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Programmschwerpunkt: Der Erste Weltkrieg - 04/08/04

Trauma Versailles

Mittwoch, 4. August 2004 um 20.40 Uhr


Dokumentation von Gabriele Trost
Deutschland, 2004, SWR, Erstausstrahlung, 52 Min.
Wiederholung am 06. August 2004 um 16.50 Uhr

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Noch zu Beginn des Jahres 1918 setzen die deutschen Militärs, allen voran die Generäle Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff, alles auf eine Karte und starten in der Hoffnung auf einen letzten endgültigen Sieg im Westen die Offensive "Michael". Kurzfristig können sie militärische Erfolge erzielen, aber bald bricht die Offensive zusammen. Als die Alliierten zum Gegenschlag ausholen, ist die deutsche Niederlage nicht mehr abzuwenden. Der Krieg ist verloren. Hindenburg und Ludendorff gelingt es, die Verantwortung für das militärische Desaster der Regierung in Berlin anzulasten. Es sind zivile Politiker, die in Compiègne die Waffenstillstandsvereinbarung unterschreiben und damit in den Augen vieler Deutscher die militärische Niederlage besiegeln.

Die so genannte "Dolchstoßlegende" wird später behaupten, die Militärs seien "im Felde unbesiegt" geblieben und nur durch den "Dolchstoß" der Revolutionäre im Innern sei Deutschland besiegt worden. Anlass für bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen, die die Weimarer Republik erschüttern. In Frankreich heißt die Losung nach dem Waffenstillstand mit Deutschland "Le boche payera", der "Hunne" soll bezahlen, für die immensen Verwüstungen, die der Krieg auf französischem Boden hinterlassen hat. Die Franzosen wollen, dass Deutschland so geschwächt wird, dass von dort keine Gefahr mehr drohen kann. Die Choreografie in Versailles wird als Akt der Anklage gegenüber Deutschland inszeniert: Hinter dem Tisch, an dem der Vertrag unterzeichnet wird, stehen fünf "gueules cassées", Gesichtsverletzte aus dem Weltkrieg, an denen die deutschen Unterzeichner vorbeidefilieren müssen. Die europäischen Siegermächte und die neu auf der europäischen Politik-Bühne agierenden USA wollen dem deutschen Vormachtstreben in Europa mit diesem Vertrag ein endgültiges Ende setzen. Die neue deutsche Republik muss die Folgen des imperialen Machtstrebens des Kaiserreiches tragen - eine schwere Bürde. Der Versailler Friedensvertrag gibt den Deutschen die alleinige Schuld am Krieg, verpflichtet sie zu hohen Reparationszahlungen und entzieht ihnen große Gebiete im Osten.

In Deutschland wird der Vertrag als bewusste Demütigung, als ungerechte und ungerechtfertigte Schmach empfunden. Aus der Enttäuschung über die Niederlage wird Empörung und später eine breite Unterstützung für Rache und Revanche. In Freikorps sammeln sich enttäuschte Offiziere und Soldaten, um gegen diesen Frieden - und das heißt gegen die neue Regierung - zu kämpfen. Straßenkämpfe, Putschversuche und politische Morde schaffen ein Klima, in dem die Republik nur schwer gedeihen kann. Es herrscht Krieg im Innern. Auch der Kampf mit Frankreich flammt wieder auf. Als Deutschland die geforderten Reparationsleistungen nicht bezahlen kann, marschieren französische Truppen ins Ruhrgebiet ein. Der passive Widerstand, ausgerufen von der Reichsregierung, bricht unter französischem Kriegsrecht zusammen. Erst nach dem Ende der Ruhrbesetzung beginnt eine Zeit des Ausgleichs zwischen Deutschland und Frankreich und eine gewisse innenpolitische Konsolidierung. Aber schon wenige Jahre später wird es wieder Krieg geben und Hitler wird ihn als Revanche für den "Schmachfrieden" von Versailles rechtfertigen.

Der Film erzählt die wechselhafte Geschichte der Jahre 1918 bis 1923, vom Weg in die militärische Niederlage bis zum Ende der Ruhrbesetzung, als sich die Möglichkeit für einen friedlichen Ausgleich zwischen Frankreich und Deutschland abzeichnet und die Weimarer Republik in ihre stabileren, ihre "goldenen" Jahre eintritt. Zeitzeugen erinnern sich an ihre Erlebnisse während des Krieges und der ersten Nachkriegsjahre, Experten schildern die Zeit aus Sicht der politischen und militärischen Protagonisten beider Länder. Mit Hilfe von historischem Archivmaterial und Aufnahmen an Originalschauplätzen zeichnet der Film ein plastisches Bild der dramatischen Ereignisse am Ende des Ersten Weltkrieges.

ARTE schließt mit dieser Sendung den Programmschwerpunkt "Der Erste Weltkrieg" ab.

Bildnachweis:
Auf der Terrasse der Villa Neubois 1918: v.l.n.r.:
Roi de Saxe, Empereur d'Allemagne, Major Gantcheff und General Ludendorff
Bildrechte: SWR / © SWR

Erstellt: 16-07-04
Letzte Änderung: 04-08-04