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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 05. Januar 2006 - 11/08/08

Yes

Ein Film von Sally Potter


Ein kraftvoller, romantischer Liebesfilm
– mit intellektueller Schärfe und Witz.

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Synopsis: Eine wissenschaftlich erfolgreiche Mikrobiologen, um die fünfzig und schon lange nur noch zum Schein mit einem arrivierten englischen Politiker verheiratet, beginnt eine leidenschaftliche und romantische Affaire mit einem aus dem Libanon stammenden Arzt, der sich als Kellner und Küchenhilfe durchschlagen muss. Beide bemühen sich, ihren so unterschiedlichen kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund nicht in die Beziehung hinein zu tragen, aber der poetische Schutzwall um das Reich der Liebenden, wird schon bald von den ungelösten Konflikten der profanen Wirklichkeit überrannt.
 
Kritik: Sally Potter hat schon in ihren früheren Filmen (Orlando, Tango Lesson) gezeigt, dass sie keine Berührungsangst gegenüber poetischer Symbolik und romantischer Metaphorik hat. Aber sie hat auch bewiesen (vor allem in ihrem wunderbaren, ersten Langfilm The Gold Diggers mit Julie Christie), dass sie eine geschichtsbewusste, ebenso scharfsinnige wie humorvolle Analytikerin gesellschaftspolitischer und individualpsychologischer Missstände ist und dafür auch außergewöhnlich schöne Bilder findet.
 
Obwohl es sich hier vordergründig um eine hochromantische Liebesgeschichte handelt, mit in Versen geschriebenen Dialogen in einem artifiziellen, poetischen Spielraum, ist sie mit ihrem neuen Film wieder näher an der intellektuellen Analyse als an der Poesie. Weil bei ihr aber Rationalität und Emotionalität, Poesie und Vernunft, in guter Brecht-Tradition nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern ihre Figuren immer gleichzeitig und gleichberechtigt mit Herz und Verstand handeln, gelingt ihr etwas sehr Seltenes: ein aktueller, theoretischer Diskurs über den Zusammenprall der Kulturen als ein berührender Liebesfilm mit großen Gefühlen.
 
Filme von Peter Greenaway und Alain Resnais, in denen auch natur- und sozialwissenschaftliche Erkenntnisse wie eine Art klassischer Chor die Handlung kommentieren, können zum Vergleich herangezogen werden, auch wenn Sally Potter eine ganz eigene filmästhetische Handschrift entwickelt hat.
 
Kameramann Alexej Rodionov – der schon „Orlando“ gedreht hat – findet auch hier eine ausdrucksstarke, fast gemäldehafte Bildsprache, und die Schauspieler (Joan Allen als die Frau, Simon Abkarian als ihr Geliebter und Sam Neill als ihr Mann) sind trotz des erhabenen Tons der an Shakespeare erinnernden Vers-Dialoge weit davon entfernt, künstlich oder kitschig zu wirken – der poetische Spielraum funktioniert.
 
Natürlich muss man sich darauf einlassen, was in einem von konventionellen Erzählweisen und Dramaturgien beherrschten Festivalprogramm nicht ganz einfach ist, aber Sally Potter macht es durch eine geschickte, ironische Brechung etwas leichter, in den Film einzusteigen. Sie konfrontiert uns gleich zu Beginn und immer wieder zwischendurch mit der Perspektive der Putzfrauen, die sich ja mit dem Schmutz, der sich in der bürgerlichen Gesellschaft angesammelt hat, bestens auskennen. Sie sollen die Ordnung wiederherstellen, sie sind für die Sauberkeit zuständig, aber sie wissen besser noch als die Mikrobiologin, dass immer nur die Oberfläche sauber ist, denn: „Cleaning is an illusion“.
 
Thomas Neuhauser
 
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Yes
Ein Film von Sally Potter
(Großbritannien/ USA)
Berlinale 2005 - Panorama

Erstellt: 03-01-06
Letzte Änderung: 11-08-08