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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 30. August 2007 - 29/08/07

Hallam Foe

Ein Film von David Mackenzie


Eine klassische Teenager-Masturbationsfantasie

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Regie: David Mackenzie
Darsteller: Jamie Bell, Sophia Myles, Claire Forlani u.a.
Großbritannien, 2007, 96’
Ein Film des offziellen Wettbewerbs der Berlinale 2007


Synopsis: Der 17-jährige HALLAM FOE (Jamie Bell) will nicht glauben, dass seine vor 2 Jahren verstorbene Mutter Selbstmord begangen hat. Er vermutet, dass seine Stiefmutter VERITY (Claire Forlani) für ihren Tod verantwortlich ist. Als er die erotisch aufgeladene Machtprobe im elterlichen Zuhause gegen sie verliert, bricht Hallam nach Edinburgh auf, wo er in einem Hotel die Personalmanagerin KATE (Sophia Myles) kennen lernt, die seiner Mutter täuschend ähnlich sieht. Von nun an folgt Hallam der Ahnungslosen auf Schritt und Tritt.


Kritik: Wenn man sich als 17-jähriger immer noch in einem Baumhaus mitsamt einer Pfadfinderkuriositätensammlung verbarrikadiert, ein Dachsfell wie einen Indianerschmuck auf dem Kopf trägt und sich dazu mit Lippenstift und Kajalstift eine Art Kriegsbemalung zulegt, liegt es nahe, dass der pubertäre Reife- und der damit verbundene Abnabelungsprozess vom elterlichen Zuhause ins Stocken geraten ist. In der Tat hat die Kreativität dieses höchst individualistischen Eigenbrötlers Hallam etwas ziemlich Grenzgängerisches – besteht seine Lieblingsbeschäftigung doch darin, nicht nur die Sexualpraktiken der Nachbarschaft, sondern auch die seiner Stiefmutter per Fernglas und meist aus großer Höhe auszuspionieren.

Wer nun glaubt, David Mackenzie habe mit seinem stets etwas übermotiviert agierenden Protagonisten ein mörderisches Coming-of-Age-Drama im Sinn oder gar einen doppelbödigen Psychothriller, der irrt. Dazu ist der Gitarren-Indiepop-lastige Soundtrack viel zu fröhlich-energetisch und auch die Titelsequenz – ein Animationsfilm, der einen frisch geschlüpften Vogel beim Verführen dreister im Tierreich verübter Streiche zeigt – legt nahe, dass sich „Hallam Foe“ stets auf Augenhöhe mit der anvisierten Zielgruppe bewegen will. Um dabei ebenso übermütig wie respektlos mit diversen Genres - Drama, Komödie und Thriller - herum zu experimentieren.

Was aber ist los mit Hallam Foe? Die Mutter ist vor 2 Jahren auf den zum elterlichen, schottischen Highland-Landsitz gehörenden See hinausgerudert, mit einer Überdosis Schlaftabletten im Blut, wie der Autopsiebericht festgestellt hat. Keine Frage – Selbstmord! Doch welcher Jugendliche will schon akzeptieren, dass einen die geliebte Mutter für immer im Stich gelassen hat? Da muss eine Verschwörungstheorie her, für die sich die schwarzhaarige, verführerische Vamp-Stiefmutter trefflich eignet – schließlich hat sie es vom Sekretärinnenschreibtisch im Büro des Vaters bis ins Schlafzimmer der Eltern geschafft. Wie tückisch ihre Reize sind, muss Hallam bald selbst erfahren, dem, von der Schweigermutter verführt und erpresst, die Argumente ausgehen, zuhause ungestraft weiter gehässigen Unfug zu treiben.

Hallam kommt nach Edinburgh. Hier beginnt eigentlich ein neuer Film. Eine Liebesgeschichte zwischen einem Teenager und der mindestens 10 Jahre älteren Personalchefin eines Hotels. Eine klassische Teenager-Masturbationsfantasie eigentlich, zumal, wenn die Angebetete gegen alle Wahrscheinlichkeit auch noch ein Verhältnis mit dem Teenager anfängt, der sich vom Tellerwäscher zum Hotelportier hocharbeitet. David Mackenzies sprunghafte und nicht immer schlüssige Erzählstrategie, seine visuellen und inszenatorischen Einfälle werden denn auch eher von der pulsierenden Energie der Teenagergeneration, von den Launen des Erwachsenwerdens gesteuert. Dies geschieht oft zum Nachteil einer größeren Glaubwürdigkeit der anderen, erwachsenen Figuren, denen er auf Wanderschaft begegnet. Als müsste sich ihr Blick auf die Welt, ihr Verhalten dem Ungestüm der Jugend anpassen oder gar beugen.

Martin Rosefeldt

Erstellt: 28-08-07
Letzte Änderung: 29-08-07