27/06/08
Daoismus
Neben dem Konfuzianismus die bedeutendste Strömung der chinesischen Philosophie. Sie geht im Wesentlichen zurück auf Texte, die zwei legendäre Meister verfasst haben sollen: Zhuangzi (um 350 v. Chr.) und Laozi, dessen Lehren frühestens im 4. Jahrhundert v. Chr. zusammengestellt worden sind. Der Daoismus – auch: Taoismus – blieb sowohl als Philosophie, wie als eigenständige religiöse Bewegung oder als Bestandteil der Volksreligion in China überaus lebendig.
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Im Gegensatz zum Konfuzianismus, der eine hierarchische Ordnung der Welt durch den Menschen vorsieht, gehen Daoisten von der natürlichen Gleichwertigkeit und Einheit aller Dinge aus, zu denen auch die Menschen gehören. Dao, der "Weg", der "Pfad", ist das oberste kosmische Prinzip, das alle Dinge erzeugt und erhält. Alles beginnt mit ihm, und alles kehrt wieder zu ihm zurück im unendlichen Zusammenspiel sich ausgleichender Gegensätze – so von yin, dem Schattigen oder auch Passiv-Weiblichen, und yang, dem Sonnigen oder auch Aktiv-Männlichen. Das Buch Laozi empfiehlt, aus dem Rhythmus der kosmischen Bewegung Kraft zu schöpfen und "nichts zu tun" (wu wei), was ihr zuwiderläuft. In diesem Sinne solle ein Herrscher allein durch seine natürliche Tugendkraft regieren – so behutsam "wie beim Kochen zarter Fischlein".
Für "Meister Zhuang" ist zwar die Unversehrtheit jeglichen Lebens ein hohes Gut – ein höheres als jede gesellschaftliche Stellung –, dennoch hängt der „wahre Mensch“ nicht an seiner individuellen Existenz, sondern erstrebt deren Vergessen, das Einswerden mit der Welt in der meditativen Versenkung. Damit näherte sich Zhuangzi einer Grundidee des in China später aufkommenden Buddhismus.
Auch verbinden sich mit dem Daoismus vielfältige religiöse Bezüge. Während den Büchern Zhuangzi und Laozi zufolge der Mensch einen friedlichen Tod nach langem Leben anstreben soll, begannen in der Westlichen Han-Zeit Daoisten, nach Wegen in die Unsterblichkeit zu suchen – durch bestimmte Verhaltensweisen, durch Anwendung zum Teil magisch-alchimistischer Mittel. Später kam der Glaube an den Hochgott Huang-Lao-jun auf, zu dem „Meister Lao“ mit dem Gott Huangdi aus dem alten chinesischen Pantheon verschmolzen war.
Unter dem Einfluss der Mahayana-Version des Buddhismus trat eine unübersehbare Menge von Göttern hinzu, die sowohl im menschlichen Körper wie im Universum wirkten – mit Ressorts betraut wie in der weltlichen Bürokratie.
Das Volk, überfordert von den komplizierten Erwägungen und Praktiken der daoistischen Gelehrten, neigte zu einfacheren Glaubenskonzepten, die mit anderen religiösen Vorstellungen vermischt wurden. Zahlreiche daoistische Sekten bildeten sich, von denen die der „Himmelsmeister“ die bedeutendste wurde. Diese hierarchisch gegliederte Gemeinschaft, in der sowohl Priesterinnen wie Priester wirkten, lehrte seit Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. zum Beispiel, dass Krankheit durch Sünde entstehe und durch öffentliche Beichte sowie gute Taten wie Straßenbau zu heilen sei. Ihr Kult diente insbesondere der Sammlung himmlischer Heilungskräfte, und lange Zeit empfahl sie auch rituelle Sexualpraktiken zur Steigerung der Lebensenergie. Manche Kaiser begünstigten den Daoismus, holten sich Unsterblichkeitsberater an den Hof oder erließen daoistischen Klöstern die Steuern. Im Jahre 1016 schenkte Kaiser Zhenzong dem „Himmelsmeister" ein Gebiet am Drachen-und-Tiger-Berg (Longhushan) in der heutigen Provinz Jiangxi, und dort residierte der „Daoisten-Papst" bis zu seiner Vertreibung durch die Kommunisten im 20. Jahrhundert.
Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 27-06-08