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Stummfilm

"Der Bettler vom Kölner Dom", 1927 in Köln gedreht, ist ein rasanter Krimi mit allen Tricks und Details eines veritablen Detektivfilms. Der Film ist ein (...)

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Jacques Feyder


Der gebürtige Belgier Jaques Feyder (1885-1948), der sich später in Frankreich einbürgern ließ, begann als Filmschauspieler und wandte sich dann der Regie zu. Schon in seinem Aufsehen erregenden Film "L'Atlantide" ("Lost Atlantis", 1920) drehte er an Originalschauplätzen in der Sahara. Bekannt wurde er mit der in Deutschland produzierten Zola-Verfilmung "Thérèse Raquin" ("Du sollst nicht ehebrechen", 1928), in Hollywood drehte er den letzten Stummfilm mit Greta Garbo "Der Kuss" (1929).
 
 
Gaston Phelip, "Jacques Feyder, réalisateur de Visages d'enfants",

Cinémagazine (Paris), Nr. 6, 6. Februar 1925, S. 254-255, 2 Illustr.

„Jacques Feyder ist wenig gesprächig: Nur zögernd und widerwillig kommen ihm einige seltene Eingeständnisse über die Lippen. Wahrscheinlich lebt er in einem ewigen inneren Traum, in dem zarte Bilder geboren werden und Form annehmen, Bilder von solcher Feinheit und geistiger Schönheit, derer er sich bedient, um seinen kreativen Gedanken Gestalt zu verleihen.“

Wie ich Visages d'enfants gedreht habe?
Mein Gott, antwortet er uns, ganz simpel, ohne tragische oder komische Zwischenfälle, ohne sensationelle Geschichten, ohne irgendwelche dieser „Faits-divers“, die jeder Journalist so gern sammelt und erzählt.

Indes... Warum haben Sie zum Beispiel die Schweiz als Rahmen für dieses kleine Drama der kindlichen Seele gewählt, das ebenso gut in einem anderen Milieu hätte spielen können?
Aus einer Vielzahl von Gründen. Ohne allzu sehr in die Einzelheiten zu gehen, kann ich zwei der wichtigsten nennen: Erstens, weil Herr de Zoubaloff, der sich für den Film interessiert, Schweizer ist.
Zweitens, und dies ist vielleicht sogar noch entscheidender, weil die Landschaften der Schweiz wunderschön sind, weniger überlaufen als die der Riviera, und weil ein psychologisches Drama dieser einfachen Art in diesem Milieu der einfachen Dorfmenschen des Oberwallis einen passenden Rahmen findet.

Aber sind Sie denn nicht gerade in diesem eher kargen Milieu auf einige Hindernisse bei der Verwirklichung Ihres Films gestoßen?Ganz im Gegenteil. Von dem Tag an, als der Dorfpfarrer das Drehbuch gelesen und genehmigt hatte, waren alle Schwierigkeiten aus der Welt geschafft. Denn die Walliser Bauern sind zutiefst katholisch, und das Wort des Kirchenmannes ist dort entscheidend und wirklich gewichtig. Sie waren im übrigen höchst erfreut – diese armen Leute, die alles andere als im Überfluss leben -, dass sie sich etwas Geld verdienen konnten, indem sie als Komparsen in meinem Film mitwirkten.
Sie haben sich ja selbst ein Bild davon machen können, mit welcher Natürlichkeit, mit welcher Gewissenhaftigkeit und echter Aufrichtigkeit sie ihre Rollen in den wenigen Szenen gespielt haben, in denen ich eine größere Gruppe von Menschen brauchte.
Ihr Verdienst ist umso höher einzuschätzen, als sie sich ja nicht nach von der Leinwand Bekanntem richten konnten. Das Kino war ihnen völlig unbekannt, was nur allzu verständlich ist, denn vom Dorf Saint-Luc – so der wirkliche Name des Ortes – bis zur nächstgelegenen Stadt Sier [sic, gemeint ist Sierre], im Tal von Anniviers, sind es etwa 9 Stunden Fußmarsch, meistenteils durch den Schnee.
Nur der Pfarrer wusste, was ein Filmvorführgerät, eine Leinwand und ein Film ist, denn dieser vortreffliche Mann ist niemand anderes als der Canonicus des St. Bernhard-Hospizes.

Er hatte also sein Mönchskloster verlassen?

Ja, wie die meisten der Mönche dieses Klosters, denn nach mehreren Jahren des Aufenthaltes in einer Höhe von 3800 Metern, haben viele von ihnen eine kranke Lunge und ein geschwächtes Herz, was es ihnen unmöglich macht, sich für längere Zeit dort aufzuhalten. Man ernennt sie dann zu Pfarrern in den tiefer gelegenen Dörfern.

Liegt Saint-Luc sehr viel weiter unten im Tal?
Ja, Saint-Luc liegt auf einer Höhe von 2800 Metern [sic!] über dem Meeresspiegel. Es ist, glaube ich, der höchstgelegene bewohnte Ort, zumindest auf dem europäischen Kontinent; wir mussten uns für dieses Dorf entscheiden, denn da wir erst recht spät, im Mai, mit den Dreharbeiten für den Film begonnen hatten, war unterhalb dieser Höhe nirgendwo mehr Schnee zu finden.

Und Sie haben selbst auch in Saint-Luc gelebt?
Etwa dreieinhalb Monate; danach waren wir noch zwei Wochen im Studio, und der Film war fertig.

Ohne irgendwelche Zwischenfälle?
Ohne jeden Zwischenfall. Zwar gab es die Szene im Wildbach mit dem kleinen Forest und Rachel Devirys, aber wir hatten alle Vorkehrungen getroffen, damit dieses eisige Bad keine schlimmen Folgen haben würde: ihre Haut wurde eingefettet, es gab vorgewärmte Kleidung zum Wechseln, Wärmflaschen in den Betten, Abreibungen mit Alkohol, heiße Getränke usw. Nichts wurde versäumt, um für ihr körperliches Wohl zu sorgen und den so gefährlichen Blutandrang zu vermeiden.

Mit einem Wort, lieber Herr Feyder, all dies ist wahrhaftig ein glückliches Omen, denn wie die glücklichen Völker hat auch ihr Film keine Geschichte ...“
Aus den Filmzeitschriften Mon Ciné und Cinémagazine, 1924
über “Visages d’enfants” von Jacques Feyder (1923-1925)

Erstellt: 19-01-05
Letzte Änderung: 19-01-05


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