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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 24. März 2005 - 22/03/05

Million Dollar Baby

Ein Film von Clint Eastwood


Aus einem Film über eine wortkarge, zusammengestückelte
Ersatzfamilie ist ein kleines Meisterwerk geworden

Synopsis: Frankie Dunn ist ein alternder Boxlehrer (Clint Eastwood), der inmitten seiner von ihm selbst aufgebauten Boxschule lieber einmal mehr in Deckung geht, als noch mal eine Verletzung oder Enttäuschung zu riskieren. Seine jüngste Erfahrung mit seinem größten Talent, einem Farbigen, der kurz vor dem lukrativsten Kampf ins Lager eines konkurrierenden Promotors überläuft, scheint ihm recht zu geben. Doch dann steht Maggie Fitzgerald (Hilary Swank) vor ihm – eine nicht mehr ganz junge, kratzbürstige Frau aus dem armen Süden, die alles in ihrem Leben dafür geben würde, Boxerin zu werden. Sein Kollege, der frühere Boxer Eddie, überzeugt Frankie, es vielleicht doch mit der Dame zu versuchen: denn hier schlummert ein unbändiger Wille, der geformt werden will…

Kritik: Viel war es ein Oscar® zuviel, den die Academy of Motion Picture, dem neuen Meisterwerk von Hollywood-Auteur Clint Eastwood zusprach. Zumal andere, die es ebenso verdient hätten, wie Martin Scorsese, in den zentralen Kategorien leer ausgingen. Was Million Dollar Baby aber so auszeichnungswürdig macht, ist, dass Clint Eastwood nach dem grandiosen Mystic River aus dem Jahr 2003 erneut als Regisseur stilistisch gereift ist und trotz nüchterner Erzählweise die elementarsten emotionalen Tiefen seiner Figuren auszuloten versteht.

Erzählt wird eine kleine, intime Dreiecksgeschichte aus dem Boxermilieu. Wie so oft im Genre des amerikanischen Sportlerfilms, in denen es meist um Lehrer-Schüler-Beziehungen geht, ist die Begegnung zwischen Alt und Jung von gegenseitigem Vorteil. Die Suche nach Respekt und Selbstachtung spielt dabei eine große Rolle – der alternde Boxer muss lernen, sich nicht mehr hinter seinem Sarkasmus zu verschanzen, das junge Talent, seinen unbändigen Elan in geordnete Bahnen zu lenken. Der dritten Person kommt die Rolle des Schiedsrichters und Ratgebers zu. Zwischen ihm, dem alternden Boxer Eddie (Morgan Freeman), der einst bei einem Boxkampf ein Auge verlor und Frankie, herrscht eine tiefe, unausgesprochene Freundschaft. Nach außen sieht das aus, als würde sich ein altes Ehepaar necken, hierin zeigt sich der Film von seiner komischsten Seite. Ansonsten hat Eastwood alias Frankie einiges zu knabbern – will doch seine auf die britische Halbinsel ausgewanderte Tochter zu seinem Leidwesen nichts mehr von ihm wissen. So sucht Frankie Trost in der Kirche, in gälischer Literatur und Gedichten von Yeats und hofft, dass einer seiner an die Tochter gerichteten Briefe endlich erhört werden möge. Bis Maggie auftaucht und sich plötzlich, gegen seinen Willen, ein Lichtstreif am Horizont auftut.

Doch Eastwood erweitert das Boxerfilmgenre nicht nur um das Kapitel, dass eine Frau von einem Mann trainiert wird und um die darin enthaltene fürsorgliche Vater-Tochter-Beziehung, sein Film verlässt nach der Hälfte der Zeit auch die engen Grenzen des Milieus, um sich – ohne zuviel verraten zu wollen - in eine wesentlich universelleres Melodram über Leben und Tod, die Erlösung von der eigenen Schuld durch Vergebung, um Freundschaft und väterliche Liebe zu verwandeln. Es ist ein trauriges Universum, in dem sich Eastwoods Figuren, deren Schicksal unabänderlich scheint, bewegen. Aber es gibt Hoffnung – in Gestalt einer bedingungslosen väterlichen Liebe und ewiger, nicht zu erschütternder Freundschaft. Weil Eastwood das Pathos dieser Werte niemals überstrapaziert und der Kontrast zur düsternen Außenwelt so realistisch ausfällt, ist aus seinem Film über eine wortkarge, zusammengestückelte Ersatzfamilie ein kleines Meisterwerk geworden.

Martin Rosefeldt

  • Million Dollar Baby
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Paul Haggis, nach einem Roman von F.X.Toole
Darsteller: Clint Eastwood, Hilary Swank , Morgan Freeman u.a.
USA, 2004, 137’

Erstellt: 22-03-05
Letzte Änderung: 22-03-05