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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart am 31. Mai 2007 - 30/05/07

Golden Door

Ein Film von Emanuele Crialese


Ausdrucksvolles, poetisches Auswandererdrama um eine sizilianische Familie.

Italien/Frankreich (118 Min.)
Mit: Charlotte Gainsbourg (Lucy), Vincenzo Amato (Salvatore), Aurora Quattrocchi (Donna Fortunata)
 
 
Synopsis: Anfang des 20. Jahrhunderts lebt der verarmte Bauer Salvatore Mancuso allein mit seinen beiden Söhnen Angelo und Pietro, sowie seiner Mutter Fortunata in einem kleinen sizilianischem Dorf. Der Boden ist so karg wie die Landschaft und alle träumen vom der Neuen Welt jenseits des Atlantiks, wohin schon so viele ausgewandert sind. Eines Tages verkauft Salvatore sein letztes Hab und Gut und macht sich mit seinen Söhnen und der Mutter auf die große Schiffsreise. Auf dem Schiff lernt er die schöne und geheimnisvolle Engländerin Lucy kennen, und da alleinreisende Frauen nicht einreisen dürfen, willigt er ein, sie vor den Behörden als seine zukünftige Frau auszugeben. Aber die Einreise ins Gelobte Land gestaltet sich schwieriger als erwartet.
 

Kritik: Der 1965 in Rom geborene Emanuele Crialese ist bei uns mit seinem kraftvoll-urwüchsigen Film „Lampedusa“ („Respiro“, Italien 2002), um eine sizilianische Fischerfamilie, bekannt geworden, der u.a. auch in Cannes ausgezeichnet wurde. Auch der erste Teil von „Golden Door“ besitzt wieder die starke Ausdruckskraft, mit der dieser Regisseur das einfache, aber stolze Bauernmilieu darzustellen vermag, selbst wenn er hier manchmal die archaische Symbolik etwas überstrapaziert. Auch die leicht surrealen Phantasieszenen, in denen die armen Dorfbewohner von überdimensionalem Obst und Gemüse träumen, und vom Geld, das in Amerika auf den Bäumen wächst, wirken eher skurril-komisch, als dass sie die Not der Menschen vermitteln würden, die damals millionenfach in der Hoffnung auf ein besseres Leben auswanderten.

Aber wie viel Mut und Kraft es von Salvatore – und den Millionen anderer Auswanderer - erfordert, diese große Reise anzutreten, wie dramatisch der Abschied von der Heimat ist, das macht Crialese in stilistisch eigenwilligen, durchkomponierten Szenen und einer poetischen Bildsprache deutlich, getragen von den beiden wunderbaren Hauptdarstellern Charlotte Gainsbourg und Vincenzo Amato. Es ist ja nicht nur die Reise in eine äußere neue Welt, die hier angetreten wird - durch die unausgesprochene, zarte Beziehung, die sich auf dem Schiff zu Lucy entwickelt, wird es für Salvatore auch zu einer Reise in eine neue innere Welt, von der er bisher nichts wusste. Und es gelingt dem Film mit wenigen Szenen in der amerikanischen Einwanderungsbehörde auf Ellis Island, die Absurdität und Inhumanität der willkürlichen Prüfungen und Kontrollen zu zeigen, die vor dem Eintritt ins scheinbar gelobte Land zu überwinden waren. Diese Bilder wirken lange nach und entsprechend wurde „Golden Door“ in elf Kategorien für den bedeutendsten italienischen Filmpreis „David di Donatello“ nominiert, nachdem der Film bereits 2006 in Venedig einen Silbernen Löwen erhielt. Eine archaische, aber auch eine sehr moderne Fabel, denn „Golden Door“ erinnert uns daran, dass die wenigsten Menschen gern oder freiwillig ihre Heimat verlassen, um in einer völlig fremden Welt zu landen, deren Spielregeln sie nicht verstehen.
 

Thomas Neuhauser

Erstellt: 29-05-07
Letzte Änderung: 30-05-07