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Noi Albinoi

Ein Film von Dagur Kári


Synopsis: Nói, ein eigensinniger Außenseiter, von dem niemand weiß, ob er nun zurückgeblieben oder genial ist, lebt mit seiner Großmutter in einer kleinen Stadt an einem abgelegenen Fjord im Norden Islands. Eingeschlossen von hohen Bergen und begraben unter Schnee ist dieser Ort eine zu kleine Welt, in die Nói nicht hinein passt. Mit Iris, dem Mädchen von der Tankstelle, träumt er, dieser Welt, an deren eingeschränkten Möglichkeiten er nacheinander scheitert, zu entkommen. Die Feuerwehr hat keine Arbeit für ihn, als Totengräber verzweifelt er an der tiefgefrorenen Erde. Erst als eine Katastrophe sein kleines Universum erschüttert, eröffnet sich für Nói die Chance, ein neues Leben zu beginnen...
 
Die Kritik zum Film: Die Figur des Nói begleitet den isländischen Regisseur Dagur Kári schon jahrelang. Anfangs war Nói für ihn eine tragikomische Comicfigur, später der Anti-Held eines potentiellen Animationsfilm, aber jetzt hat er die Hauptrolle in Dagur Káris gleichnamigen Debütspielfilm erhalten. Mit Nói, dem sympathischen Außenseiter steht und fällt Káris Film, und es ist ihm gelungen, für seinen geheimnisvollen Einzelgänger eine sehr geeignete Besetzung zu finden. Tómas Lemarquis spielt den 17-jährigen Albino, der ständig Fluchtpläne im Kopf hat.
 
Doch sowohl die klimatischen Begebenheiten des eingeschneiten Fjorddorfes, als auch die Bewohner weisen ihn ständig auf seine eigenen Grenzen und die der Landschaft hin. Als er etwa mit Mütze über dem Kopf und einer Pistole die Bank überfallen will, sagt ihm der Schalterbeamte ohne eine Spur von Angst: "Mach kein Scheiß Nói, von uns kriegst du kein Geld." Wenige Minuten später plündert Nói dann eben ganz offiziell sein eigenes Konto.
 
Dagur Kári hat an der Nationalen Filmhochschule in Dänemark Regie studiert. Für seinen Debütfilm ist er jedoch in seine Heimat zurückgekehrt; zu den westlichen Fjorden, weil ihm dort die Landschaft am Besten gefallen hat. Kameramann Rasmus Videbaek versteht es, in wundervollen Panoramabildern den Reiz dieser Schneelandschaft einzufangen. Ihn kennt Kári wie auch seinen Cutter Daniel Dencik von der Filmhochschule.
 
Den Rest des Teams und die Schauspieler zu finden, war relativ einfach in Island, wie Kári selbst beschreibt: "Island ist klein und jeder kennt jeden. Wenn du in Reykjavik lange genug in einer Bar sitzt, wirst du alle deine Schauspieler und deinen gesamten Stab treffen." Dennoch war es dem Regisseur wichtig, nicht einen "typisch isländischen" Film zu drehen, er wollte für NÓI ALBINÓI eine ganz eigene Welt kreieren. Das ist ihm auch gelungen. Sein spleeniger Außenseiter - der des öfteren an Charaktere aus frühen Jim Jarmush-Filmen denken lässt - lebt in seinem eigenen kleinen Mikrokosmos, aus dem er erst herausgekrochen kommt, als er sich für das hübsche Mädchen aus der Stadt zu interessieren beginnt.
 
Der Filmscore von Káris eigener Band ‚slowblow' unterstreicht die poetisch-melancholische Stimmung, die über der ganzen Geschichte liegt. Zusammen mit seinem Freund Orri macht Kári Musik, und wie er selbst sagt, "es gibt nur wenige Dinge auf der Welt, die ihm mehr Spaß machen." Filmemachen gehört hoffentlich dazu. Mit lakonischem Tonfall führt Kári durch seine eigenwillige aber angenehm unterhaltsame optimistische Tragödie. Das Ende ist zwar sehr tragisch, kann aber nur dadurch eine echte Chance auf Neubeginn für Nói bereithalten.
 
 
Das Bonusmaterial: „Bereits mit 17 hatte ich einen Charakter im Kopf, von dem ich wußte, daß er Noi Albinoi heißen würde. Er ist fast ein Alien, er sollte sich vom Rest der Menschen unterscheiden“, sagt der 30-jährige isländische Regisseur Dagur Kári. NOI ALBINOI ist sein Debütfilm. An der dänischen Filmhochschule hat er mit dem Kurzfilm LOST WEEKEND abgeschlossen, der auf Festivals mehrere Preise gewonnen hat. Es macht Spaß, Dagur Kári zuzuhören, wenn er im 20-minütigen Making Of seine Überlegungen zum Film und vor allem zu seiner Hauptfigur anstellt. Ist der Albino Noi ein Wunderkind oder ein Trottel? Der Regisseur verrät es uns nicht. Auf jeden Fall ist er im ewigen Eis an der falschen Stelle, auch wenn man immer wieder das Gefühl bekommt, daß der hellhäutige Mensch mit der ihn umgebenden Landschaft eine seltsame Symbiose eingeht.

Szenenausschnitte wechseln sich mit Interviewausschnitten ab, Dagur Kári erklärt sein Kamerakonzept. Indem er kaum Primärfarben verwendet, will er die Zeitlosigkeit oder gar Unwirklichkeit betonen, in der der Film stattfindet - alles ist grün-blau-stichig. Einige Ausnahmen gestattet er sich dennoch: als Noi - natürlich rein aus Versehen - in der Stube seiner Großmutter beim „Blutsuppekochen“ einen riesigen Topf Blut auf seine Oma und seinen Vater kippt, könnte das Rot kaum röter sein. Das Sounddesign konzentriert sich auf Mono, denn Dagur Kári versucht damit beim Zuschauer ein Gefühl der Platzangst zu kreieren – was ihm nicht ganz gelingt.
 
Den Soundtrack hat der Regisseur gemeinsam mit einem Freund in seiner Zweimannband „Slowblow“ gebastelt. Die Musik ist warm und angenehm, sie steht im Kontrast zur ansonsten überwiegend eisigen Atmosphäre des Films. Dagur Kári preist die „Professionalität der Unschuld“, für ihn ist es „das Schlimmste, perfekt zu sein.“ Daher ist sein Cast eine gelungene Mischung aus Schauspielern und Laien, die diversen anderen Berufen nachgehen: Thorstinn Gunnarson ist eigentlich Architekt, Kjartan Bjargmundsson Tischler und Throstur Leo arbeitet die meiste Zeit des Jahres auf einem Fischkutter. Ach ja, und sollte es jemals eine Fortsetzung der Lebensgeschichte Nois geben, wird sie laut Regisseur „garantiert auf Cuba spielen“.
 
Der deutsche Trailer gibt einen soliden Eindruck davon, was einen in NOI  ALBINOI so alles an Skurrilem erwartet - zwei Kurz-Trailer ergänzen ihn. Drei im Film nicht verwendete Szenen bekommt der Zuschauer noch als Appetithäppchen serviert, kommentiert vom Regisseur. Da gibt es eine Diskussion zwischen Dekan und Psychiater, ob Noi mit einem IQ von 130 nun hyper-intelligent ist oder nicht. „Immerhin ist er der schlechteste Schüler der Klasse“, sagt der Dekan nachdenklich. Dagur Kári wollte sie im Film nicht verwenden, um nicht zu viel über Noi zu verraten.
 
Eine andere, sehr lustige Szene ist eine Art Kurzfilm im Film, in der der Dorfpolizist Noi am Weiterfahren hindern will. Sie war schließlich zu lang, um sie einzubauen. In der dritten Szene findet Noi seine Großmutter im Schrank - kommentarlos. Eine Trailershow mit Trailern zu ELEFANTENHERZ, FICKENDE FISCHE, INVISIBLE, JUNIMOND und SWEET SEIXTEEN ergänzt das Angebot der Bonus Tracks dieser sehenswerten DVD.

Nana A.T. Rebhan
 
 
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Noi Albinoi
Ein Film von Dagur Kári
Island 2003
Darsteller: Tómas Lemarquis, Pröstur Leó Gunnarsson, Elín Hansdóttir
Kinostart vom 13. November 2003

Sprachen:
Deutsch, Isländisch
Mit deutschen oder englischen Untertiteln

Extras:
- Making Of mit Interviews
- Unveröffentlichte Szenen
- Trailer
- Teaser-Trailer
- Trailershow

Erstellt: 08-11-04
Letzte Änderung: 08-11-04


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