Kritik: „Schreib einen Film in arabischer Sprache, in dem auch Charlie Chaplin mitspielen würde,“ soll sein amerikanischer Produzent David Pritchard ("The Simpsons") den Regisseur ermutigt haben. Für den in Jordanien aufgewachsenen Amin Matalqua, der am Filminstitut in Los Angeles Regie studierte, war es klar, dass er seinen Debütfilm in seiner Heimat drehen wollte. "Captain Abu Read" ist ein höchst interessanter Zwitter geworden: Ein Film eines Jordaniers, der die Idee des amerikanischen Traums und die der Universalität von Geschichten aufgesogen und verinnerlicht und dabei seine Herkunft nicht vergessen hat.
Der in Großbritannien lebende Nadim Sawalha ("Syriana") ist die perfekte Besetzung für "Captain" Abu Read. Er gibt ihm die nötige Melancholie und Neugierde. Er spielt in kleinen Nuancen die Verwandlung eines einsamen, desinteressierten Individuums zu einem Menschen, der sein Leben für die Zukunft anderer opfert. Amin Matalqua gelingt ein kleines Wunder: Er hat einen Film gedreht, der Märchen und Sozialstudie zugleich ist. Die Tatsache, dass Abu Read Geschichten erzählt, steht nicht im Vordergrund, sie verschafft Abu Read nur die Möglichkeit, aus seiner persönlichen Isolation auszubrechen.

Jordanien 2007, 110 Min.
Buch und Regie: Amin Matalqua
Mit Nadim Sawalha, Rana Sultan, Hussein Al-Sous, Udey Al-Qiddissi, Ghandi Saber

Der deutsche Kameramann Reinhart Peschke hat klare, schlichte Bilder voller Schönheit gefunden. "Captain Abu Read" ist ein Film, der durch seine humanistischen Grundideen berührt. Dabei gelingt es ihm, diese Ideale weder plakativ zur Schau zu stellen noch belehrend darauf hin zu weisen. Nur die Musik gibt sich bisweilen ein wenig zu hollywoodesk. Nun gut, auch das Ende ist eine arabische Version des Traums "vom Tellerwäscher zum Millionär", die man nicht unbedingt toll finden muss. Da gelingt es doch gerade dem geschlagenen und gebeutelten Murad, Pilot zu werden, obwohl er Captain Abu Read sofort enttarnte, weil er ahnte: "Leute wie wir werden keine Piloten." Aber "Captain Abu Read" ist eben doch ein Märchen - ein sehr sehenswertes. Es ist zudem der erste Film aus Jordanien, der weltweit im Kino startet. Auch für den Regisseur Amin Matalqua - der erst in zweiter Laufbahn Film studierte - ist ein Traum wahr geworden.
Nana A.T. Rebhan






per E-Mail verschicken
( Arte Bewertung: 4 )





Facebook
Twitter
RSS

