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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 24. Juni 2004 - 21/06/04

Zatoichi

Mit "Zatoichi" wechselt Takeshi Kitano erstmals vom Yazuka- ins Samurai-Fach


Ein Film von Takeshi Kitano
 
Synopsis Japan im 19. Jahrhundert. Der blinde Wanderer Zatoichi zieht als Masseur und Gelegenheitsspieler duchs Land. Hinter seinem demütigen Auftreten verbirgt sich ein Meister des Schwertkampfs - die blitzschnellen Hiebe seiner im Wanderstock verborgenen Schwertscheide finden mit tödlicher Präzision ihr Ziel. Eines Tages kommt Zatoichi in ein Dorf, dass von der Ginzo-Bande drangsaliert wird. Seit sie den Samurai Hattori als Tod bringenden Auftragskiller angeheuert haben, haben sie ihr Schreckensregime noch weiter ausgedehnt. Beim Würfelspiel lernen Zatoichi und sein tollpatschiger Freund Shinkichi zwei ebenso schöne wie gefährliche Geishas kennen, hinter denen sich Osei und ihr Bruder Okinu verbergen. Sie sind hierher gekommen, um den gewaltsamen Tod ihrer Eltern zu rächen. Doch alles, was sie über die Mörder wissen, ist der rätselhafte Name "Kuchinawa". Schon bald wird Zatoichi von der Ginzo-Bande gejagt. Ein blutiges Schwertkampf-Ballett beginnt.
 

 
 Kritik "Beat" Takeshi lautet seit 1972, dem Beginn seiner Karriere beim Fernsehen als Teil des Stand-Up-Comedian-Duos ´'Two Beats' - Takeshi Kitanos Schauspielerpseudonym. Aus seiner Zeit als verschrobener Sketch-Performer, als Kitano die Herzen des japanischen Fernsehpublikums im Sturm eroberte, stammen auch seine Kenntnisse im Schwertkampf, der damals in keiner Showeinlage fehlen durfte.
 
Dass der Regisseur von "Hana Bi" und "Sonatine" nun einen Samurai-Film gedreht hat, ist dennoch eine ziemliche Überraschung, hatte Kitano doch immer seine Aversion gegen Historienfilme bekundet. "Zatoichi" ist denn auch ein ziemlich ungewöhnlicher, ja fast schon revolutionärer Genre-Film geworden, gewürzt mit dem typischen Kitano-Humor, die typischen Genre-Versatzstücke zum Teil parodierend und zugleich neue Elemente hinzufügend, meisterhaft und virtuos inszeniert. "Zatoichi" - er ist bei Kitano nicht mehr in Japan bekannte gutmütige, mit dem Stock kämpfende Volskheld, sondern ein sehr wortkarger, distanzierter Sonderling mit weiß gefärbten Haaren und knallrotem Stock, der es mit einem raffiniert, strategisch vorgehenden Gegner zu tun bekommt. Schon in der erste Szene wird klar, dass viel Blut fließen wird, viel mehr Blut, als in seinen Yazuka-Filmen.
 
Wie gewöhnlich bei Kitano bricht die Gewalt unvermittelt aus, virtuos geschnitten und mit digital in der Postproduktion hinzugefügten, herumspritzenden Blut nicht gerade für zarte Seelen bestimmt. Aber der Blutrausch hat dennoch nichts Obzönes an sich, wie beispielsweise jener in Roberto Rodriguez "Once upon a Time in Mexico", sondern hier wohnt man einem Todesballett auf höchstem Niveau bei, das ebenso schön wie schrecklich ist. Eine Regenszene - Zatoichi soll in einen Hinterhalt gelockt werden -ist Kitano's kenntnisreiche Anspielung an sein Vorbild Akiro Kurosawas Klassiker "Die Sieben Samurai".Nebenbei findet Kitano Zeit für viele humoristische und dabei dennoch tiefgründige Showeinlagen.
 
Während am Ende eines traditionellen japanischen Historiendramas n für gewöhnlich Bauern im Reisfeld singen und tanzen, lässt Kitano seine Bauern steptanzend die Harken schwingen und Getreide dreschen. Das ist komisch und schön zugleich, genauso wie der Auftritt der berühmten japanischen Tanzgruppe "The Stripes", die zu Hiphop-Sound das fröhliche Ende der Gewalt verkünden.
 
 Martin Rosefeldt
 
 
 Kritik Zatoichi, der blinde Wanderer, ausgestattet mit einer Art sechstem Sinn, der ihn zu einem Meister des Schwertkampfes macht, ist bereits seit rund fünfzig Jahren die Heldenfigur einer Vielzahl von japanischen B-Movies, ähnlich dem aus zahllosen Italo-Western bekannten namenlosen, stoppelbärtigen Fremden.
 
Dieses Genres mit seinem vorgegebenen Grundschema (ein wehrhafter und gutherziger Blinder kommt in eine ihm unbekannte Stadt und kämpft allein gegen alle) hat sich nun Takeshi Kitano angenommen. Dieses Handlungsskelett und die typische geradlinig-effiziente Struktur des Actionfilms staffiert Kitano freizügig mit seinen ausgefallenen Ideen und seinem eigenen Kinostil aus, so etwa der Vorliebe für triviale Komik, wie wir sie schon aus seinen TV-Serien oder Filmkomödien ("L'Eté de Kikujiro" und "Getting any?") kennen.
 
Entstanden ist eine seltsame Mischung aus kontemplativen Sequenzen und bewusst karger Ästhetik (auf eine schwelgerisch-opulente Ausstattung wie in seinem letzten Film "Dolls" hat Kitano trotz der erneuten Zusammenarbeit mit dem Modedesigner Yamamoto verzichtet, wohl weil sie ihm zu dieser brutalen Männerwelt nicht zu passen schien). Ungewöhnlich wirken auch die rasanten Schnitte des Films. Für einen Actionfilm sind sie wohl unvermeidlich, doch sie erzeugen eine unruhige, atypische Stimmung.
 
Mit seinen Gags, kurzen Kampfszenen und verrückten Choreografien präsentiert sich dieser "Zatoichi" in neuem Gewand als Film, der mehr ist als ein nach dem gewohnten, starren Schema inszenierter Actionstreifen, ohne dass sich jedoch die originellen Einfälle des Regisseurs allzu sehr in den Vordergrund drängen.
 
Ein Verdienst des schon legendären ökonomischen Kitano-Stils.
 
 Julien Welter
 
 
Regie/Drehbuch: Takeshi Kitano
(Japan, 2003, 116')
Darsteller: ‚Beat Takeshi', Tadanobu Asano, Guadalcanal Taka

Erstellt: 21-06-04
Letzte Änderung: 21-06-04