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Stummfilm

Filmstudie eines verblendeten, korrupten Arbeiterfunktionärs, gedreht von Meisterregisseur Jaques Feyder.

Stummfilm

Montag, 25. Februar 2008 um 00.05 Uhr - 13/04/12

Die seltsamen Abenteuer des Mr. West im Lande der Bolschewiki

Ein Stummfilm von Lew Kuleschow


Mr. West, ein netter und harmloser Yankee, will mit der jungen Sowjetunion Geschäfte machen und reist in das Land der Bolschewiken: ein unbekanntes Territorium voll böser Überraschungen und wilder Kerle, die sich als Bolschewiken ausgeben.

© ZDF/Gosfilmofond
Eine geheimnisvolle Gräfin (Alexandra Chochlowa) verspricht dem entführten Mr. West (Porfiri Podobed) Hilfe. Sie kennt einen Ausgang aus dem Gefängnis.
Der Amerikaner Mister West möchte sich dieses seltsame neue Land, die Sowjetunion, mit eigenen Augen ansehen. Seine Freunde schicken ihm warnende Briefe und amerikanische Zeitschriften, die die Bolschewisten als bis an die Zähne bewaffnete Meuchelmörder und Wilde in zottigen Pelzen darstellen. Das kann ihn zwar nicht aufhalten, auf Anraten seiner Frau beschließt er jedoch, zu seinem persönlichen Schutz den Cowboy Jeddy mitzunehmen.

Mr. Wests Ankunft in Moskau bleibt, da er mindestens ein halbes Dutzend Koffer mit sich führt, nicht unbemerkt. Dass ihm seine Aktentasche im Nullkommanichts unter der Nase weg gestohlen wird, bestätigt ihn in der Überzeugung, dass er sich in Moskau unter Wilden befindet, vor denen ihn nur Jeddy - in voller Cowboy-Montur, mit Lasso und geladenem Colt - schützen kann. Der Taschendieb gibt die Nachricht von der Ankunft des reichen Ausländers an seine Bande weiter. Die Gauner kommen schnell zu dem Schluss, dass der Geruch von Dollars in der Luft liegt und planen einen großen Coup...

Der Trailer zum Film
(Windows Media Video, 2'47 Min)

© ZDF/Gosfilmofond
Der amerikanische Geschäftsmann West (Porfiri Podobed, li.) ist entsetzt: Er wurde in Moskau beraubt. Da bietet ihm ein geheimnisvoller Herr Schban (Wsewolod Pudowkin, re.) seine Hilfe an.
Mit Klassenkampf und Revolutionspathos hat dieser Film wenig zu tun und so erregte er bei seiner Uraufführung starke Proteste seitens der Partei, die Kuleschows überdrehter Satire Formalismus vorwarf. Umso mehr begeistert heute der Film, seine nach wie vor mitreißende Wirkung verdankt er der schnellen Montage und dem exzellenten Spiel der Protagonisten, die, wie Lew Kuleschow, die russische Filmgeschichte geprägt haben: Alexandra Chochlowa, die die Rolle der Gräfin übernimmt, verkörperte Zeit ihres Lebens den Typus der exzentrischen Schauspielerin. Boris Barnet, in der Rolle des Cowboy Jeddy zu sehen, ist in die Filmgeschichte als Vertreter eines leisen, komödiantenhaften Stils im sowjetischen Film eingegangen. Wsewolod Pudowkin zählt neben Eisenstein und Dowschenko zu den drei größten sowjet-russischen Regisseuren.


Regisseur Lew Kuleschow (1899 - 1970) gehört zu den Pionieren des sowjetischen Kinos und hatte zeit seines Lebens mit starken künstlerischen Repressionen zu kämpfen. Einflussreich blieb er aber als Dozent der Staatlichen Filmhochschule in Moskau, wo er ab 1922 unterrichtete. In die Filmgeschichte ist Kuleschow mit seinen in den 20er Jahren realisierten Montageexperimenten eingegangen, mit denen er bewies, wie sehr Filmwirkung von der Montage der Bilder und erst in zweiter Linie von den einzelnen Bildmotiven bestimmt ist, der sogenannte Kuleschow-Effekt. Ein weiteres Phänomen, das ihn als Fan amerikanischer Abenteuerfilme und Theoretiker des russischen Konstruktivismus interessierte, war das Phänomen der Bewegung. All das findet sich in "Die Seltsamen Abenteuern des Mr. West im Lande der Bolschewiki" wieder: spannende Verfolgungsjagden, turbulente Schlägereien, große Gesten und ein exzentrisches Minenspiel.

Die kongeniale und temporeiche Musik zu "Die Seltsamen Abenteuer des Mr. West im Lande der Bolschewiki" stammt von dem britischen Komponisten Benedict Mason. Sie entstand 1984 für das britische Ensemble Capricorn, das auch bei der Live-Aufzeichnung der Musik mitwirkte. Kurze Zeit nach "Mr. West" schrieb Mason seine legendären "Chaplin-Operas", ein absoluter Meilenstein in der Geschichte der Neuvertonung von Stummfilmen. International bekannt wurde der Komponist und Medienkünstler Benedict Mason mit seiner Fußballoper "Playing Away", die mit großem Erfolg 1993 im Rahmen der Münchner Musikbiennale aufgeführt wurde.


ARTE zeigt diesen Klassiker des russischen Kinos anlässlich der Präsidentschaftswahlen in Russland am 2. März 2008. Die Programmierung der Spielfilme in der Übersicht:

Mittwoch, den 20. Februar um 22.40 Uhr, Erstausstrahlung
Die Heldentaten eines Kundschafters, Spielfilm

Montag, den 25. Februar um 23.30 Uhr, Erstausstrahlung
Die seltsamen Abenteuer des Mr. West im Lande der Bolschewiki, Stummfilm

Mittwoch, den 27. Februar um 22.40 Uhr, Erstausstrahlung
Polumgla, Spielfilm

Mittwoch, den 5. März um 22.40 Uhr, Erstausstrahlung
Der Weg nach Koktebel, Spielfilm
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Die seltsamen Abenteuer des Mr. West im Lande der Bolschewiki
Neobychainye priklyucheniya mistera Vesta v strane bolshevikov
Stummfilm, Sowjetunion 1924, ARTE/ZDF, SW, 74 Min.
Regie: Lew Kuleschow
Drehbuch: Nikolai Asejew, Vsevolod Pudovkin
Kamera: Aleksandr Levitsky
Musik: Benedict Mason
Schnitt: Aleksandr Levitsky
Produktion: Goskino
Mit: Boris Barnet (Cowboy Jeddy), Porfiri Podobed (Mr. West), Wsewolod Pudowkin (Schban), Alexandra Chochlowa (die Gräfin)

Erstellt: 25-02-08
Letzte Änderung: 13-04-12