Dokumentarfilm
Synopsis: Eine dokumentarische Reise ins hinduistische Herz Indiens, zu Amma, einer der populärsten und einflussreichsten lebenden „Mahatmas“, der „großen Seelen“, die in der hinduistischen Tradition tief verwurzelt sind. Die etwa 50-jährige Amma zeigt dem Menschen ihre allumfassende Liebe, indem sie nicht nur mit ihnen singt und betet, sondern auch an einem Tag mehr als 20.000 gläubige Pilger für ein paar Sekunden in ihre Arme schließt. Dafür stehen die Menschen viele Stunden in einer langen Schlange, und müssen sich vor der Annäherung an Amma das verschwitzte Gesicht reinigen lassen.
Kritik: In bester Dokumentarfilmtradition bezieht Jan Kounens Film zunächst keine eindeutige Position gegenüber diesem für westlich-aufgeklärte Augen eher befremdlichen Phänomen des Gurus, der die Menschen schon durch ein Lächeln und eine kurze Umarmung glücklich zu machen scheint. Die Kamera ist immer nah bei Amma, beobachtet scheinbar neutral, und begleitet sie zu mehreren „Umarmungsfesten“ mit tausenden von Pilgern quer durch Indien. Großartige Aufnahmen, aber noch mehr bleiben die Menschen aus Europa oder Amerika im Gedächtnis, die im Umfeld der Mahatma leben, und ihr Leben ganz in ihren Dienst gestellt haben. Der Film fragt nicht nach ihren Motiven, aber man merkt schnell, dass sie auf der verzweifelten Suche nach einem sinnerfüllten Leben gewesen sein müssen, und nun scheinen sie in der hinduistischen Lehre und in Ammas Liebe, diesen Sinn gefunden zu haben. Aber die dokumentarische Kamera entlarvt den Schein, für den genauen Beobachter wirken diese westlichen Schüler der „großen Seele“ nicht wirklich überzeugend – sie müssten getrösteter aussehen.
Vielleicht meint es Amma mit ihren Umarmungsritualen und den banalen Weisheiten, die sie verkündet – dass es nicht gut ist, wenn Kinder sterben, und der Terrorismus der falsche Weg ist, usw. – ja wirklich gut mit den Menschen, und hat nicht schon längst heimliche Reichtümer angehäuft, vielleicht. Jesus zumindest hat seinen Jüngern noch selbst die Füße gewaschen. Was der Film aber dann doch deutlich macht, vielleicht sogar, ohne es von vorneherein gewollt zu haben, das ist, das es einer großen Naivität bedarf, um zu glauben, man könne als westlich sozialisierter Mensch, die hinduistische Spiritualität einfach übernehmen, um den inneren Frieden zu finden. Eine groß ins Bild gesetzte neue Rekordzahl zu den von Amma umarmten Menschen wirkt dann auf den Betrachter wie der bitter-ironische Kommentar zu dieser Fließbandabfertigung.Thomas Neuhauser
- Was ist Darshan und wer ist Amma?
Darshan oder Darshana ist ein Begriff aus dem Sanskrit und wird wörtlich übersetzt mit schauen, sehen/gesehen werden, Anblick oder Anschauung einer Gottheit oder eines Heiligen.
In der religiösen Praxis bedeutet Darshan die Begegnung zwischen Meister und Schüler, wobei meistens der Schüler einer Einladung des Meisters gefolgt ist, es also eine gewissermaßen "offizielle" Begegnung ist. Mit Darshan kann aber auch das innige Betrachten eines Götterbildes gemeint sein, um zu meditieren und neue Kraft zu sammeln. Ziel von Darshan ist es, durch die Präsenz einer Gottheit oder eines Heiligen zu einem Zustand geistiger Offenheit inspiriert zu werden, der zur Wahrnehmung von Sichtweisen oder Perspektiven befähigt, die über die bloße Erscheinung hinausgehen.
Auch eine Pilgerreise zu heiligen Stätten kann Anlass einer derartiger Inspiration werden.
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Darshan (L’étreinte)
Ein Film von Jan Kounen
(Frankreich 2005, 104 Min.)
Dokumentarfilm
Filmfestival Cannes 2005 - Wettbewerb (außer Konkurrenz)
Koproduktion ARTE France






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Amma ist eine der „großen Seelen“ des Hinduismus
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