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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 03. Februar 2005 - 01/02/05

Sideways

Ein Film von Alexander Payne


Großartig das Zusammenspiel der
bislang eher unbekannten Schauspieler

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Synopsis: Der Weinkenner und depressive Literat Miles (Paul Giamatti) bricht mit seinem besten Freund, dem erfolglosen, aber gut aussehenden D-Schauspieler und Weiberhelden JACK (Thomas Haden Church) zur einer Weintour durch Kalifornien auf. Anlass ist die bevorstehende Hochzeit des überzeugten langjährigen Junggesellen Jack mit einer Armenierin, vor der sich der notorische Schürzenjäger mit seinem Kumpel noch einmal so richtig schön „flachlegen“ lassen will. Die Gelegenheit bietet sich, als Miles der geschiedenen Kellnerin Maya (Virginia Madsen) wieder begegnet und Jack ihre Kollegin Stephanie anflirtet. Doch der seiner Ehefrau hinterher trauernde Miles erweist sich zunächst einmal als Spielverderber.

Kritik: Dummköpfe reden über Sachen, Intellektuelle über Ideen und Langweiler über Wein. Dieser Satz galt eingeschränkt bis zu Alexander Paynes großartigen Film Sideways, jetzt hat er seine Berechtigung verloren. Zwar klammert sich auch der griesgrämige Berufspessimist Miles, wenn es um „Cherchez la Femme“ geht, an seine Ausführungen über die dünnhäutige, äußerst empfindliche und daher sehr pflegebedürftige Pinot-Noir-Traube, doch die Zärtlichkeit und eigene Zerbrechlichkeit seines Wesens, die dahinter aufscheint, offenbart uns, dem Zuschauer, dass Trauben, zumindest die besten unter den Kalifornischen, eine Frucht sind, aus dem ein großer Erzähler das tiefere Wesen eines Menschen keltern kann.

Der griechisch stämmige und in den USA groß gewordene Regisseur Alexander Payne hat sich in seinem zweiten Roadmovie nach dem Preis gekrönten About Schmidt erneut als ein scharfer Beobachter der amerikanischen Wirklichkeit hinter der Fassade des ‚American Dream’ erwiesen. Seine beiden Helden haben wie zuvor sein deprimierter Rentner Schmidt wenig Heldenhaftes an sich. Beruflich gescheitert, geschieden bzw. noch nicht verheiratet, haben sie die 40 bereits um ein paar Jährchen überschritten und sich mit dem arrangiert, was noch so bleibt im Leben. Im Fall von Protagonist Miles ist das die Aussicht auf einen Verleger, der vielleicht doch noch einen seiner verschrobenen Romane veröffentlichen könnte oder eben ein Ausflug mit dem alten Saab ins nächste Weingut oder beste Weinlokal der Region, wo der Literat verbittert seinen Lieblingsaromen und damit auch seiner Erinnerung an seine Ex-Frau hinterher schmecken kann – eine Weinkennerin wie er und eben darum unersetzbar, doch leider unwiederbringlich an einen anderen verloren. Im Fall seines Freundes Jack sind das die bevorstehende Heirat und zuvor unbedingt ein One-Night-Stand.

Sehr komisch und traurig zugleich ist es anzusehen, wie sich Miles mit seinem alten Freund Jack auf den Weg in dessen „Stag“-Week macht. Zuerst schauen die beiden bei Miles Mutter vorbei und würde der Sohn nicht ihr Geldversteck plündern, die beiden würden auf ihrer Schlemmertour wohl nicht weit kommen. Doch dann riechen und schmecken sich die beiden Kollegefreunde durch das hügelige, von frühherbstlicher Sonne gefluteten Mittelkalifornien, der eine oenologisch versiert, aber verbittert, der andere überbordend vor Hormonen und Unternehmungsgeist, wenn auch ein Barbar, wenn es um edle Tropfen geht. Aber der eine kann trotz fundamentaler Charakterunterschiede ohne den anderen nicht sein, ein klassisches Buddy-Pärchen also. Großartig das Zusammenspiel der in Hollywood bislang eher unbekannten Schauspieler Paul Giamatti (American Splendor) und Thomas Haden Church („George –der aus dem Dschungel kam“) und wunderbar die Dialoge des kogenialen Autorenpaars Payne und Paul Taylor. Ihrer unsere Sinnesfreuden anregenden Sensibilität ist es unter anderem zu verdanken, dass man im Anschluss an das für Miles versöhnliche, aber keineswegs kitschige Ende unbedingt einen Pinot Noir schmecken möchte.

Martin Rosefeldt
Sideways
Regie: Alexander Payne
Drehbuch: Jim Taylor, Alexander Payne, nach dem gleichnamigen Roman von Rex Pickett
Darsteller: Thomas Hayden Church, Paul Giamatti, Virginia Madsen
USA, 2004, 124’

Erstellt: 01-02-05
Letzte Änderung: 01-02-05