusion hin, im letzten Moment noch Veränderungen vornehmen zu können: Ein vom Pentagon beauftragter Offizier wird bei Dreh und Schnitt anwesend sein. Seit dem „Skandal“ 1962 um den Film „Der längste Tag“ („The Longest Day“) werden vom Pentagon unterstützte Filme genauestens überwacht. Damals hatte sich der Produzent Darryl F. Zanuck trotz vorheriger Absprache geweigert, eine heikle Szene zu entfernen.
Nachdem der Film geschnitten ist, endet normalerweise die Zusammenarbeit. Es kann aber auch vorkommen, dass das Pentagon Ihren Film als besonders „gelungen“ einschätzt und Ihnen sogar bei der Promotion hilft. Dies war vor allem bei „Pearl Harbour“ der Fall – die Premiere fand auf einem Kriegsschiff auf Hawaii statt.
Auf keinen Fall sollten Sie vergessen, alle Offiziere einzuladen, die Ihnen bei der Fertigstellung Ihres Films behilflich waren; Für zukünftige Projekte kann das sicher nicht schaden.
Sollten Sie über Verbindungen nach ganz oben verfügen, sind alle bisher genannten Ratschläge selbstverständlich hinfällig. In diesem Fall sollten Sie John Waynes Beispiel folgen, der sich für die Unterstützung seines Films „Die grünen Teufel“ („The Green berets“) direkt an Präsident Johnson wandte.
Auf der Homepage des Verbindungsbüros der Luftwaffe in Los Angeles sind die Bedingungen der Zusammenarbeit detailliert beschrieben: http://www.airforcehollywood.af.mil/index2.html
Erstellt: 04-10-04
Letzte Änderung: 28-08-08