ARTE en Français

Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > Kino-News > Kinostart 01. Juli 2004 > Blueberry

Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

Kino-News

Kinostart 01. Juli 2004 - 28/06/04

Blueberry und der Fluch der Dämonen

Ein französischer Western Comic im Sinne Castanedas


Ein Film von Jan Kounen
 
Synopsis: Das Greenhorn Mike Blueberry (Vincent Cassell) wird angeschossen in der Wüste gefunden und von Indianern gesund gepflegt. Jahre später ist Blueberry Sheriff in Palomito und trifft dort seinen größten Feind, den Banditen Wally Blount (Michael Madsen) wieder. Blueberry verfolgt Blount zusammen mit der Sängerin Maria (Juliette Lewis) quer durchs ganze Land, um dessen Plan – den Indianern ihren wertvollsten Schatz zu stehlen – zu vereiteln.
 
Kritik: BLUEBERRY UND DER FLUCH DER DÄMONEN ist ein Film, der in kein Genre passt: Er ist sehr eigenwillig und originell. Was anfängt wie eine filmische Adaption des Western Comics von Jean Giraud (auch bekannt unter seinem Pseudonym Moebius), artet bald schon in eine psychedelische Reise ins Land der Schamanen aus. Fans des Comics werden schwer enttäuscht sein, Westernfans ebenso.
 
Der Regisseur selbst nennt seinen Film im Abspann eine „Jan Kounen Session“, und damit beschreibt er sein Werk sehr treffend. Der Zuschauer bekommt das Gefühl, einem sehr persönlichen Erfahrungsbericht beizuwohnen. Ein Luxus so was, in einer 37 Millionen Euro teuren Produktion, aber warum nicht.
 
Seit Mitte der 60er Jahre suchte der Vater des legendären Comics einen amerikanischen Regisseur mit Studio, der mehr wollte als „bloß eine biedere Verfilmung von Blueberrys Lehr- und Wanderjahren“. Viele Regisseure und Produzenten hatten den Stoff auf dem Schreibtisch, so auch Walter Hill oder Stars wie Willem Dafoe. Doch es funkte nicht richtig. Bis Jan Kounen kam und dem Projekt mit seiner Vision einen ganz neuen Schwerpunkt verpasste. Kounen ging in die Wüste zu den Indianern, lernte dort von ihnen die Rituale für den Schamanismus und kehrte fast nicht mehr zurück. Dann kam er doch wieder, diesmal, um seinen Hauptdarsteller Vincent Cassel in spirituelle Schlachten zu schicken. Denn eines ist klar: Bevor Blueberry seinen Erzfeind Wally Blount besiegen kann, muss er erst mal seine eigenen Dämonen besiegen.
 
Und die kommen in allerbester MATRIX-Manier daher. Ineinander verschlungene, schlangenartige computergenerierte Ungeheuer, die das Hirn Blueberrys und die Leinwand bevölkern. Vincent Cassel durfte die Hauptrolle spielen, nachdem Kounen überall nach einem passenden (amerikanischen) Darsteller ergebnislos gefahndet hatte. Schließlich durfte also doch sein Freund Cassel ran, immerhin hatte der ihm auch das erste Carlos Castaneda Buch geschenkt, das Kounen goutierte. Wer weiß, ob er ohne Castaneda jemals auf diesen Stoff gekommen wäre...
 
So kann man sicher sagen, Kounen hat selbst ein wenig zuviel am Zaubertrank genippt, aber was solls. Kounen wollte ‚etwas besonderes’ machen, und das ist ihm auch gelungen, der Film ist eine Mixtur aus MTV, Comic, kosmischen Trip, Western und hat einen reservierten, aber charmanten Melancholiker als Helden. Nach diesem Trip in ‚eine ganz andere Welt’ ist Jan Kounen übrigens wieder (scheinbar?) auf die Erde zurückgekommen. Er dreht grade zwei Dokumentarfilme über Indianer...
 
Nana A.T. Rebhan
 
Frankreich 2004, 145 Min.
Regie: Jan Kounen
Mit Vincent Cassel, Michael Madsen, Juliette Lewis

Erstellt: 28-06-04
Letzte Änderung: 28-06-04