Kritik: Die Produzenten rund um den Indie-Erfolg "Little Miss Sunshine" (2006) setzen erneut auf einen sonnigen Titel und gute Schauspieler. "Sunshine Cleaning" weist auf den ersten Blick zwar einige Gemeinsamkeiten mit dem Vorgänger auf. So spielen beide Filme in einer trostlosen kleinen Vorstadt, und Alan Arkin darf in beiden als verschrobener, manchmal ein wenig zu direkter Großvater auftreten, der aber dennoch sein Herz auf dem rechten Fleck hat. Für seine Rolle in „Little Miss Sunshine“ wurde er sogar für den Oscar nominiert. Sonst aber schlägt "Sunshine Cleaning" ernstere Töne an, ist keine Satire, sondern widmet sich seinen bisweilen schon fast depressiven Charakteren.
Megan Holley hat das Drehbuch geschrieben, es ist ihr erstes verfilmtes Buch, und man kann sich sicher sein, dass man von dieser Frau noch hören wird. Das Verhältnis zwischen den beiden Schwestern wirkt sehr naturalistisch und nachvollziehbar. Die Konstellation von Rose ebenso: Vor Jahren war sie das begehrte Cheerleader Girl an ihrer Schule, heute ist sie allein erziehende Mutter eines verhaltensauffälligen, siebenjährigen Sohnes, muss putzen gehen und hat eine Affäre mit einem verheirateten Cop, den sie auch noch von der Highschool kennt. Ihre Mutter hat sich umgebracht, der Vater wurstelt mit seltsamen Ideen vor sich hin und ihre Schwester verliert sogar noch ihren Job als Aushilfskellnerin. Ein guter Start also, denn es gibt nicht viel zu verlieren.

USA 2008, 91 Min.
Regie: Christine Jeffs
Mit Amy Adams, Emily Blunt, Alan Arkin, Steve Zahn, Mary Lynn Rajskub

Die beiden Mädels können zupacken, das beweisen sie schnell, und Rose bekommt schon bei der ersten Begegnung mit dem Spezialreinigungsartikelverkäufer, dem einarmigen Winston, einen festen Platz in seinem Herzen, auch wenn er ihres wohl nie erobern wird. Der Zuschauer darf sich über eine gelungene Besetzung freuen, die bis in die Nebenrollen hinein stimmig ist. So verleiht Clifton Collins Jr. etwa den kurzen Auftritten von Winston echten Charme. Natürlich müssen an dieser Stelle auch Amy Adams und Emily Blunt erwähnt werden, die die beiden Schwestern absolut überzeugend verkörpern. Amy Adams hatte ihren Durchbruch mit der Hauptrolle in "Junebug", einem Indie-Überraschungserfolg, für die sie für den Oscar nominiert wurde. Emily Blunt ("Der Teufel trägt Prada") gibt die total chaotische kleine Schwester, die aber stets bemüht ist, alles richtig zu machen. Zusammen sind sie ein großartiges Paar.
Erneut widmet sich die aus Neuseeland stammende Regisseurin Christine Jeffs einer Frauengeschichte, die aber diesmal ein Happy End vorzuweisen hat. Ihr erster Film "Sylvia" erzählte die Liebesgeschichte zwischen der Schriftstellerin Sylvia Plath (Gwyneth Paltrow) und dem Schriftsteller Ted Hughes (Daniel Craig). Sylvia Plath brachte sich noch vor ihrem 30-Geburtstag um. Doch keine Sorge, „Sunshine Cleaning“ besitzt gleich zwei Happy Ends, die ganz im Sinne des Amerikanischen Traums ausfallen.
Sehr unterhaltsam sind die Szenen, in denen das infernalische Duo diverse Tatorte säubert. Suizid ist da noch mit am angenehmsten, weil er wenig Dreck macht. Eine bettlägrige Alkoholikerin, die ihr Bett vollgekotet hat und diverse Madensorten in der Küche züchtet, gehören allerdings genauso zum Alltag von "Sunshine Cleaning". Der Film ist genauso abwechslungsreich wie der Job der beiden, macht aber weniger Arbeit und mehr Freude.
Nana A.T. Rebhan






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