
- Typ I (Klitoridektomie oder modifizierte Sunna)
Häufigste Form der Entfernen eines Teiles oder der ganzen äußeren Klitoris.
Bei der sogenannten „milde Sunna“ wird nur das Klitoris-Häubchen eingeritzt oder entfernt. Einzig diese seltene Form ist der Beschneidung der männlichen Vorhaut vergleichbar.
- Typ II (Exzision)
Teilweise oder vollständige Amputation der Klitoris einschließlich der häufig vollständigen Entfernung der inneren Schamlippen.
- Typ III: (Infibulation/ pharaonische Beschneidung)
Entfernung der Klitoris, der inneren und äußeren Schamlippen. Die beiden Seiten der Vagina werden anschließend zumeist mit Dornen so zusammengenäht, dass sich bei der Heilung eine Brücke aus Narbengewebe über der Vagina bildet. Durch das Einlegen eines Holzstückchens oder Strohhalms wird gewährleistet, dass eine winzige Öffnung für den Austritt von Urin und Menstruationsblut bestehen bleibt.

Zur Verdeutlichung der Schwere des Eingriffs hat die WHO den Begriff FGM geprägt ("female genital mutilation", weibliche Genitalverstümmelung). Die FGM ist in 28 afrikanischen Ländern, im Jemen, im Irak, Indonesien und Malaysia verbreitet. Religiöse, ästhetische oder medizinische Mythen dienen häufig als Rechtfertigung – tief verankerte Traditionen und starke Tabus machen einen Ausstieg schwer. Eltern und Verwandten ist es häufig kaum möglich, ihre Mädchen vor der Verstümmelung zu bewahren, ohne sozial ausgegrenzt zu werden. Unbeschnittene Frauen gelten als unrein und abstoßend, riskieren unverheiratet zu bleiben.
Die Praktiken sind von Land zu Land verschieden, unterschieden werden drei Haupttypen (siehe Kasten). 80 % aller genitalverstümmelten Frauen erleiden eine der ersten beiden Formen der Verstümmelung, die mit der Amputation der Klitoris und der teilweisen oder vollständigen Entfernung der Schamlippen einhergeht. In einigen Ländern (z.B. Eritrea, Dschibuti und Somalia) werden jedoch alle Mädchen der extremsten und gefährlichsten Form der FGM unterzogen - der sogenannten pharaonischen Beschneidung, die mit der vollständigen Entfernung aller äußeren Genitalien einhergeht. Neben diesen Hauptformen existieren zudem verschiedenste Formen von schmerzhaften Eingriffen, die die weiblichen Genitalien betreffen, wie das Einritzen, Durchbohren, Einschneiden, Ausbrennen, Dehnen von Klitoris, Schamlippen oder der Vagina.
Die Beschneidung ist häufig Teil eines Initiationsrituals und wird als Fest zelebriert. Die meisten Mädchen werden zwischen ihrem vierten und zwölften Lebensjahr beschnitten – viele Mütter lassen ihre Töchter schon im Säuglingsalter beschneiden, da sie glauben, dass diese sich so später an nichts erinnern. Nicht alle überleben den schweren Eingriff, der in den meisten Fällen ohne Betäubung und mit unsterilen Werkzeugen wie Rasierklingen, Glasscherben oder Fingernägeln durchgeführt wird. Jedes zehnte Mädchen stirbt an dem hohen Blutverlust oder einer Folgeinfektion.
Nach der Beschneidung soll ein strammes Bandagieren der Beine von der Hüfte bis zu den Knöcheln die langwierige Wundheilung beschleunigen. Eine weitere Tortur, denn dadurch stauen sich Urin und Blut im Unterleib, Infektionen können die Folge sein. Manche Wunden entzünden sich immer wieder. Zu den häufig chronischen Schmerzen beim Laufen kommen vor allem bei der Infibulation große Probleme beim Wasserlassen und der Menstruation. Madina berichtet über ihre Erfahrungen: "Das Wasserlassen dauert eine Stunde, zwei Stunden. Und wenn ein Mädchen ihre Menstruation bekommt, muss sie versuchen, mit einem Stöckchen den Weg in die Scheide frei zu machen. Sie hocken sich hin, pressen, werfen sich auf den Boden…"
Vor dem ersten Geschlechtsverkehr ist bei infibulierten Frauen eine Öffnung der Vagina notwendig. Gelingt dem (Ehe)mann die Penetration nicht, muss gewaltsam "defibuliert" werden – häufig mit weiteren fatalen Folgen. Zur Entbindung ist eine zusätzliche Erweiterung der Vaginalöffnung notwendig, um einen normalen Geburtsverlauf zu ermöglichen. Djenaba Kamara wurde in Paris geboren. Ihre Eltern ließen sie während eines Heimaturlaubes in Mali beschneiden, ihre Erinnerung daran ist traumatisch. Auch die mit hohem Blutverlust verbundenen Geburten ihrer beiden Kinder waren für sie ein einziger Alptraum. Die 34-jährige hat das Gefühl, dass das Leben als Frau an ihr vorbei gegangen ist : "Ich verstehe nicht, wie man Freude empfinden kann an einer Stelle, an der ich so gelitten habe." Nach einer Geburt beginnt die Tortur von Neuem: Denn Frauen, deren Vagina für die Entbindung geöffnet wurde, werden bis auf eine winzige Öffnung erneut verschlossen (reinfibuliert). Nach mehreren Wiederholungen kann es sein, dass kein Gewebe mehr für eine erneute Reinfibulation vorhanden ist. 80 % der Müttersterblichkeit in Folge einer Geburt sei auf die Exzision zurückzuführen, heißt es bei Terre des Femmes.

Dr. Pierre Foldes erläutert die überraschend einfache Operationstechnik

![]() | |
|
Ganz unumstritten sind derartige Rekonstruktionen allerdings auch bei Gegnerinnen der Genitalverstümmelung nicht, denn das lebenslange Trauma, das der Akt der Beschneidung bei vielen Frauen auslöst, vermag auch eine wiederhergestellte Klitoris nicht auszulöschen. Psychiatrische Störungen, Angstzustände, Depressionen, falsche Vorstellungen in Bezug auf die Sexualität, fehlendes Lustempfinden sind häufige Folgen, die nicht direkt von der Schwere, sondern auch von den Umständen der Verstümmelung abhängen. Wie die Deutsch-Somalierin Fadumo Korn befürchtet auch Gynäkologin Dr. Sabine Müller bei Klitoris-Operationen eine erneute Traumatisierung der Frauen. Sie plädiert für einfache Lösungen, in erster Linie das Öffnen der Scheide, und einen äußerst sensiblen Umgang mit dem Thema, das auch bei betroffenen Frauen in Europa häufig noch mit einem hohen Tabu belegt ist.










Facebook
Twitter
RSS