Die Livraria Lello in Porto ist eine der schönsten Buchhandlungen Europas und eine Kulturinstitution in der Stadt. Hier lesen die berühmtesten zeitgenössischen Schriftsteller Portugals, deren Werke noch heute von dem Liberalismus des 19. Jahrhunderts geprägt sind.
Dokumentationsreihe, Portugal / Deutschland 2006, ZDF, ErstausstrahlungWiederholungen: 28.08.2007 um 12:05 UhrDie Buchhandlung Lello
 |
| © ZDF |
| Antero Braga in seiner Buchhandlung Lello |
|
Als Antero Braga vor zwölf Jahren die Livraria Lello übernahm, ging sein Lebenstraum in Erfüllung. Doch die bekannteste und älteste Buchhandlung Portos war ziemlich heruntergekommen und stand kurz vor der Pleite. Nur durch das zähe Engagement des erfahrenen Buchhändlers konnte eine der schönsten Buchhandlungen Europas gerettet werden. Antero Braga ließ das Geschäft von Grund auf renovieren, organisierte Lesungen und viele andere Kulturveranstaltungen und hauchte der traditionsreichen Buchhandlung wieder neues Leben ein.
 |
| © ZDF / Fernsehbüro/Antonio Cascais |
| Die Buchhandlung Lello |
|
In den vergangenen Jahren haben die berühmtesten zeitgenössischen Schriftsteller Portugals auf der prächtigen edelholzverzierten Galerie des Buchladens aus ihren Werken gelesen. Zum 100-jährigen Jubiläum der Livraria Lello werden Gedichte berühmter portugiesischer Autoren rezitiert, untermalt von expressiver Gitarrenmusik. Wie schon vor 100 Jahren ist die Livraria Lello wieder ein Wahrzeichen und eine Kulturinstitution der Stadt.
Der Film von Antonio Cascais und Eberhard Rühle erzählt vom Alltag eines Buchhändlers, der nicht nur ein guter Psychologe sein sollte, sondern auch politische und literarische Debatten kennen muss, um die Bedürfnisse seiner Kunden vorausahnen zu können. Auch die Jugendlichen müsse man verstehen, sagt Antero Braga. "Immer wieder suche ich das Gespräch mit ihnen, um am Puls der Zeit zu bleiben und zu begreifen, was sie bewegt. Es ist eine Lüge, dass Jugendliche heute nicht mehr lesen - im Gegenteil: Die lesen mehr als wir damals in den 60ern", sagt er.
Die Kamera begleitet Antero Braga auch durch seine Heimatstadt Porto, unter anderem ins prachtvolle Jugendstil-Kaffeehaus Majestic im Zentrum der alten Handelsmetropole. Mit befreundeten Schriftstellern debattiert er über Gott und die Welt und die spannendsten Neuerscheinungen. Dem Buchhändler folgend vermittelt der Film auch ein Stück Kulturgeschichte. Der Liberalismus des 19. Jahrhunderts und dessen kritische Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche haben Porto und seine Schriftsteller bis heute geprägt.