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05/05/04

Glossar

Afrikaans:
Die Sprache der Buren, die sich aus dem Niederländischen entwickelt hat. Sie gilt heute neben dem Englischen als zweite offizielle Amtssprache Südafrikas.

ANC:
Abkürzung für African National Congress, der aus dem 1912 gegründeten South African Native National Congress (SANNC) hervorging. Als Interessenvertretung der schwarzafrikanischen und farbigen Bevölkerungsgruppen Südafrikas kämpfte der ANC jahrelang gegen die offizielle Apartheidpolitik der südafrikanischen Regierung. Er wurde 1960-1990 durch die weiße Regierung des Landes verboten und musste während jener Zeit im Untergrund arbeiten. Der Präsident des ANC, Nelson Mandela, wurde 1994 der erste Präsident einer gemischten Regierung.

Apartheidpolitik:
Die in Südafrika bis Juni 1991 praktizierte Politik der Rassentrennung. Das Apartheidregime wurde von allen UN-Mitgliedsstaaten verurteilt und die Vereinten Nationen verhängten über das Land 1977 ein Waffenembargo sowie seit 1985 eine Reihe wirtschaftlicher Sanktionen. Unter Apartheidpolitik versteht man die völlige soziale Trennung von weißer, farbiger und schwarzer Bevölkerung in Südafrika. In ihrer institutionalisierten Form dauerte sie von 1948 bis 1990. Die Apartheidgesetzgebung teilte die Bevölkerung in drei große Gruppen ein, die als Rassen bezeichnet wurden: Weiße, Farbige (Menschen gemischter Abstammung) und Schwarze. Später wurde diese Einteilung um Asiaten bzw. Inder und Pakistanis auf vier Kategorien erweitert. Bei der Umsetzung der Apartheidpolitik unterschied man zwischen Kleiner Apartheid (petty apartheid), unter der die mit 1910 einsetzenden politische Reglementierungen zur Diskriminierung und Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung verstanden wurden, und Großer Apartheid, die Mitte der 80er Jahre einsetzte und an die Stelle der Kleinen Apartheid trat. Kernelemente der Großen Apartheid waren die räumliche Trennung von Schwarzafrikanern und Weißen, was zur Zwangsumsiedlung in homelands und townships führte, sowie das Verbot jeglicher politischer Mitwirkung für die Schwarzafrikaner. Erst unter Frederik de Klerk, Präsident Südafrikas von 1990-1994, gelang die schrittweise Abschaffung des Apartheidsystems durch einen Prozess der Annäherung und Reformen, in dessen Zuge das Verbot des ANC wieder aufgehoben und der Schwarzenführer Nelson Mandela aus seiner langjährigen Haft entlassen wurde. Das Ende der Apartheidpolitik bedeuteten dann schließlich die ersten demokratischen Wahlen, bei denen der ANC einen überragenden Erfolg verzeichnen konnte und Nelson Mandela das Amt des Präsidenten Südafrikas übernahm.

Buren:
Aus dem Niederländischen stammende Bezeichnung (ndl. boer für dt. Bauer) für einen Großteil der Einwohner Südafrikas und Namibias, deren Muttersprache im Gegensatz zum englischsprachigen Teil der Bevölkerung das Afrikaans ist. Die Nachfahren ehemaliger Siedler aus dem zumeist niederländischen Raum, die sich ab Mitte des 17. Jahrhunderts am Kap der Guten Hoffung niedergelassen hatten und dort vor allem Landwirtschaft und Viehzucht betrieben, gerieten mit den imperialistischen Bestrebungen der britischen Krone zunehmend in Bedrängnis und waren mit der Annexion der Kapkolonie schließlich gezwungen, sich ins Landesinnere zurückzuziehen. Dort gründeten sie die drei Burenrepubliken Natal, Transvaal und Oranje Freistaat, die ihre Unabhängigkeit jedoch während der Burenkriege (1899-1902) wieder verloren. Die nun heimatlos gewordene burische Bevölkerung wurde zum großen Teil in Lagern interniert.

Coloureds:
4 Millionen Menschen in Südafrika – etwa 9 % der Bevölkerung – werden als „coloureds“ bezeichnet. Diese „Farbigen“ sind die Nachfahren von Europäern, Malaysiern, indonesischen Sklaven und den Ureinwohnern Südafrikas, die sich im Verlauf der Jahrhunderte vermischt haben. Die meisten von ihnen leben in den Cape Flats, einem riesigen Konglomerat von Townships mit miserablen Lebensbedingungen rund um Kapstadt. Hierhin wurden sie in den 60er Jahren zwangsumgesiedelt. Die Opfer von einst sehen sich heute als die eigentlichen Verlierer der politischen Wende 1994. Hören Sie dazu ein Interview mit Carmen Butta: einfach hier klicken.

De Klerk, Frederic Willem:
Von 1989 bis 1994 Präsident der Republik Südafrika und Nachfolger von Pieter Willem Botha. Während sein Vorgänger die Repressalien gegen politische Gegner noch verstärkt hatte, gelang de Klerk die Abschaffung der Apartheidpolitik. Erste Schritte dahin bedeuteten die Aufhebung des ANC-Verbots sowie die Freilassung des Schwarzenführers und Staatsfeindes Nelson Mandelas aus seiner insgesamt 27-jährigen Haft, die de Klerk in seiner berühmten Rede vom 2. Februar 1990 vor dem Parlament verkündete. Damit erregte er den Unmut vieler Parlamentsmitglieder, doch setzte de Klerk auf eine Erneuerung Südafrikas, das durch die blutigen Rassenkonflikte zerrissen war und in dem ein Bürgerkrieg immer wahrscheinlicher schien. Er wusste, dass er das Land nur davor bewahren konnte, wenn er jetzt die notwendigen Reformen einleiten würde. Man richtete ein Gremium ein, das die Aufgabe hatte, eine neue Verfassung auszuarbeiten. In dieser sollten jedem Bürger die gleichen Rechte eingeräumt und damit niemand mehr wegen seiner Rasse benachteiligt werden. 1992 wurde das Referendum für die Abschaffung der Apartheid von der weißen Bevölkerung angenommen, und als am 26. April 1994 die ersten freien Wahlen stattfanden, aus denen der ANC von Nelson Mandela als stärkste Partei hervorging, bedeutete dies das Ende der insgesamt 341-jährigen Alleinherrschaft der Buren in Südafrika. Frederik de Klerk blieb der gebildeten Regierung zunächst zwar als Vizepräsident erhalten, gab jedoch im Jahre 1995 wegen eines Streites mit Mandela sein Amt auf und ging mit seiner Partei NP National Party in die Opposition. Für seine Bemühungen um ein demokratisches Südafrika wurde Frederik de Klerk zusammen mit Nelson Mandela 1993 der Friedensnobelpreis verliehen, mit dem er zu jener Zeit in der Übergangsregierung tätig war, die aus Weißen und Schwarzen bestand. Im Jahre 1997 zog Frederik de Klerk sich gänzlich aus der Politik zurück und legte auch seinen Parteivorsitz nieder.

Mandela, Nelson Rolihlahla:
Prominentester Apartheid-Widerstandskämpfer. Aufgrund seines politischen Engagements jahrzehntelang auf der Gefangeneninsel Robben Island in Haft. Nach seiner Freilassung seit 1991 Präsident des ANC (African National Congress) und von 1994 bis 1999 Staatspräsident von Südafrika.
Mehr zu Mandela können Sie auch in unserer Rubrik Nelson Mandela erfahren, wenn Sie hier klicken.

Massaker von Sharpeville:
Am 21. März des Jahres 1960 wurden in Sharpeville in Südafrika 69 Personen, die an einer friedlichen Demonstration gegen die Passgesetze der Apartheidregierung teilgenommen hatten, von der südafrikanischen Polizei getötet. Seit 1966 wird nach Beschluss der Generalversammlung der Vereinten Nationen an diesem Tag der Internationale Tag zur Beseitigung von Rassendiskriminierung begangen. Auf Initiative des EU-Rates wird außerdem seit 1997 der 21. März zum "Fest der kulturellen Vielfalt" in den Bildungseinrichtungen ausgerufen.

Zusammenstellung dieses Glossars (Stand 26.4.04) auf der Grundlage von:

- France diplomatie (Website in französisch, deutsch, spanisch)
- Die Friedensnobelpreisträger von 1901-1999, von V. Grossi und P. Muttner
- Glossar der Uni Hamburg
- Informationen zu de Klerk


Für zusätzliche Informationen können Sie auch die Internet-Enzyklopädie Wikipedia konsultieren!



Erstellt: 26-04-04
Letzte Änderung: 05-05-04