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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 20. Juli 2006 - 18/07/06

Geheime Staatsaffären

Ein Film von Claude Chabrol


Wenn mächtige Industriemanager sich für unangreifbar halten, haben sie den Ehrgeiz und die Hartnäckigkeit einer kleinen, unscheinbaren Richterin unterschätzt.

Weitere Artikel zum Thema

Externe Links

L´Ivresse Du Pouvoir
(Frankreich/Deutschland 2006, 108 Min.)
Mit: Isabelle Huppert, François Berléand, Patrick Bruel
Berlinale 2006 - Offizieller Wettbewerb

Synopsis: Die Pariser Richterin Jeanne Charmant-Killman (Isabelle Huppert) ermittelt seit Jahren gegen Humeau, den Vorstandsvorsitzenden eines mächtigen Industriekonzern (François Berléand) und seine Hintermänner, wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder. Als sie glaubt, genügend Beweismaterial zu haben, lässt sie Humeau direkt vor dem Firmensitz verhaften, und die Polizisten zeigen sich wenig beeindruckt von seinem protestierenden „Wissen Sie nicht, wer ich bin?“. Aber diesen Prozess hat die unnachgiebige Richterin noch nicht gewonnen, denn die mächtigen Männer in Politik und Wirtschaft (und es sind natürlich nur Männer) sind zwar bereit, Humeau fallen zu lassen, wollen sich aber bei ihren Geschäften nicht gestört werden.

Im Gespräch mit

Isabelle Huppert
(Windows Media)
Claude Chabrol
(Windows Media)




Kritik: Mit schöner Regelmäßigkeit und ungebrochenem Elan, wenn auch nicht ganz so konstant wie Woody Allen, dreht Claude Chabrol immer noch seine Filme, die der französischen Bourgoisie den Spiegel vorhalten, von denen sich aber längst niemand mehr ernsthaft gestört fühlt. Diesmal hat er sich wohl von der Elf/Aquitaine-Affaire inspirieren lassen, und natürlich ist es eine zeitlang unterhaltsam, wie Chabrol und die wie immer wunderbare Isabelle Huppert sich über die „Machttrunkenheit“ (das ist die deutsche Entsprechung des Titels) dieser Top-Manager lustig machen, und in geschliffenen Dialogen die absurden hierarchischen Verhaltensmuster und die schützenden Rituale der Mächtigen entlarven. Aber bald stellt sich das Gefühl ein, dass man das alles kennt und schon mehrfach gesehen hat, und gerade die guten Dialogszenen werden selbstverliebt viel zu lang ausgedehnt. Aber wer wollte auch einem Claude Chabrol ins Gesicht sagen, hier musst Du straffen, kürzen, schneiden?

Die Richterin mit dem etwas aufdringlich anspielungsreichen Namen Charmant-Killman, wird am Ende den Kampf gegen das Kartell der Bosse verlieren, das überrascht nicht, denn diese heilige Johanna verliert auch den Kampf gegen ihre eigene Verbissenheit in diesen Fall. Fast hat man manchmal das Gefühl als wären Chabrol die dekadent-hedonistischen Wirtschaftsgangster sympathischer, als die asketisch und diszipliniert arbeitende Richterin. Hier hätte der Film wieder interessant werden können, wenn er die Relativierung des Guten und der richtigen Moral weiter getrieben hätte. Aber auch dafür ist der Film zu milde.

Thomas Neuhauser

Erstellt: 18-07-06
Letzte Änderung: 18-07-06