(USA, 2004, 80 Min.)
Mit Julie Delpy, Ethan Hawke…
Wettbewerb (Berlinale 2004)
Der Trailer zum FilmSynopsis: Vor fast zehn Jahren haben sie sich nach einer zufälligen Begegnung eine Sommernacht lang durch Wien treiben lassen, bis zum Sonnenaufgang in einem Park. Sie tauschten keine Namen und keine Adressen, aber sie wollten sich nach genau sechs Monaten an dieser Stelle wieder sehen. Es kam nie dazu. Den Zauber dieser romantischen Begegnung in einer fremden Stadt, zwischen dem Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) und der Französin Céline (Julie Delpy), hatte Richard Linklaters Film „Bevor Sunrise“ 1994 wunderbar eingefangen.
Jetzt hat er es gewagt, die beiden sich nach zehn Jahren in Paris wieder begegnen zu lassen. In „Before Sunset“ ist Jesse inzwischen ein erfolgreicher Autor, und er hat genau diese Nacht in Wien zu einem Roman verarbeitet, Céline kommt zu seiner Lesung in einer kleinen Buchhandlung in Paris. Sie gehen spazieren, trinken Café und reden viel, aber bis zum Abflug von Jesse bleibt eigentlich nur wenig Zeit…
Kritik: Richard Linklater und seine beiden Hauptdarsteller hatten schon lange daran gedacht, eine Fortsetzung dieser vielleicht am ehesten mit Eric Rohmers Filmen vergleichbaren, durch und durch sympathischen Liebegeschichte zu drehen. Aber – so Ethan Hawke in der Berlinale-Pressekonferenz – sie fürchteten auch, ein schwacher zweiter Film könnte den ersten nachträglich mit beschädigen.Tatsächlich hätte es leicht schief gehen können, eine so atmosphärische Geschichte, die gerade von Abschied, Unvollendung und den äußeren Begrenzungen lebt, einfach fort zu führen, womöglich zu einem enttäuschenden Happy-end. Aber da sie sich genügend Zeit gelassen haben, ohne je die Liebe zu dem Nachfolgeprojekt zu verlieren, und dabei über Jahre per E-Mail-Austausch das Script nach und nach gemeinsam erarbeiteten und verfeinerten, ist es sogar mehr als eine ebenbürtiges Sequel geworden. Man muss auch „Bevor Sunrise“ nicht unbedingt gesehen haben, um an „Before Sunset“ Gefallen zu finden, es gelingt hier so mühelos und gut dosiert, an die Magie der ersten Begegnung anzuknüpfen, dass man diesen großen kleinen Film in bester Stimmung verlässt, fast als hätte man dieses euphorisch-aphrodisierende Wiedersehen im sommerlichen Paris selbst erlebt.
Ausgefeilte aber spontan wirkende, dabei ebenso amüsante wie intelligente Dialoge, die unangestrengte, natürliche Darstellung von Julie Delpy und Ethan Hawke, und nicht zuletzt der Hauch von Spiel im Spiel und Selbstironie, der den ganzen Film begleitet, und der die romantische Intensität nicht relativiert sondern sogar befördert - all das trägt dazu bei, dass die langen Gespräche zwischen Jesse und Céline in keiner Minute langweilig werden. Man möchte ihnen sogar noch länger zuhören und zusehen, aber es muss natürlich auch diesmal einen Abschied geben, schließlich haben beide inzwischen ein eigenes, anderes Leben zu leben. Natürlich muss offen bleiben, wie sie diesmal mit dem Abschied umgehen, aber man darf sich sogar auf das Ende freuen, denn der Film hat ein gutes Timing und genau den richtigen Schluss.
Thomas Neuhauser
Kritik: Zehn Jahre sind ins Land gegangen. Was wohl aus unserem Liebespärchen geworden ist? Am Ende des Films „Before Sunrise“ (1994) hatten sich der Amerikaner und die Französin früh morgens am Wiener Bahnhof voneinander verabschiedet und wollten sich sechs Monate später in Budapest treffen. Richard Linklaker knüpft an das Jahr 2004 an: Es sind dieselben Schauspieler, die selben liebenswerten, fast zu liebenswerten Figuren. Die beiden haben ein paar Fältchen mehr, sie sind eben schlicht und einfach älter geworden.Treffen in Budapest hat nie stattgefunden. Wie schon von Jeanne Moreau besungen, lernten sie sich kennen, inmitten der Wechselfälle des Lebens, verloren sich aus den Augen und liefen sich wieder über den Weg. Und werden sie wieder auseinander gehen? Sie treffen sich zufällig in einer Buchhandlung wieder und gehen anschließend spazieren.
Die Kamera folgt ihnen, unentwegt, ohne zeitliche Unterbrechung, eine Stunde zwanzig Minuten ihres Lebens, eine Stunde zwanzig Minuten unseres Lebens. Man hört ihnen zu, sieht, wie sie wieder Gefallen aneinander finden, wie die alte Leidenschaft erwacht, sie gehen aufeinander zu und schrecken dann doch voreinander zurück. Eine Stunde zwanzig Minuten lang erlebt man mit, wie ihre Liebe am Seine-Ufer neu entflammt.
Natürlich ist das alles sehr romantisch, sehr süß und manchmal auch sehr romantisch. Doch dieser ununterbrochene Dialog wirkt künstlich und die Umgebung ist zu klischeehaft, um einen Ausgleich zu schaffen. Die Stadt Paris scheint hier die Dritte im Bunde zu sein, der Amor, der seinen Pfeil abschießt, die pausbäckige Putte, die den amerikanischen Touristen Notre-Dame, Saint-Germain-des-Prés und die Ausflugsboote auf der Seine zeigt. „Lachen, Weisheit und Gefühle“: Das klingt nach Jane Austen, doch es ist nur billiges Kino, mit dem man sich an einem grauen Sonntagnachmittag die Zeit vertreibt.
Jesse und Céline haben ohne den anderen nicht gut leben können und kauen ihre Vergangenheit durch. Man möchte sie das am liebsten alleine klären lassen, man möchte sich absetzen, das Kino verlassen und ein Bierchen trinken gehen, aus Langeweile und aus Mitleid. Doch eine gewisse Neugierde und unsere Bequemlichkeit bewirken, dass wir in unserem Kinosessel sitzen bleiben, bis zum kitschigen Ende dieser so schönen Geschichte, bei der es natürlich, drei mal dürfen Sie raten, ein Happyend gibt.
Delphine Valloire----------------------
Before Sunset
Ein Film von Richard Linklater
(USA, 2004, 80 Min.)
Mit Julie Delpy, Ethan Hawke…
Kinostart 17. Juni 2004








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