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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 19. August 2004 - 21/06/06

Ein Leben lang kurze Hosen tragen

Psychogramm eines deutschen Serienkillers


Ein Film von Kai S. Pieck
 
Synopsis: Mit 15 begeht Jürgen Bartsch seinen ersten Mord. Als er mit 19 Jahren gefasst wird, hat er bereits 4 Jungen umgebracht. 1972 gesteht er in einer (fiktiven) Video-Beichte in der Landesheilanstalt Eickelborn, warum er zum mehrfachen Mörder wurde.
 
Kritik: Die größte Stärke des Films ist es, dass er komplett ohne Kommentar auskommt. Jürgen Bartsch legt in dem ausführlichen Videointerview seine Lebensbeichte ab, die auf dem Buch „Jürgen Bartsch: Opfer und Täter – Das Selbstbildnis eines Kindermörders in Briefen“ des amerikanischen Journalisten Paul Moor beruht. Innerhalb von acht Jahren (von 1968 bis zu Bartschs Tod im Jahre 1976) schrieb der Inhaftierte dem Journalisten mehrere hundert Briefe. Aus diesen Briefen und zusätzlichen Schilderungen Bartschs wurden die Spielsequenzen des Films konstruiert, die als Rückblenden erzählt werden.
 
Hier vermittelt der Regisseur eine Idee von den strengen Adoptiveltern Bartschs, die schon bald nicht mehr mit dem schwierigen Kind klar kommen, und ihn in ein Heim geben. Dort und später im Internat wird der kleine Jürgen mit einer brutalen Erwachsenenwelt konfrontiert. Er wünscht sich „nie erwachsen zu werden,“, und „ein Leben lang kurze Hosen zu tragen“. Der Film möchte ein eindringliches Psychogramm der Seele eines Kindermörders sein, doch leider stellt sich nicht so recht das Gefühl für die nötige Authentizität beim Zuschauer ein.
 
Das liegt nicht an mangelnder Recherche – der Filmemacher war sehr fleißig und bringt Dutzende von Aspekten, die das Leben des Kindermörders durchleuchten. Es liegt vielmehr daran, dass – so sehr er sich auch Mühe gibt – Hauptdarsteller Tobias Schenke (der bislang vor allem in deutschen Komödien wie DER LETZTE LUDE oder KNALLHARTE JUNGS zu sehen war)der Rolle des vierfachen Mörders nicht gewachsen ist. Seine Texte klingen auswendig gelernt, und er vermittelt leider nicht die radikale Authentizität, die diese Rolle erfordert hätte. Da wäre ein August Diehl sicher eine bessere Wahl gewesen. Man denke nur an Romuald Karmakars DER TOTMACHER (1995), der sich einem ähnlichen Thema widmete. Da ging es um den Serienkiller Fritz Haarmann und Götz George spielte die Rolle mit Bravour, in seinem Auge flackerte - dezent aber wahrnehmbar - stets der blanke Wahnsinn.
 
Dennoch ist Kai Pieks Psychogramm der „Bestie von Langenberg“ ein interessanter Film geworden, der sich eines sehr komplexen und schwierigen Themas sehr engagiert annimmt.
 
Nana A.T. Rebhan
 
Deutschland 2002, 83 Min.
Buch und Regie: Kai S. Pieck
Mit Tobias Schenke, Sebastian Urzendowsky, Ulrike Bliefert, Walter Gontermann

Erstellt: 16-08-04
Letzte Änderung: 21-06-06