01/03/07
Eine Chronik des Nordirland-Konflikts
Von den Anfängen bis zur Unterzeichnung des im April 1998 unterzeichneten Karfreitags-Abkommens, dem ersten Schritt zu einer relativen Befriedung des nordirischen Konflikts.
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Zur Vorgeschichte:
1169: Der englische König Henry II. besetzt Irland.
17. Jhdt.: Protestantische Schotten und Engländer beginnen den Norden Irlands zu besiedeln.
1690: Der protestantische König Wilhelm von Oranien besiegt den katholischen und aus England vertriebenen James II. in der Schlacht von Boyne.
1801: Einigungsvertrag mit England.
1919: Katholische Aufstände eskalieren zum Bürgerkrieg.
1921: Anglo-irischer Vertrag: Teilung Irlands in die souveräne irische Republik und in die nordirische Provinz, die beim Vereinigten Königreich bleibt und ein Parlament (Stormont) erhält.
Drei Jahrzehnte Gewalt:
1968: Die katholische, pro-irische Minderheit fordert mehr Rechte von der protestantischen pro-britischen Mehrheit. Als Folge kommt es zu Ausschreitungen zwischen Protestanten und Katholiken.
1969: Die Auseinandersetzungen verschärfen sich. Britische Truppen werden nach Nordirland entsendet.
1972: Am „Bloody Sunday" erschießt die Armee 13 unbewaffnete pro-irische Demonstranten in Londonderry. Die Fallschrimjäger hatten das Feuer auf Teilnehmer eines Bürgerrechtsmarsches eröffnet. Den „Blutsonntag" beantwortet die IRA mit Anschlägen. Autobomben der IRA töten in Belfast elf Menschen. Wegen der zunehmenden Gewalt wird das Regionalparlament aufgelöst und Nordirland britischer Direktverwaltung unterstellt.
1973: In Sunningdale bei London findet eine Konferenz von Vertretern der britischen, irischen und einer künftigen nordirischen Regierung statt, auf der die Bildung eines „Gesamtirischen Rates" beschlossen wird. Das Abkommen wird durch einen protestantischen Generalstreik zu Fall gebracht. Ein Jahr später wird der Notstand ausgerufen.
1974: Bei Autobombenanschlägen protestantischer Terroristen in Dublin und Monaghan sterben 28 Menschen.
1979: Die IRA verübt verstärkt Attentate auf prominente Briten. Zu den Opfern gehört der Cousin von Königin Elisabeth II, Lord Mountbatten. Gleichzeitig hält der Terror protestantisch-loyalistischer Milizen an.
1981: Hungertod des IRA-Mitglieds und Unterhausabgeordneten Bobby Sands sowie zehn weiterer Gefangener im Maze-Gefängnis.
1983: Bei einem Bombenanschlag der IRA auf das Londoner Kaufhaus „Harrods" sterben sechs Menschen.
1984: Bombenanschlag der IRA während des Parteitags der Konservativen, dem Premierministerin Thatcher knapp entgeht. Fünf Menschen sterben.
1985: Die irische Regierung erhält ein Beratungsrecht bei der Verwaltung von Nordirland. Pro-britische Unionisten protestieren gegen die Entscheidung.
September 1994: Die IRA verkündet einen Waffenstillstand dem sich pro-britische Loyalistengruppen einige Wochen später anschließen. Zum ersten Mal seit 70 Jahren kommt es zu offiziellen Gesprächen zwischen der britischen Regierung und der IRA-nahen Partei Sinn Fein.
1996
Februar: Die IRA kündigt ihren Waffenstillstand auf. Bei Anschlägen in London und Manchester sterben zwei Menschen, 300 werden verletzt.
Juni: In Belfast beginnen die Allparteien-Gespräche unter der Vermittlung des ehemaligen US-Senators George Mitchell. Wegen der IRA-Anschläge wird Sinn Fein von den Gesprächen ausgeschlossen.
1997
September: Die IRA ruft einen neuen Waffenstillstand aus. Sinn Fein nimmt kurz darauf erstmals an den Friedensgesprächen teil.
Dezember: Der Mord an dem Anführer der „Loyalist Volunteer Force" (LVF), Wright, im Hochsicherheitsgefängnis Maze durch die katholische Splittergruppe „Irish National Liberation Army" (INLA) löst eine Anschlagserie aus, in deren Verlauf mehrere Personen getötet werden.
1998
10. April: Das Friedensabkommen („Karfreitagsabkommen“) für Nordirland wird unterzeichnet.
22. Mai: Annahme der Friedensübereinkunft durch Volksabstimmungen in Nordirland und Irland.
1. August: Bei einem Autobombenanschlag der katholischen Splittergruppe „Real IRA" werden 35 Personen verletzt.
8. August: Die LVF gibt einen Gewaltverzicht bekannt.
15. August: Bei einem Bombenanschlag in Omagh werden 28 Personen getötet und mehr als zweihundert verletzte. Die "Wahre IRA" bezichtigt sich des Anschlags.
19. August: Verkündung einer vorläufigen Einstellung ihrer „militärischen Aktionen" durch die „Wahre IRA".
2. September: Sinn Fein spricht sich für Gewaltverzicht aus.
10. Dezember: David Trimble, künftiger Ministerpräsident der Provinz Nordirland und John Hume, Führer der irisch-nationalistischen Arbeiterpartei, werden für ihre Verdienste um die Aussöhnung zwischen den irischen und den pro-britischen Nationalisten mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
18. Dezember: Unionisten und irisch-nationalistische Parteien einigen sich auf die Bildung einer neuen Provinzregierung, die zur Hälfte von Protestanten und Katholiken gebildet wird. Ungeklärt ist aber weiter die Frage einer Entwaffnung aller Untergrundgruppen, die als Haupthindernis für eine umfassende Friedensregelung gilt.
1999
2. Dezember: Nordirland wird nach 27 Jahren unter direkter britischer Herrschaft wieder autonom. Die Regionalregierung nimmt ihre Arbeit auf.
29. November: Die nordirische Exekutive wird vervollständigt. Die zehn Ministerposten werden nach Parteistärke im Parlament vergeben. Damit steht unter David Trimble die erste katholisch-protestantische Regionalregierung in der Geschichte Nordirlands.
2000
11. Februar – 30. Mai: Großbritannien stellt Nordirland wieder unter britische Direktverwaltung, weil die Entwaffnung der IRA nicht in Gang gekommen ist.
Vom ersten Waffenstillstand bis zur Autonomie: Lesen Sie, was sich in den 1990er Jahren ereignet hat.
2001
7. Juni: Bei der Wahl zum Londoner Unterhaus erleidet die demokratisch protestantische Unionist Ulster Party herbe Verluste. Die radikalen nordirischen Parteien, die protestantische DUP und die katholische Sinn Fein können indessen stark zulegen.
1. Juli: Protestantenführer David Trimble (Unionist Ulster Party UUP) tritt aus Protest gegen die ausbleibende Entwaffnung der IRA als Regierungschef zurück.
23. Oktober: Die internationale Entwaffnungskommission bestätigt, dass die IRA einen Teil ihrer Waffen abgegeben hat.
2002
5. Februar: Der Sinn-Fein-Abgeordnete Alex Maskey wird Oberbürgermeister von Belfast. Er bekam bei der Abstimmung 26 von 51 Stimmen und setzte sich damit gegen zwei protestantische Gegenkandidaten durch. Noch in der Nacht nach der Wahl kommt es in Belfast trotz starker Polizeipräsenz zu zahlreichen Straßenschlachten.
27. März: Die IRA scheint bereit zu sein, weitere Waffen abzugeben. Vorausgegangen waren Gespräche zwischen Sinn-Fein-Chef Gerry Adams und dem britischen Regierungschef Tony Blair über eine Amnestie für untergetauchte Terroristen.
24. April: Ein Komitee des US-amerikanischen Repräsentantenhauses veröffentlicht einen Bericht, demzufolge die IRA internationale Terrorgruppen in Kolumbien ausgebildet haben soll. Der Vorsitzende von Sinn Fein, Gerry Adams, weist die Anschuldigungen zurück.
17. Mai: Sinn Fein gewinnt bei den Wahlen zum Parlament Irlands vier Mandate hinzu und verfügt nun über fünf Sitze.
17. Juli: Die IRA entschuldigt sich erstmals für die zivilen Opfer ihrer 30 Jahre andauernden Gewaltkampagne. Das Statement erscheint zum dreißigsten Jahrestag des "Bloody Friday" am 21. Juli 1972.
14. Oktober: Nordirland wird wieder der Kontrolle Londons unterstellt, um den Zusammenbruch der Koalition in Belfast zu verhindern. Zuvor hatten Berichte über IRA-Spione im nordirischen Regierungsapparat die Runde gemacht.
2003
1. Mai: Die ursprünglich für Ende Mai geplante Wahl einer neuen Regionalversammlung für Nordirland wird auf unbestimmte Zeit verschoben, weil die IRA kein klares Bekenntnis zum Frieden und zur Entwaffnung abgibt.
6. September: Protestantenführer David Trimble gewinnt eine Kraftprobe mit innerparteilichen Gegnern des Friedensprozesses, die gegen seinen Kurs einer Zusammenarbeit mit der IRA-nahen Partei Sinn Fein sind.
21. Oktober: Die protestantischen und katholischen Konfliktparteien Nordirlands einigen sich auf Wahlen zur Regionalversammlung am 26. November 2003.
29. November: Bei den Regionalwahlen gewinnen die radikalen Parteien beider Lager.
2004
Dezember: Friedensgespräche scheitern an der Frage der IRA-Entwaffnung. Eine neue Autonomie ist nicht in Sicht.
2005
28. Juli: Neue Hoffnung für den Friedensprozess: Die IRA erklärt den "bewaffneten Kampf" für beendet, ihre Kämpfer sollen "die Waffen wegwerfen".
(Quellen: FR-Archiv, FAZ-Archiv, Der Spiegel, Deutsche Welle)
Erstellt: 24-01-07
Letzte Änderung: 01-03-07