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ARTE Interaktiv
Corpus Christi
Die historische Forschungsreise der beiden Autoren Jérôme Prieur und Gérard Mordillat hat bereits vor mehreren Jahren mit einer ersten Serie begonnen : CORPUS CHRISTI.
Anlässlich deren Ausstrahlung auf ARTE stellte die Internet-Redaktion ein Dossier online bereit.
Um das Dossier zu öffnen, klicken Sie hier.
Einleitung
Zu den Quellen des Christentums
von Gérard Mordillat und Jérôme Prieur
Nach der heute von den meisten Historikern vertretenen Hypothese wurde Jesus etwa um das Jahr 30 unserer Zeitrechnung in Jerusalem gekreuzigt. Die Niederschrift der Evangelien, durch die wir sein Leben kennen, begann wahrscheinlich ein halbes Jahrhundert später... Das älteste je entdeckte Manuskript eines fast vollständigen Evangeliums wurde in Oberägypten gefunden und stammt etwa aus den 70er Jahren des 2. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung. Es ist der Bodmer-Papyrus, ein Kodex aus 75 Blättern, der das Johannes-Evangelium enthält, niedergeschrieben in Griechisch, d.h. in einer Sprache, die weder Jesus noch seine Jünger sprachen. Das zeigt deutlich die Zeitspanne zwischen der Abfassung des Textes und den geschichtlichen Ereignissen.
Um zu verstehen, was die Zeit der Geschehnisse von der Zeit der Niederschrift trennt, sind wir von dem zweifellos bekanntesten Bericht ausgegangen, dem über Verhaftung, Prozess, Verurteilung und Hinrichtung Jesu im Johannes-Evangelium. Wir wollten jede Einzelheit dieser Geschichte untersuchen, jedes Detail an den neuesten Hypothesen der historischen Forschung, der Sprachwissenschaft, der Textkritik, der Epigraphik und der Geisteswissenschaften überprüfen.
Wie kommt es, dass die Ursprünge des Christentums so wenig bekannt sind? Wie kann man verdeutlichen, dass die grundlegenden Texte des Neuen Testaments Ergebnis einer langfristigen Ausarbeitung sind? Wie ist es zu verstehen, dass die Evangelien nicht von vornherein heilig, sondern zunächst einfach ein Text sind? Wie kann dargestellt werden, dass die Geschichte, die im Laufe der Jahrhunderte so viele religiöse Interpretationen erfahren hat, unter diesen zu verschwinden droht?
Mit Corpus Christi wollen wir in erster Linie die Texte untersuchen und stets daran erinnern, dass die Evangelien keine zeitgenössischen Berichte der Ereignisse sind, die sie beschreiben, dass sie eher theologische als historische Ziele verfolgen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die Texte nicht auf eine Realität beziehen. Die Geschichte erschließt sich in ihrer ganzen Komplexität aber erst, wenn zum einen das Judentum des beginnenden 1. Jahrhunderts und die sozialen, politischen und religiösen Umstände des damaligen Palästina betrachtet werden, und zum anderen der Entstehungszusammenhang der Texte deutlich gemacht wird, d.h. jene Zeit, als das Christentum aus dem palästinensischen Judentum hervorging und sich dann von diesem trennte, als Palästina zweimal - im Jahre 70 und im Jahre 135 - vom Römischen Reich, das das Christentum zu seiner offiziellen Religion erklärte, besiegt wurde.
Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 04-09-08