Agnès Varda wurde 1928 in Bruxelles, Belgien, geboren. Nach ihrem Studium in Paris (Sorbonne, École du Louvre und Ausbildung zur Fotografin) arbeitet sie als Fotografin am Théâtre National Populaire von Jean Vilar. Aufgrund des Bekanntheitsgrades des T.N.P. und der Popularität Gérard Philipes, werden ihre Bilder schnell bekannt. Sie macht auch große Ftoreportagen unter anderem in Spanien, China und Kuba.
Im Jahr 1954 macht sie sich selbstständig und steigt in die Filmbranche ein: Sie gründet die Firma Tamaris Films (später Ciné Tamaris) und dreht ihren ersten Film La Pointe Courte, mit dem sie sich als Vorläuferin der „Nouvelle Vague“ erweist.
Ab 1958 dreht Agnès Varda unaufhörlich, in Eigenproduktion und im Auftrag für andere Firmen, Dokumentarfilme, Kurz- und Spielfilme, Portraits und Hommagen (insbesondere über ihren Mann, Jacques Demy). Als Erfinderin der „cinécriture“, des filmischen Schreibens in Abhängigkeit von Begegnungen, Zufällen, Wünschen, Bedürfnissen und möglichen Exkursen, kreiert Varda einen Stil, der sich zwischen dokumentarischem Realismus und poetischer Fiktion bewegt. Sie richtet einen direkten und aufmerksamen Blick auf die Dinge und die Menschen, die sie umgeben, auf das Leben, das für s
ie eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration bedeutet (die Krankheit in Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7, die Schwangerschaft in L’Opéra-Mouffe, der Ehebruch in Das Glück, die Liebesbeziehungen in Die Geschöpfe, die Stellung der Frau in Die Eine singt, die Andere nicht, die Parallelwirtschaft in Die Sammler und die Sammlerin, etc.)
Ihr Werk umfasst insgesamt über 30 Filme, die frei, subjektiv, poetisch, sensibel und aufmerksam die alltäglichen Dinge des Lebens zum Thema machen. Es ist das Werk einer Sammlerin, einer Vagabundin.
FILMOGRAFIE:
· 1954
La Pointe Courte (35 mm, s/w, 89 Min.)
Ein in Paris lebendes Paar kommt nach Pointe Courte, ein kleines Dorf bei Sète, um seine Beziehung zu überdenken.
· 1957
Ô saisons, ô châteaux (35 mm, Farbe, 22 Min.)
Der Film ist ein Spaziergang rund um die Loire-Schlösser in der chronologischen Reihenfolge ihrer Entstehung mit Kommentaren u. a. bestehend aus
Gedichten aus dem 16. Jahrhundert und Reflexionen der Gärtner.
· 1958
Du côté de la côte (16 mm, Farbe, 27 Min.)
Agnès Varda zeigt auf humorvolle Weise die Urlauber, die an der Côte d’Azur Erholung suchen.
L’Opéra-Mouffe (16 mm, s/w, 17 Min.)
Ein Heft mit den Notizen einer schwangeren Frau über das Viertel rund um die Rue Mouffetard in Paris, das auch „La Mouffe“ genannt wird.
· 1961
Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7 (35 mm, s/w, 90 Min.)
Zwei Stunden aus dem Leben einer Frau, die Erlebnisse der Sängerin Cleo zwischen 5 und 7 Uhr am Nachmittag des 21. Juni 1961, dem Tag der Sommersonnenwende. Ihr Weg führt sie vom Atelier einer Kartenlegerin zum Hôpital de la Salpétrière, ein Weg, der von ihrer Angst geprägt ist, da sie möglicherweise Anzeichen einer Krebserkrankung zeigt. Angst verspürt auch eine Zufallsbekanntschaft Cleos, ein Soldat auf Urlaub, der noch am gleichen Abend auf ein Schiff nach Algerien muss.
Les fiancés du pont Mac Donald (35 mm, s/w, 3 Min.)
„Nach Cleo – zwischen 5 und 7 brauchte ich eine Pause, etwas Zerstreuung. Die schwarze Brille, durch die Jean-Luc damals die Dinge betrachtete, die
mich inspiriert hat.“ (A. Varda)
· 1963
Salut les Cubains (35 mm, s/w, 30 Min.)
Agnès Varda kehrt mit 1800 Schwarz-Weiß-Fotos aus Kuba zurück. Sie filmt sie in einem gewissen Rhythmus und kommentiert sie. Fidel, Musiker, Sozialismus und Cha-Cha-Cha.
· 1964
Das Glück (35 mm, Farbe, 82 Min.)
Die Geschichte einer Dreiecksbeziehung zwischen einem Tischler, seiner Frau und einer Postbeamtin.
· 1966
Elsa la rose (16 mm, s/w, 20 Min.)
Bilder und Gedichte rund um das berühmte Paar Aragon-Triolet. Die Jugend Elsas von Aragon erzählt.
Die Geschöpfe (35 mm, Farbe & s/w, 105 min)
Ein Romanschriftsteller fährt mit seiner Frau nach Noirmoutier, wo er auf etwas Ruhe hofft, um seinen neuen Roman schreiben zu können. Auf dem
Weg haben sie einen Unfall. Nach diesem Unfall kommt es zu seltsamen Begegnungen. Sind die Geschehnisse real oder entspringen sie der Vorstellungskraft des Schriftstellers?· 1967
Uncle Yango (35 mm, Farbe, 22 Min.)
Ein Portrait über den Maler Yanco Varda, der Onkel der Regisseurin, der in der Bucht von San Francisco lebt.
· 1968
Black Panters (16 mm, s/w, 28 Min.)
Veranstalten die „Black Panters“ aus Oakland eine Flut von Informationsveranstaltungen über den politischen Prozess, der Huey Newton, einem ihrer Anführer, gemacht wird, um die Aufmerksamkeit der Amerikaner zu wecken und die farbigen Menschen in der Bevölkerung zu mobilisieren.
· 1969
Lions Love (35 mm, Farbe, 110 Min.)
Hollywood in den späten sechziger Jahren, drei junge Schauspieler und die Fernsehübertragung des Attentats auf Robert Kennedy.
· 1970
Nausicaa (TV, 90 Min.)
· 1974-1975
Daguerreotypen – Leute aus meiner Straße (Dokumentarfilm, 16 mm, Farbe, 80 min)
Varda filmt die Kaufleute und Bewohner ihrer Nachbarschaft in der Rue Daguerre in Paris (14. Arrondissement).· 1975
Réponse de femmes (16 mm, Farbe, 8 Min.)
Der Sender Antenne 2 stellte einigen Filmemacherinnen die Frage „Was ist eine Frau?“. Agnès Varda gibt mit diesem filmischen Abstract eine mögliche Antwort.
· 1976
Die Eine singt, die Andere nicht (35 mm, Farbe, 120 Min.)
Paris, 1962. Die 17-jährige Pauline träumt davon, Sängerin zu werden. Die 22-jährige Suzanne ist zum dritten Mal schwanger. Als der Vater sich das Leben nimmt, hilft ihr Pauline dabei abzutreiben. Zehn Jahre später kämpft Suzanne aktiv für die Familienplanung und Pauline ist gelangweilt. 1976 kreuzen sich erneut die Wege der beiden Freundinnen. Suzanne ist verheiratet und Pauline ist Sängerin ... und Mutter.
Plaisir d’amour en Iran (35 mm, Farbe, 6 Min.)
Die Träumereinen eines Liebespaares in der Königsmoschee in Isfahan.
· 1980-1981
Menschengesichter (16 mm, Farbe, 63 Min.)
Eine junge Französin, die sich von ihrem Mann trennt, sucht für sich und ihr Kind eine Wohnung in Los Angeles.Mauerbilder (16 mm, Farbe, 81 Min.)
Ein Dokumentarfilm über die bemalten Mauern in Los Angeles.
· 1982
Ulysse (35 mm, s/w, 22 Min.)
Ein Foto, das 1954 am Meer aufgenommen wurde, auf dem eine tote Ziege, ein Kind namens Ulysse und ein nackter Mann zu sehen sind. Agnès Varda kommt 30 Jahre später auf dieses Foto zurück.
Une minute pour une image : Bob Gould par Agnès Varda (Beta SP, 1 Min.)
Eine aus acht einminütigen Filmen bestehende Serie, in der jedes Mal ein Foto von einer anderen Persönlichkeit kommentiert wird. Deborah Turbeville von Marguerite Duras, Jean Pasquet von Michèle Riffard, Nadja Ringart von Jane Birkin, Alain Resnais von Annie Fratellini, Robert Doisneau von Marie Piednoir, Leonard Freed von Jean-Pierre Mocky und Jacques Monory, Joseph Koudelka von Maurice Pialat, Bob Gould von Agnès Varda.
· 1984
Les dites cariatides (16 mm, Farbe, 13 Min.)
Statuenähnliche Frauen, menschliche Säulen, die Pariser Caryatiden zu einer Zeit, in der Baudelaire noch stumm war.
7 p., cuis., s.de b. ...à saisir (35 mm, Farbe, 27 Min.)
Familienhäuser, leere oder volle Häuser, die Zeit vergeht und hinterlässt bizarre Spuren.
· 1985
Vogelfrei (35 mm, Farbe, 105 Min.)
Der leblose Körper Monas, einer jungen Vagabundin, wird an einem Wintermorgen in einem Graben gefunden.Niemand weiß, wer sie war, und das Puzzle ihrer Vergangenheit beginnt, sich nach und nach anhand der Berichte derjenigen, die ihren Weg kreuzten, zusammenzufügen.
· 1986
T’as de beaux escaliers… tu sais. (35 mm, Farbe, 3 Min.)
Eine Hommage an die Cinémathèque Francaise. Fünfzig Stufen führen hinauf zum Filmmuseum und führen hinunter zu dem dunklen Saal, in dem die
Meisterwerke gezeigt werden.
· 1987
Jane B... wie Birkin (35 mm, Farbe, 97 Min.)
Eine Collage aus verschiedenen Fiktionen, Realitäten, Phantasien und Zusammenstellungen über Jane Birkin von Agnès Varda.
Die Zeit mit Julien (35 mm, Farbe, 78 Min.)
Die 40-jährige Marie-Jeanne verliebt sich in den Schulfreund ihrer 15-jährigen Tochter. Julien spürt die Gefühle dieser 25 Jahre älteren, dennoch jugendlich wirkenden Frau und erlebt seine erste leidenschaftliche Liebe.
· 1990
Jacquot de Nantes (35 mm, s/w & Farbe, 60 Min.)
Eine Chronik über die glücklichen Kinderjahre des im Oktober 1990 verstorbenen Regisseurs Jacques Demy von seiner Lebensgefährtin Agnès Varda.
· 1992
Die Demoiselles sind 25 Jahre alt geworden (Dokumentarfilm, 35 mm, Farbe, 63 Min.)
1966 drehte Jacques Demy in Rochefort Die Mädchen von Rochefort (Originaltitel: Les Demoiselles de Rochefort). 1992 feierte die Stadt ein großes Fest, um den 25 Geburtstag der „Demoiselles“ zu feiern. Anlässlich dieses Festes traf Agnès Varda die originellen Menschen aus Rochefort, Freunde des Films, Catherine Deneuve, Jacques Perrin und ehemalige Kinderschauspieler, die erwachsen geworden sind.
· 1994
101 – Die Träume des M. Cinema (35 mm, Farbe, 105 Min.)
Unterhaltung mit einem beinahe Hundertjährigen, der ganz allein das Kino verkörpert.
· 1995
Die Welt ist ein Chanson – Das Universum des Jacques Demy (Dokumentarfilm, Farbe & s/w, 90 Min.)
Mit Hilfe der Erzählungen von Schauspielern und Freunden rekonstruiert Agnès Varda die Welt des Filmemachers Jacques Demy.
· 2000
Die Sammler und die Sammlerin (Dokumentarfilm, 35 mm, Farbe, 82 Min.)
Ein gemischtes Portrait über Sammler und Sammlerinnen unserer Zeit überall in Frankreich. Kartoffeln, Hausmüll und Objekte jeglicher Natur haben die
Ähren von einst ersetzt.
· 2002
Deux ans après (Dokumentarfilm, 35 mm, Farbe, 63 Min.)
Zwei Jahre später trifft Varda die Protagonisten aus ihrem Film Die Sammler und die Sammlerin wieder.
Hommage à Zgougou la chatte (3 Min.)
· 2003
Le lion volatil (35 mm, Farbe, 12 Min.)
Place Denfert Rochereau, Paris 14. Arrondissement; die Statue des Löwen von Belfort, ein Wächter der Katakomben, eine hellseherische Auszubildende.Patatutopia (6 Min. 26)
· 2004
Ydessa, les ours et etc. (TV-Dokumentarfilm, 44 Min.)
Eine Frau, Ydessa Hendelens, Sammlerin und Leiterin einer Fotoausstellung über Teddybären.
LESENSWERT:
Varda par Agnès, Éd. Cahiers du cinéma, Paris, 1994, 285 Seiten
INTERESSANTE LINKS:
Die Website von Ciné-tamaris
Eine nicht-offizielle Website: Biografie, Filmografie, Bilder aus Filmen, etc.
Die Sammler und die Sammlerin von Frédérick Pelletier
Hommage und Retrospektive: Agnès Varda in La Rochelle







Facebook
Twitter
RSS