mit Pawel´ Bartoszewicz, Marc Baumgartner, Ralf Buberti, Dariusz Blaszczyk,
Michal Hirko, Familie Hofbauer, Raja Horodetska, Hasici Kremnica, Anna Marcinkiewicz, Eugeniusz Marcinkiewicz, Wladyslawa Naruszewicz, Anna Neumann, Ernest Neumann, Molfar Nytschaj, Armin Orthwein, Romek R. Polanski, Ilona Scheff, Hans Schmidt, Ursina Wandfluh u.v.a.
Kommentar: Der polnische Filmemacher Stanislaw Mucha hat sich seine kindliche Unschuld bewahrt. Mit ihr tritt er auf fremde Menschen zu, und kann ihnen so gut wie alle Fragen stellen, ohne dass sie böse werden. Er kann sie auch provozieren, und sie werden nicht aggressiv, sondern finden es lustig. Das hat er bereits in seinem letzten Dokumentarfilm ABSOLUT WARHOLA bewiesen, bei dem er auf Spurensuche nach Polen ging, um die Wurzeln der Herkunft Andy Warhols genauer unter die Lupe zu nehmen. Seine neue Reise ist eine skurrile Odyssee mit ihm und seinem kleinen Team durch halb Europa. Mucha stellt die simple Frage nach der Mitte Europas und bekommt darauf mannigfaltige Antworten. In einem Dutzend unterschiedlichster Orte von Polen, Littauen über Hessen und der Ukraine findet er stets Menschen, die bereit sind, ihm die Mitte zu zeigen, ihm Auskunft zu geben, und die ihn auch mit nach Hause nehmen. Manchmal sind es auch andere Dinge, die das Interesse des Filmemachers wecken. So findet er etwa ein häuserwandfüllendes, slowakisches Plakat auf dem vier nackte Hintern zu sehen sind, unter denen steht: „In die EU aber nicht mit nackten Hintern“ In der littauischen Mitte entdeckt Mucha eine Installation tausender kaputter sowjetischer Fernsehapparate, die - aufgetürmt und mit Planen bedeckt – mitten im Wald stehen.
Mit der gleichen Neugierde des Filmemachers fängt seine Kamerafrau Susanne Schüle all diese kleinen Momente ein. So wird der Zuschauer eingeladen auf diese filmische Feldforschung, die enormen Spaß bereitet. Irgendwo in einer völlig von Menschen verlassenen Mitte hat einer eine Autopanne und flucht: „Scheiß Mitte! Es gibt hier nicht mal einen Reifendienst!“ Je tiefer östlich Mucha auf seiner Suche in die neuen EU Staaten eindringt, um so ernsthafter wird dort gleichzeitig das Anliegen der Menschen. Manche bleiben zwar erstaunlich ignorant, wie ein altes Paar, das meint: „Die Mitte Europas soll hier sein? Als sie die Telefonleitung verlegt haben, haben wir davon auch nichts mitbekommen.“ In Littauen erzählt ein Mann, dass sich alle seine Nachbarn erhängt haben, aber vorher noch das wenige Geld, das sie hatten versoffen haben.“ Gegen Ende hin wird der Film wieder lustiger und wir folgen einem Schweizer Pärchen durch den polnischen Urwald, in dem die wieder mal die Mitte liegen soll. Die beiden müssen es ja wissen, schließlich sind sie mit modernstem GPS-Navigationssystem ausgestattet... Doch irgendwann verliert die Kamera sie im Dickicht des Waldes, und nur noch ein „Muh“ (vom Filmemacher?) ist als Schlusskommentar zu vernehmen...
Aber keine Sorge, Mucha hat noch ein paar weitere Kommentare parat, er erklärt sich die Faszination der Menschen für die Mitte folgendermaßen: „Es ist die Angst vor dem Runterfallen, alle wollen in der Mitte stehen. Ich habe auf meiner Reise niemanden getroffen, der nicht in der Mitte leben wollte.“ Für Städte scheint dies gleichermaßen zu gelten, oder warum sonst wollen (fast) alle Berliner in Berlin Mitte leben?
Nana A.T. Rebhan








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