ARTE en Français

Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > Kino-News > Kinostart 20. Oktober 2005 > Fremde Haut

Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

Kino-News

Kinostart 20. Oktober 2005 - 02/11/05

Fremde Haut

Eine Film von Angelina Maccarone


Eine Iranerin
im doppelten Asyl

Weitere Artikel zum Thema

Synopsis: Die Dolmetscherin Fariba (Jasmin Tabatabai) flieht aus dem Iran. Sie ist lesbisch und in ihrem Heimatland steht darauf die Todesstrafe. Als ihr Asylantrag abgelehnt wird, nimmt sie kurz entschlossen die Identität eines jungen Mannes an, der sich umgebracht hat. Dieser, Siamak Mustafai erhält eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung in der schwäbischen Provinz, die Fariba an seiner Stelle wahrnimmt.

Kritik: „Verehrte Fluggäste. Soeben haben wir die iranische Grenze überflogen,“ sagt die weibliche Stimme aus dem Lautsprecher des Flugzeugs. Fariba nimmt sofort ihr Kopftuch ab. Sie geht auf die Toilette des Flugzeugs, wickelt den Schador um den Rauchmelder und zündet sich eine Zigarette an. Doch ihre Flucht in das verheißungsvolle Deutschland ist bereits am Frankfurter Flughafen zu Ende. „Können Sie ihr Todesurteil in einer beglaubigten Kopie vorlegen?“ fragt die BGS-Beamtin freundlich aber bestimmt, und bietet Fariba eine Zigarette an. Sie kann nicht und ihr Antrag wird abgelehnt.

Jasmin Tabatabai verkörpert Fariba und bald schon Siamak Mustafai mehr als überzeugend. Ihre langen Haare hat sich die Schauspielerin - die im Iran aufgewachsen ist - für die Rolle rappelkurz geschnitten. Lange war Tabatabai nicht mehr im Kino zu sehen. Mit Filmen wie Bandits und Gripsholm hat sie sich einen Namen gemacht. Ihre Doppelrolle in Fremde Haut ist schwierig, denn Fariba hat kaum Chancen sich auszudrücken. Ihre Augen blicken traurig aus Siamaks Gesicht mit den aufgemalten Bartstoppeln hervor. Dennoch gelingt es Jasmin Tabatabai die Facetten ihrer Rolle hervorragend zu spielen, etwa als sich Siamak in die allein erziehende Anne verliebt. Einerseits hat Fariba Angst ihre wahre Identität preiszugeben, andererseits sind da ihre Gefühle für die deutsche Frau. Ihre Gefühle sind das einzige, was ihr in der Fremde und in ihrer geliehenen Identität geblieben ist, also steht sie zu ihnen. Doch bei einem ersten Kuss wird ihr mulmig...

Mit lesbischen TV-Komödien wie Alles wird Gut oder Kommt Mausi Raus? wurde Regisseurin Angelina Maccarone bekannt. Fremde Haut ist ein gelungener Genrewechsel. In intensiven und kraftvollen Bildern erzählt Maccarone ein eindrucksvolles Drama um ein zweifaches Exil. Ein kleiner dramaturgischer Schwachpunkt ist das letzte Drittel des Films, das sich nicht entwickeln mag und die Tatsache, dass Anne – die bislang ausschließlich mit Männern liiert war - so völlig problemlos eine lesbische Beziehung eingehen will. Davon abgesehen ist der Regisseurin eine sensible Charakterstudie eines von Angst getriebenen Menschen in der Ferne gelungen.

Nana A.T. Rebhan

.....................
Fremde Haut
Deutschland/Österreich 2005, 97 Min.
Regie: Angelina Maccarone
Mit Jasmin Tabatabai, Anneke Kim Sarnau, Navid Akhavan

Erstellt: 18-10-05
Letzte Änderung: 02-11-05