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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 02. März 2006 - 01/03/06

The New World

Ein Film von Terrence Malick


Ein bewegendes Werk
von großer Bildkraft

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(USA, 2005, 135 Min.)
Mit: Q'Orianka Kilcher, Colin Farrell, Christian Bale, Christopher Plummer u.a.
Berlinale 2006 – Außer Konkurrenz

Synopsis: Im April 1607 landeten drei englische Schiffe an der amerikanischen Ostküste. Die Mannschaft errichtete in der „Neuen Welt“ den Vorposten „Jamestown“. Nichts ahnend waren Kapitän Newport und seine Leute zu einem hoch entwickelten Indianerreich vorgestoßen, dem der mächtige Häuptling Powhatan vorstand. Alsbald unternahmen sie einen Feldzug gegen die Ureinwohner. Dabei geriet der rebellische 27-jährige Offizier John Smith in Gefangenschaft. Er wurde von der Lieblingstochter des Häuptlings, Pocahontas, gerettet. Sie führte ihn in die Indianerkultur ein. Zwischen beiden entspann sich eine folgenreiche Liebesgeschichte.

Kritik: Terrence Malick hat in dreißig Jahren nur vier Filme gedreht, umso erwartungsvoller fiebert ihnen sein Fanpublikum entgegen. Oft entfesseln seine Filme schon einen leidenschaftlichen Meinungsstreit, bevor sie überhaupt in die Kinos kommen. Der Regisseur selbst ist ein Geheimnis und versteht es, sich dem Medienrummel zu entziehen.

Diesmal zeigt er seine Version der Pocahontas-Legende, auch wenn der Name der Indianerprinzessin niemals ausgesprochen wird. Die Geschichte der jungen Frau, die zwischen zwei Männern und zwei Kulturen steht, ist ein Gleichnis für die Geschichte des Kontinents. Die Begegnung der beiden Zivilisationen symbolisiert das Ende eines Zeitalters und den Beginn eines neuen, mit allem, was es an Widersprüchlichem birgt.

Der Regisseur, ebenso detailbesessen wie Stanley Kubrick, hat am Originalschauplatz gedreht: am James-Fluss in Virginia. Die Indianerrollen besetzte er mit einheimischen Schauspielern, die verschiedene Indianervölker vertreten und Algonquin sprechen, das bewusst nicht untertitelt wurde. Die weibliche Hauptrolle spielt ein junges Talent, die großartige Q'Orianka Kilcher, zur Zeit der Dreharbeiten erst fünfzehn Jahre alt. Ihre Präsenz, Unschuld, Zurückhaltung und stolze Schönheit machen aus ihr eine Aristokratin, eine Heldin. Dekor, Kostüme und Soundtrack - sogar der Ruf des seit 1920 in Carolina ausgestorbenen Papageienweibchens wird imitiert! - bilden ein eigenständiges Werk. Kameramann Emmanuel Lubezki verwendet nur natürliches Licht, und seine Bilder scheinen zu atmen. Die Farbe der Erde, der hohen Gräser, das Funkeln des Wassers, die durch die Zweige hindurchlugende Sonne, die Geräusche des Waldes – alles ist von atemberaubender Schönheit und macht den Film zu einem Erlebnis.

Malick beschäftigt sich hier mit der Kolonisierung Amerikas, dem Mythos der praktisch aus dem Nichts hervorgegangenen Supermacht. Es zeigt den latenten Konflikt zwischen zwei Welten; der Krieg ist ebenso absurd und unaufhaltsam wie der Fortschritt. Ähnlich wie Rousseau in seiner „Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen“ (1755) macht er das verlorene Gleichgewicht zwischen Natur und Mensch deutlich Malick vermeidet jede Schwarzweißmalerei, glaubt aber trotzdem an die aufrechten Menschen in jeder Gesellschaft. Klischees vermeidend, gestaltet der faszinierende Utopist hier einen Traum, vielleicht die Erinnerung an sein Leben auf den Straßen der Welt.

Malick hält nichts von Dialogen, ihn interessiert nur das Innenleben seiner Figuren. Die allgegenwärtigen Kommentarstimmen gehen eine Symbiose mit dem Wasser des Flusses und der verrinnenden Zeit ein. Mittels dieser inneren Stimmen, der Bewegungen und Ausdrucksweisen gestaltet der Regisseur seine Geschichte in impressionistischen Pinselstrichen. Er ist einer der wenigen, die Gefühl, Angst, Zweifel und Liebe heute im Film so rückhaltlos offen zeigen. Damit leistet er in unserer Welt voller zynischer Schamlosigkeit natürlich der Kritik Vorschub. Worte hält er für trügerisch: Um die Wahrheit aufzudecken und zur „Seele“ der Dinge vorzudringen, verfolgt er lieber die Blicke, Bewegungen und Empfindungen seiner Protagonisten.

Delphine Valloire

Erstellt: 28-02-06
Letzte Änderung: 01-03-06