Orrizonti - Evento
Synopsis: Mehr als 17 Jahren lang sind die einstigen Liebenden, der Dirigent HERMANN SIMON und die Sängerin CLARISSA LICHTBLAU, auf der Suche nach beruflicher Selbstfindung und Anerkennung durch die Welt gereist, als sie sich am Abend des Mauerfalls zufällig in einem Westberliner Hotel wieder sehen. Schon bald hat das frisch vereinte Liebespaar einen gemeinsamen Traum – ein verfallenes Fachwerkhaus hoch über den Ufern des Rheins nahe Simons Heimatdorf zu ihrem gemeinsamen Zuhause auszubauen.…
Kritik: … So beginnt der dritte Teil der insgesamt 680 Minuten langen, exklusiv für die ARD produzierten „Heimat“- Reihe, die in Venedig in drei jeweils über drei Stunden langen Blöcken gezeigt wird. Es ist kein Zufall, dass Reitz den Handlungsfaden der ersten beiden „Heimat“-Teile erst am Tag des Mauerfalls wieder aufnimmt und zugleich zum Ausgangspunkt seines monumentalen Erzählwerks zurückkehrt - in den Hunsrück.
Die Auswirkungen von 1989/90 auf die Menschen eben nicht in Berlin oder im Osten Deutschlands zu untersuchen, sondern an einem fiktionalen Ort in der westdeutschen Provinz namens Schabbach im Hunsrück und deren einheimischen, lang verreisten oder neu hinzukommenden Bewohnern - und somit einen Randschauplatz ins Zentrum der Welt zu rücken, daran ist Reitz gelegen. Bei ihm ist sind es weniger Politiker, Wahlen oder globale Ereignisse, die die Menschen verändern, sondern davon unabhängige, geheime Kräfte, Stimmungen und Ambiente. Trotz mannigfaltiger deutscher Dialekte, die bei den insgesamt 93 Sprechrollen für ein teilweise tumultartiges Sprachgewirr sorgen – im klassischen Sinne hat die Reitz’sche provinzielle Heimat der 50er, 60er und gar der 70er Jahre durch den Wegfall der Grenzen aufgehört zu existieren.
Heimat, dass ist in der dritten Staffel weniger ein Ort, sondern die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Zeit. So taucht der Zuschauer zusammen mit bekannten Gesichtern aus den ersten beiden Heimatstaffeln sowie mit Hunsrück-Neubürgern aus Sachsen oder Kasachstan ein in die eigenen, im kollektiven Unterbewusstsein vertäuten Erfahrungen und Erinnerungen. Ob die Fußballweltmeisterschaft 1990, der Abzug von Amerikanern und Russen oder die Sonnenfinsternis 2000 – das eigene Leben wird mit erinnert und zum ästhetischen Subjekt der Auseinandersetzung. „Heimat 3“ nimmt zugleich auch Abschied von den Utopien der 68er Generation und kehrt zurück zur Betrachtung konservativer Wertsysteme wie dem der ‚Familie’, in dessen erweiterten Rahmen die Protagonisten der ersten beiden Teile zurückkehren. Doch auch im Hunsrück haben sich die hierin Spielregeln und moralischen Codici verändert. Das Fortschreiten der Zeit aber für einen Moment angehalten und dem Zuschauer so ein Stück „Heimat“ zurückgegeben zu haben, ist das größte Verdienst des Marathon-Regisseurs Edgar Reitz.
Martin Rosefeldt
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Heimat 3
Regie: Edgar Reitz
Drehbuch: Edgar Reitz, Thomas Brussig
Mit Henry Arnold, Salome Kammer Michael Kausch, Matthias Kniesbeck, Uwe Steimle u.a.
Deutschland, 2004, 680’
61. Internationale Filmfestspiele in Venedig 2004: Orrizonti - Evento








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