
- Karawane der Hoffnung
Mit dem Islam gegen den Schmerz und das Schweigen
Rüdiger Nehberg, Annette Weber
Neuerscheinung
ISBN13 978-3-89029-322-6
ISBN10 3-89029-322-0
Seit sechs Jahren kämpfen Annette Weber und Rüdiger Nehberg mit ihrer Pro-Islamischen Allianz gegen die Barbarei der Frauenbeschneidung. Jetzt kommt die beeindruckende Bilanz. Sie gipfelt in der Konferenz mit fünfzehn ranghöchsten muslimischen Gelehrten.
- Schmerzenskinder
von Waris Dirie, Corinna Milborn
Ullstein Tb 2006
ISBN-10: 3548368867
Entgegen anders lautender Behauptungen nimmt weibliche Genitalverstümmelung weltweit stetig zu. Allein 500.000 betroffene Mädchen und Frauen leben in Europa! Wer sind diese Frauen?
- Wüstenblume
von Waris Dirie, Cathleen Miller, Bernhard Jendricke
Ullstein Tb 2003
ISBN-13: 978-3548365916
Waris Dirie wurde im Alter von fünf Jahren Opfer des grausamen Rituals der Beschneidung. In "Wüstenblume" bricht sie erstmals ihr jahrelanges Schweigen.

Ob und wann sich diese Fatwas wirklich und auch in ländlichen Gebieten durchsetzen, ist jedoch zweifelhaft, denn die traditionellen Strukturen sind hartnäckig. In vielen Ländern hängt die Praxis der Beschneidung primär nicht mit der Religionsausübung zusammen. Neben schlechten ökonomischen Bedingungen ermöglichen tief verwurzelte gesellschaftliche Vorraussetzungen wie Geschlechterrollen, Denk- und Sozialstrukturen die Beibehaltung dieser Tradition, für die sich nicht selten sogar die Frauen selbst einsetzen. Sie verstehen sich in erster Linie als beschnittene Frauen, die Durchführung der Beschneidung ist für sie ein Bekenntnis zur Tradition und zu ihrer kulturellen Identität. Ihrem Kind das schmerzhafte Ritual zu ersparen, bedeutet in vielen Kulturen, es um seine Zukunft zu betrügen. Denn eine nicht beschnittene Frau wird dort schnell zur Außenseiterin abgestempelt. Es geht nicht nur darum, Jungfräulichkeit bis zur Ehe zu bewahren, auch ästhetische Überzeugungen spielen eine Rolle. Eine beschnittene Frau gilt als schöner, "sauberer". Afrikanische Gegnerinnen müssen sich nicht selten dem Vorwurf stellen, verwestlicht zu sein, werden als Verräter gebrandmarkt.
Dort, wo es um derart tiefverwurzelte Traditionen geht, müssen westliche Hilfsangebote sensibel vorgehen – denn sie können leicht ins Gegenteil umschlagen, wenn gutgemeintes Engagement als postkoloniales Einmischen interpretiert wird und Fundamentalisten Beschneidung wieder zu einer urislamischen Tradition stilisieren. Bereits der von der WHO zu Recht geprägte Begriff der "Genitalverstümmelung" wird von vielen betroffenen Frauen als abwertend und verletzend empfunden. Sie erleben den ‘westlichen Blick’ nicht nur als Hilfe, sondern auch als aggressiven exotischen Voyeurismus, wehren sich gegen den Vorwurf der Barbarei und hartnäckige Klischees.
Auch wenn es für Europäerinnen unmöglich ist, Verständnis für diese grausame Folter aufzubringen - wenn Hilfe erfolgreich sein soll, muss der Dialog auf Augenhöhe erfolgen. Die meisten afrikanischen GegnerInnen und zahlreiche europäische Menschenrechtsorganisationen plädieren daher für lokale Ansätze, die auf der genauen Kenntnis soziokultureller Rahmenbedingungen basieren und dadurch langfristig wirksam sein können. Bereits seit 1940 haben im Sudan und in Ägypten Frauen aus dem Gesundheitswesen die Tradition der Infibulation als unnötig und gesundheitsgefährdend angeprangert, viele afrikanische Regierungen erließen daraufhin Anti-Beschneidungsgesetze. Dort, wo die Genitalverstümmelung Teil eines Initiationsrituals war, konnten vereinzelt erfolgreich Ersatzrituale eingeführt werden. Einige Ethnologen fordern, abgeschwächte Exzisionen in Krankenhäusern anzubieten oder den Beschneiderinnen weniger grausame Formen zu zeigen und ihnen steriles Material zur Verfügung zu stellen - Ansinnen, die etwa die WHO strikt zurückweist.
Auch wenn es mittlerweile zahlreiche Gesetze und großangelegte Medienkampagnen gegen die weibliche Verstümmelung gibt - auf sehr lange Sicht bleibt das wichtigste Instrument im Kampf gegen "die Sache" die Aufklärungsarbeit. Nach wie vor sind Unwissenheit und unreflektierte Übernahme der wichtigste Grund für die Hartnäckigkeit dieser gefährlichen Tradition. Ihre Einbindung in Initiationsrituale und Geheimbünde und das starke und vielerorts ungebrochene Tabu verhindert sogar unter Frauen einen offenen Austausch. Die Mauer des Schweigens brechen – darauf setzt daher auch die Frauenrechtsorganisation "Terre des femmes". Sie bildet in verschiedenen afrikanischen Ländern Fraun und ehemalige Beschneiderinnen zu Gesundheitsberaterinnen aus, die über die gesundheitlichen Folgen informieren und in kleinsten Dorfverbänden stetigere Fortschritte erzielen als unbeachtete Gesetze.












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