18/10/05
Chronik
Die Chronik der McCarthy-Ära (1945 - 1957)
Die Feindseligkeit gegenüber den Kommunisten erreichte ihren Höhepunkt zwischen 1950 und 1954, während der von US-Senator Joseph McCarthy angeführten Hexenjagd. Die durch den Kalten Krieg geschürte Angst vor dem Kommunismus war jedoch in den Vereinigten Staaten zu jener Zeit bereits fest verankert - „Red Scare“, die „Angst vor den Roten“, wurzelte in den 1920er-Jahren.
MacCarthy, der Begründer des „McCarthyismus“, hatte den bereits ab 1945 in die Offensive getretenen Antikommunismus nicht erfunden, sondern sich diesen lediglich neu auf die Fahnen geschrieben. Rückblick auf die bedeutendsten Ereignisse der McCarthy-Ära:
1945
Das HUAC (House Un-American Activities Committee oder Komitee für unamerikanische Umtriebe) wird zum ständigen Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses für Angelegenheiten der Inneren Sicherheit bestimmt.
Februar
Konferenz von Jalta mit den Großen Drei: Stalin, Churchill und Roosevelt
April
Konferenz von San Francisco und Charta der Vereinten Nationen.
1946
Churchill prägt in einer Ansprache in Fulton (Missouri) den Begriff „Eiserner Vorhang“
November
Die Kongresswahlen bringen den beiden Kammern des Kongresses (Repräsentantenhaus und Senat) eine republikanische Mehrheit.
25. November
Harry Truman, seit April 1945 demokratischer Präsident der Vereinigten Staaten und Erbe Roosevelts, richtet eine Übergangskommission ein, die Nachforschungen bezüglich der Loyalität (vage gefasstes Konzept) von Bundesbeamten Nachforschungen anstellen soll. Als unloyal gelten Anhänger von Totalitarismus, Faschismus, Kommunismus sowie all diejenigen, die umstürzlerische Ansichten vertreten.
1947
12. März
Proklamation der Truman-Doktrin über die Unterstützung freier Völker
22. März
Die Behörden erhalten die Loyalty Order genannte Weisung, Angestellte zu verhören und eventuelle Security risks zu entlassen, d. h. Personen, deren Anschauungen oder Tätigkeiten eine Bedrohung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten darstellen. Gleichzeitig nimmt das Justizministerium erneut seine Auflistung subversiver Organisationen auf. Zwischen 1947 und 1951 werden drei Millionen Bundesbeamte überprüft.
Mai
Das Taft-Hartley-Gesetz sorgt für eine strengere Überwachung der Gewerkschaften.
5. Juni
Ankündigung des Marshall-Plans an der Harvard-Universität.
Oktober-November
Das HUAC beschließt, eine breit angelegte Ermittlung in der Filmbranche durchzuführen. Zu den rund fünfzehn Verdächtigen zählen Edward Dmytryk, Lester Cole, Dalton Trumbo und Ring Lardner.
1948
Februar
Kommunistischer Umsturz in Prag
3. April
Der Kongress verabschiedet den Marshall-Plan.
April
Die „Hollywood Ten“ verweigern dem Kongress die Aussage und werden wegen „unamerikanischer Umtriebe“ verurteilt.
24. Juni
Beginn der Blockade von Berlin
Juli
Anklage der wichtigsten Anführer der KP
August
Die Alger Hiss-Affäre wühlt die öffentliche Meinung in Amerika auf. Whittaker Chambers beschuldigt den ehemaligen Harvard-Musterstudenten, der unter Roosevelt zu einem eminenten Diplomaten geworden war, in den 1930-er Jahren Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen und ein sowjetischer Agent geworden zu sein. Die Ermittlungen leitete der zukünftige US-Präsident und radikale Antikommunist Richard M. Nixon. 1950 wird Alger Hiss wegen Meineids verurteilt. Als er nach drei Jahren Haft freigelassen wurde, setzte er alles daran zu beweisen, dass er einem Komplott zum Opfer gefallen war.
November
Wiederwahl Trumans; die Republikaner suchen ein neues Leitmotiv für ihre Oppositionspolitik.
1949
Oktober
Prozess der Anführer der amerikanischen PK, die von den Geschworenen für schuldig erklärt werden.
4. April
Gründung der NATO
23. September
Truman gibt bekannt, dass die Sowjetunion ihre erste Atombombe gezündet hat.
1. Oktober
Die Gründung der Volksrepublik China unter Mao Tse-tung ruft heftige Reaktionen her: Wenn die Kommunisten in Peking die Macht übernehmen konnten, mussten die amerikanischen Experten entweder inkompetent oder Verräter sein …
1950
Präsident Truman erklärt, dass die Vereinigten Staaten die Wasserstoffbombe entwickeln.
9. Februar
Ansprache McCarthys in Wheeling (West-Virginia)
Vor einer Frauenvereinigung der republikanischen Partei behauptet der nur noch wenige Stunden unbekannte Senator des US-Bundesstaats Wisconsin, das Papier in seiner Hand sei eine Liste von 205 eingeschriebenen Mitgliedern der Kommunistischen Partei, die im Außenministerium arbeiteten und seine Politik mitgestalteten. Diese berühmt gewordene Aussage läutete die Hexenjagd ein.
25. Juni
Die nordkoreanische Armee überschreitet die Demarkationslinie und greift Südkorea an.
17. Juli
Verhaftung von Ethel Rosenberg; Julius Rosenberg wird am 11. August verhaftet.
September
Trotz des Vetos von Präsident Truman wird das Internal Security Act, bekannter als McCarran-Gesetz, verabschiedet. Es soll die „weltweite kommunistische Verschwörung“ bekämpfen und zwingt kommunistische oder sympathisierende Organisationen, sich offiziell registrieren zu lassen.
1951
Januar
Amerikanische Niederlage in Korea.
Gründung des "Senate Internal Security Subcommittee".
März-Juli
Die amerikanischen Truppen erobern unter der Führung von General Ridgway Südkorea langsam zurück.
9. April
Die Rosenbergs werden zum Tode verurteilt.
28. April
Die Bundesregierung verschärft weiterhin die Loyalitätskontrollen bei Bundesbeamten. Beweise sind inzwischen nicht mehr erforderlich, einfache Zweifel reichen zur Entlassung aus dem Dienst.
Juni
Die Anführer der PK gehen in den Untergrund.
14. Juni
McCarthy attackiert General Marshall, einen in den USA einmütig wegen seines politischen Engagements für den Staat geachteten Mann. Er wirft ihm aufgrund seiner Rolle im Zweiten Weltkrieg und seiner Entscheidungen in der Asien-Politik der Vereinigten Staaten eine pro-kommunistische Gesinnung vor.
1952
November
General Eisenhower gewinnt die Präsidentschaftswahlen gegen den Kandidaten der demokratischen Partei.
1953
Februar
Ein Runderlass von Staatssekretär John Foster Dulles verbietet die Präsenz „kommunistischer“ Werke in amerikanischen Kulturzentren im Ausland.
11. Februar
Präsident Eisenhower verweigert den Rosenbergs die Begnadigung.
5. März
Stalins Tod
27. April
Beamte müssen den Beweis ihrer Loyalität selbst erbringen.
19. Juni
Hinrichtung der Rosenbergs
Herbst
McCarthy beginnt Ermittlungen gegen die Armee.
1954
11. März
Die Armee beschuldigt McCarthy, für einen seiner engsten, in den Militärdienst einberufenen Mitarbeiter eine Sonderbehandlung erbeten zu haben.
März-Juni
Vor dem Senat findet eine 35-tägige Konfrontation „Armee gegen McCarthy“ statt.
24. August
Communist Control Act: Die PK wird zwar nicht verboten, es werden ihr jedoch Vereinsrechte genommen.
2. Dezember
Der Senat sanktioniert McCarthy für seine Haltung mit 69 gegen 23 Stimmen.
1956
Der 20. Kongress der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) beschließt die Entstalinisierung und die friedliche Koexistenz.
November
Wiederwahl Eisenhowers
1957
2. Mai
Tod von McCarthy
17. Juni
„Roter Montag“: Vier Urteile des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten markieren den Anfang vom Ende der Hexenjagd.
Erstellt: 17-10-05
Letzte Änderung: 18-10-05