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Geschichte auf ARTE

Monatliches Onlinemagazin mit Informationen zu den wichtigsten historischen Sendungen auf ARTE und mehr: Geschichte hinter den Geschichten

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Geschichte auf ARTE

3. August 2005 um 20.50 Uhr - 01/08/05

Berlin - Ecke Volksbühne

Verrufen, aber mit Charakter


Mitten in Berlin, nördlich des Alexanderplatzes im alten Scheunenviertel, liegt der Rosa-Luxemburg-Platz. Es ist ein rauer Ort, beherrscht vom monumentalen Bau der Volksbühne. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten hier ostjüdische Einwanderer, aber auch jede Menge fragwürdige Existenzen. Ganoven und Prostituierte machten hier Geschäfte. Eine triste Gegend - aber eine mit Charakter. Hier wurde um die Ideen des 20. Jahrhunderts gekämpft. Hier ging es um Politik und Weltanschauungen, aber auch um Kunst, Kino und Theater. Hier ist Ernst Lubitsch aufgewachsen, hat "Der Hauptmann von Köpenick" seine Uniform gekauft, der KPD-Vorsitzende Ernst "Teddy" Thälmann Reden gehalten, Bertolt Brecht Randale erlebt, der Stasi-Chef Erich Mielke einen Mord begangen, für den er erst 50 Jahre später angeklagt und verurteilt wurde, und der "Reichs-Marschall" Hermann Göring hat hier ein inoffizielles KZ geführt. Hier ist Walter Ulbricht ins Theater gegangen und Victor Klemperer ins Kino. Fünf Mal in 100 Jahren hat der Platz seinen Namen gewechselt. Seine bewegte Vergangenheit sieht man ihm nicht an. Nur manchmal offenbaren sich kleine Geheimnisse. Ein paar davon erzählt dieser Film. Als Stefan Lucks vor gut zehn Jahren seine Wohnung bezog, glaubte er noch, er käme in ein ganz normales Mietshaus. Aber als er bei der Renovierung die Tapeten von den Wänden kratzte, entdeckte er darunter kleine Davidsterne. Heute weiß er, dass sein Wohnzimmer früher ein Gebetsraum orthodoxer Juden war. Die Almstadtstraße war einmal die Hauptstraße der Ostjuden in Berlin. Zionistische Vereine, hebräische Buchhandlungen, Talmudschulen und viele kleine Synagogen Tür an Tür mit Kaschemmen, Puffs und Trödelläden kleiner Ganoven. Seit 1926 hatte die KPD ihren Sitz am Platz, heute die PDS. Es gab jede Menge Straßenschlachten und immer wieder Tote. Später prägten die Nazis die Gegend. Nach dem Krieg kamen die sowjetische Militäradministration und das Institut für Marxismus-Leninismus. Das Kino Babylon und die Volksbühne veranstalteten über Jahrzehnte Premieren und Konzerte. Nach der Wende wurde Frank Castorf Intendant der Volksbühne und machte das Theater zu einer der interessantesten deutschsprachigen Bühnen. Der Film zeigt den Ort, an dem sich all diese Geschichten bündeln.

Filmemacherin Britta Wauer montierte eine Collage aus Erinnerungen und privaten Erlebnissen Einzelner, vielen Archivaufnahmen und aktuellen Beobachtungen. Eine Besonderheit sind die Zeichnungen von Heinrich Zille, Jason Lutes und Oliver Grajewski, die alle ihre Motive in der Gegend gefunden haben. In der Dokumentation werden diese mit den historischen und aktuellen Filmaufnahmen verflochten. Die junge Regisseurin Britta Wauer erhielt für ihren Dokumentarfilm "Die Rapoports - Unsere drei Leben" (ARTE, 11. Februar 2004) im Jahr 2005 den Adolf Grimme Preis.



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Dokumentation von Britta Wauer
Deutschland 2005, Erstausstrahlung, 52 Min.
ARTE/ZDF
Wiederholung am 5. August um 16.45 Uhr

Erstellt: 01-08-05
Letzte Änderung: 01-08-05