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Gesichter Europas: Mittwoch, 26. Dezember 2007 um 13.30 Uhr - 17/12/07

Siegfried - Der Kohlemacher

Eine Dokumentation von Marita Neher


Südlich von Freiburg zieht sich ein enges Tal durch die dunklen Wälder, das Münstertal, die Heimat des letzten Köhlers im südlichsten Teil Deutschlands. Siegfried Riesterer stellt seine Holzkohle noch auf dieselbe Art und Weise her wie seine Vorfahren - doch nur als zusätzliche Nebenbeschäftigung, denn sonst wäre er, wie er selbst sagt, "immer noch karg und arm". Diese Dokumentation gibt seltene Einblicke in die schwere Arbeit und das harte Leben der Köhler.

© ZDF / Marita Neher
Siegfried Riesterer, einer der letzten Köhler im Schwarzwald
"Ein Weichei darf man keins sein", das ist die feste Überzeugung von Siegfried Riesterer. Sein Leben spielt sich seit seiner Kindheit im Schwarzwald ab. Südlich von Freiburg zieht sich ein enges Tal durch die dunklen Wälder, das Münstertal, die Heimat des letzten Köhlers im südlichsten Teil Deutschlands. Seine Tage - und im Sommer auch viele Nächte - verbringt Siegfried im Wald, umgeben von Tannen, Fichten und Douglasien. Viele Stunden verbringt er wachsam vor einem schwarzen Haufen glühenden Holzes, das unter seinen fachkundigen Händen zu Holzkohle wird.

Er stellt seine Holzkohle noch mit derselben Methode her, wie die Menschen im Altertum: Große Scheite schichtet er in kegelförmigen Haufen um drei in der Mitte errichtete Pfähle auf. Sie werden mit einer Decke aus Tannenzweigen und Erde bedeckt. Die Luftzufuhr muss genau geregelt sein, sodass das Holz zwar brennt, aber nicht verbrennt. Nach ungefähr drei Wochen ist der Verkohlungsvorgang abgeschlossen, eine Zeit, in der Siegfried kaum ein Auge zumacht. Denn Tag und Nacht muss er das brennende Holz überwachen. Und so mancher Kohlemeiler ist ihm während der Verkohlung schon explodiert. Denn bis zu 400 Grad Hitze herrschen im Inneren des Meilers.

© ZDF / Marita Neher
Nach drei Wochen wird aus dem Holz die Holzkohle.
Seine Holzkohle ist begehrt, denn sie wird heißer und brennt länger als die Industriekohle, und das ist auch beim Grillen wichtig. Aus ganz Baden-Württemberg kommen Hobby-Griller und ordern seine "Öko-Kohle". Soviel wie er verkaufen könnte, kann er gar nicht herstellen. Denn das "Kohle machen" ist nur sein Hobby, mit dem er sich "sein Taschengeld" verdient. Seit 46 Jahren arbeitet der heute 60-Jährige hauptberuflich als Holzfäller.

Noch um die Jahrhundertwende war der Schwarzwald eine weitgehend unerschlossene und menschenarme Landschaft, in deren "dunklen Tann" die Flößer, Harzer, Köhler und Holzfäller ihrem harten Gewerbe nachgingen. Ende des 19. Jahrhundert gab es noch über 100 dieser "schwarzen" Männer. Damals waren Glasbl¿ser und Schmiede noch auf die Feuerkraft der Holzkohle angewiesen, die eine fünffach größere Hitze entwickelt als normales Holz. Dann kam jedoch die Eisenbahn und mit ihr Waggons von billig geförderter Steinkohle. Die Köhler wurden überflüssig.

© ZDF / Marita Neher
Siegfried und Kriemhilde Riesterer
Siegfried ist stolz, dass er so ein "harter Bursche" ist, der es noch schafft, dreimal im Jahr diese schwere Arbeit zu verrichten. Allerdings ist er nicht alleine - treu zur Seite steht im seine Frau Kriemhilde, mit der er bald 40 Jahre verheiratet ist. Siegfried ist zwar kein Drachentöter, aber mit dem Teufel würde er es schon aufnehmen, sollte der ihn holen wollen, wenn er nachts allein im dunklen Wald seine Kohlen hütet.


Keine Wiederholungen
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Gesichter Europas
Meine Welt: Siegfried - Der Kohlemacher
(Deutschland, 2007, 26mn)
ZDF
Regie: Marita Neher

Erstellt: 17-12-07
Letzte Änderung: 17-12-07