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Die Vertriebenen des 2. Weltkrieges - 11/08/08

Buchempfehlungen zum Thema

Mehr zur Geschichte der Vertreibung von Polen und Deutschen und zu individuellen Schicksalen finden Sie in folgenden Publikationen:

Weitere Artikel zum Thema

Kindheit in Ostpreußen
Marion Gräfin Dönhoff
Goldmann, März 1998
ISBN: 3442722659
Fünfundzwanzig Jahre nach ihrem legendären Fluchtbericht »Namen, die keiner mehr nennt« läßt Marion Gräfin Dönhoff die Welt aus dem Gedächtnis aufsteigen, aus der sie damals, im Frühjahr 1945, vor den russischen Panzern in den Westen ritt. Marion Dönhoff erzählt in diesen Kindheitserinnerungen von Schloß Friedrichstein, dem grandiosen Sitz des Geschlechts, in dem die Dönhoffs seit Jahrhunderten zu Hause waren.

So steigt nicht nur das Leben der »Herrschaft« aus dem Dunkel auf, sondern auch der Kosmos eines großen Adelssitzes inmitten der ostpreußischen Landschaft, der unendlichen Wälder und unzähligen Seen, die Marion Dönhoff mit der Sehnsucht der Sicherinnernden beschwört.

Dr. rer. pol. Marion Gräfin Dönhoff, geboren 1909 in Ostpreußen, studierte Volkswirtschaft. Seit 1946 gehörte sie der Redaktion der Hamburger Wochenzeitung 'DIE ZEIT' an, seit 1968 als Chefredakteur. 1973 wurde sie Herausgeberin. Sie wurde u. a. mit dem Theodor-Heuss-Preis und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

 

Schweres Gepäck
Helga Hirsch
Edition Körber Stiftung, Oktober 2004
ISBN: 3896840428

Flucht und Vertreibung hinterlassen Spuren. Fast 60 Jahre nach Kriegsende suchen Kinder von Vertriebenen nach Antworten: Wer bin ich? Woher komme ich? Welche Erfahrungen der Eltern und Großeltern haben meine Familiengeschichte geprägt?

Helga Hirsch begleitet Menschen der zweiten Generation von Vertriebenen auf der Suche nach ihren biografischen Wurzeln und den Belastungen durch Heimatverlust. Sie hört zu und fragt nach. Ihre sensiblen Beobachtungen webt sie zu eindringlichen biografischen Texten. Damit ergänzt sie eine politisch kontrovers geführte Debatte über Flucht, Umsiedlung und Vertreibung, über Opfer und Täter und konkrete Erfahrungen derjenigen, die diese Zeit als Kinder erlebten. Die gesellschaftliche Anerkennung auch dieser Schicksale, so die These der Autorin, schafft eine Basis, das Zusammenleben in Europa zu verbessern.

 

Im Krebsgang
Günter Grass
Dtv, März 2004
ISBN: 3423131764

Es war die größte Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt: Am 30. Januar 1945 verließ das ehemalige Kraft-durch-Freude-Kreuzfahrtschiff "Wilhem Gustloff" mit 6.100 Flüchtlingen an Bord Gotenhafen und wurde vor Stolpermünde von einem sowjetischen U-Boot aufgebracht. Drei der kommunistischen Heimat und ihrem Diktator gewidmete Torpedos durchbohrten das Schiff, das in knapp einer Stunde versank; mehr als 5.000 Menschen kamen ums Leben.

Die Tragödie in der Ostsee hat Günter Grass seit jeher interessiert. In Romanen wie Katz und Maus und Die Rättin wird erwähnt, dass die Nebenfigur der Tulla Pokriefke das Unglück knapp überlebte. Nun hat der Autor dem Ereignis auf hoher See eine historische, dabei aktuell-brisante Novelle gewidmet. In Im Krebsgang wird der Sohn von Tulla beauftragt, die längst vergessene Geschichte aus den Fluten des kollektiven Gedächtnisses zu bergen. Eher widerwillig recherchiert der Journalist und Ich-Erzähler im Internet, tummelt sich in den abstrusen Chatrooms der Neonazis, beleuchtet die Biografien des Schweizer NS-Landesgruppenführers Wilhelm Gustloff, seines jüdischen Attentäters David Frankfurter und des U-Bootkommandanten der sowjetischen Rotbannerflotte Alexander Marinesko -- und versucht sich schließlich im Erzählprozess ganz "an Bord der 'Gustloff' zu denken", um die tödliche Katastrophe vor den Augen seiner Leser wieder lebendig werden zu lassen.

 

Der Verlust
Thomas Urban
Beck Verlag, September 2004
ISBN: 340652172X

Die Debatte über ein "Zentrum für Vertreibungen" hat in letzter Zeit die Gemüter westlich und östlich der Oder erregt und einen Schatten auf die deutsch-polnischen Beziehungen geworfen. Thomas Urban nähert sich dem schwierigen Thema der wechselseitigen deutsch-polnischen Vertreibungen aus der Perspektive beider Länder. Weniger bekannt ist die Vorgeschichte der beiderseitigen Vertreibungen, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Thomas Urban stellt die Ausweisung von Polen aus Preußen unter Bismarck ebenso dar wie die Enteignung und erzwungene Emigration Zehntausender von Deutschen nach der Neugründung des polnischen Staates nach dem Ersten Weltkrieg. Er analysiert die deutsche Besatzungspolitik in Polen, die Vertreibungen ebenso wie Massenverhaftungen und -exekutionen als Instrumente im Kampf gegen die polnische Intelligenz umfasste.

Einen großen Raum nimmt die Darstellung der Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Die deutsche Bevölkerung der Gebiete östlich von Oder und Neiße floh entweder vor der Roten Armee oder wurde mit Zustimmung der Alliierten von den polnischen Behörden vertrieben oder zwangsausgesiedelt; das Gebiet wurde Polen zugeschlagen, das seinerseits den Ostteil an die Sowjetunion verlor. Auch die Bewohner Ostpolens wurden zur Aufgabe ihrer Heimat gezwungen. Thomas Urban gelingt es in dieser konzisen Darstellung, die Geschichtsschreibungen beider Länder zu diesem umstrittenen Thema zu Wort kommen zu lassen.

Thomas Urban, geb. 1954, Sohn deutscher Breslauer, verheiratet mit einer polnischen Breslauerin, arbeitet als Korrespondent der "Süddeutschen Zeitung" in Warschau.

 

Die Flucht
Stephan Burgdorff (Hrsg.) und Stefan Aust
Dva, Oktober 2002
ISBN: 342105682X

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, begann die "größte erzwungene Völkerwanderung in der europäischen Geschichte der Neuzeit", wie die Autoren es nennen: die Vertreibung von über 14 Millionen Deutschen aus ihren Siedlungsgebieten im Osten. Besitz und Heimat – in Ostpreußen, Schlesien, im Sudetenland – blieben zurück.

Die Vertreibungen, daran lassen die Autoren (Historiker und Spiegel-Redakteure) keinen Zweifel, waren Folge des Krieges, den Deutschland begonnen und vor allem in Osteuropa barbarisch geführt hatte. Sie waren ein Ventil für den verständlichen Wunsch nach Rache bei der einheimischen Bevölkerung. Aber die Vertreibungen waren eben auch ein groß angelegtes und systematisch geplantes Verbrechen. Das zeigen die dramatischen Schilderungen in diesem Buch noch einmal in aller Deutlichkeit: Zehntausende Deutsche starben an den Strapazen der Flucht oder wurden gezielt getötet, hunderttausende Frauen wurden vergewaltigt.

Packend und mit vielen Zeitzeugenberichten beschreiben die Autoren, wie die Vertreibungen in den einzelnen Gebieten Osteuropas abliefen. Sie zeigen das Versagen der deutschen Wehrmacht, die lieber verbissen für den "Endsieg" kämpfte, anstatt Flüchtlinge zu schützen. Und sie skizzieren die mühsame, letztlich aber erfolgreiche Eingliederung der Vertriebenen in der Bundesrepublik und auch in der DDR. Ein sehr lesenswertes Buch über ein ebenso schwieriges wie wichtiges Kapitel deutscher und europäischer Geschichte.

Erstellt: 26-02-07
Letzte Änderung: 11-08-08