03/07/02
Joint Security Area
Kinostart 04.Juli 2002
JOINT SECURITY AREA
Ein Drama von Park Chan Wook
Kor 2000
Synopsis
Die Joint Security Area (Gemeinsame Sicherheitszone) ist ein
Landstreifen entlang der Grenze zwischen Nord – und Südkorea; dieser Teil der Entmilitarisierten Zone steht unter der Kontrolle der NNSC (Aufsichtsbehörde der neutralen Nationen). Das bekannteste wie berüchtigste Bauwerk innerhalb der JSA ist die "Brücke ohne Wiederkehr", Schauplatz vieler Gefangenenaustausche sowie einer der unmittelbarsten Reibungspunkte zwischen den beiden Staaten und Systemen.
Auf dieser Brücke kommt es eines Tages zu einem Zwischenfall: Ein
nordkoreanischer Soldat wird erschossen aufgefunden, der mutmaßliche Täter, ein Soldat der Gegenseite, liegt schwer verwundet im Krankenhaus. Sophie Jean, eine Schweizer Soldatin koreanischer Abstammung, soll die Hintergründe dieser Tat ermitteln. Bald entdeckt sie, dass mehr im Spiel ist als fehlgeleiteter Parolengehorsam, und dass die beiden mehr gemeinsam haben, als sie nach außen hin je zugeben werden.
Regisseur Park Chan Wook
Über Joint Security Area:
"Die Zweiteilung der Koreanischen Halbinsel ist keine Tragödie, sie ist eine Ironie. Die nervliche Belastung der Soldaten in Panmunjom führt zu so übertriebenen Reaktionen, dass es teilweise schon lächerlich ist. Aber plötzliche Gewehrsalven sind nicht zum lachen.
Ich wollte keinen Film machen, der das Thema der nationalen Trennung kommerzialisiert. Und ich wollte ebenso wenig, dass er zum Geschichtsunterricht wird. Mein Film beginnt mit Verwirrung und endet in Melancholie, und das entspricht in etwa den Gefühlen meiner Generation angesichts der Situation. Ich würde mir wünschen, dass mein Film eine neue Blickweise auf die Zweiteilung anregt, eher aus der Sicht des einzelnen Menschen als aus der von politischen Ideologien.
Ich hoffe, dass JOINT SECURITY AREA zeigt wie Ideologie Menschen in Katastrophen treiben kann, und das Doppelsystem enthüllt, das versucht Frieden zu bewahren indem es die Wahrheit verbirgt. Mir war es wichtig zu zeigen was die nationale Teilung in den Herzen des koreanischen Volkes wirklich bewirkt hat; und vor allem diese Gefühle an die jüngere Generation Süd-Koreas weiterzugeben, die nur wenig von dem Martyrium der Trennung mitbekommen haben."
Profil:
1963 geboren
Abschluss in Philosophie an der Universität von Sogang
Gründer des Vereins „Movie gang"
Filmographie:
Moon is the Suns´s Dream (1992), The Threesome (1997)
Critical essay: A covert charm of watching movies (1994)
Produktionsnotizen
Das Erlebnis den Film erstmals mit Publikum gesehen zu haben beschreibt Park wie folgt: „Dem ganzen Publikum stockte der Atem als die Kamera sich über die Demarkationslinie hinweg bewegte, vom Norden in den Süden. Das war einfach ein bisher unmöglicher Schritt. Niemand ist jemals über diese Linie getreten.
Für einen Nicht-Koreaner ist es sehr schwer zu verstehen was ein solcher Schritt bedeutet - es ist wie durch eine Backsteinmauer zu gehen, vielleicht, aber noch viel viel unmöglicher. Seit der Film in Korea angelaufen ist, hat er mit Leichtigkeit SHIRI überholt, und wird zum populärsten Koreanischen Film aller Zeiten. Ungefähr 6 Millionen Menschen haben JOINT SECURITY AREA gesehen; in einem Land mit einer Einwohnerzahl von 46 Millionen.
Park war zeitweise sogar sehr besorgt ob das gesamte Projekt nicht doch noch scheitern würde, da es in Konflikt mit dem Südkoreanischen „National Preservation Law" hätte geraten können. Das Gesetz verbietet jeglichen Kontakt mit Nordkorea. „Ich wusste nicht einmal ob es möglich sein würde den Film herauszubringen", sagt er. Aber dann holten die Ereignisse ihn fast selber ein. Mitte Juni [1999], als JOINT SECURITY AREA gerade in der Postproduktion war, flog Mr. Kim, der Präsident Süd-Koreas, gen Norden nach Pyongyang, um Mr. Kim, das Oberhaupt Nord-Koreas, zu treffen. Diese Begegnung als bahnbrechend zu bezeichnen reicht wohl nicht ganz aus. Inzwischen ist nämlich sogar der Bau einer Nord-Süd- Eisenbahn im Gespräch.
„Rückblickend, glaube ich, war ich zu beunruhigt." kichert Park. "Ich glaube, dass die jetzige Situation, vielleicht auch damals schon, in unserem Unterbewusstsein präsent war."
Korea zwischen militärischer Konfrontation und 'sunshine policy'
Am 15.8.1948 wurde in Seoul die Republik Korea proklamiert, deren erster Präsident Syngman Rhee wurde. Am 9.9. folgte die Gründung der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik unter Präsident Kim Il-Sung im Norden. Ein Jahr vor der doppelten Staatsgründung in Deutschland vollzog sich auf der koreanischen Halbinsel ein ähnlicher Prozess, der allerdings rasch zu einem Konflikt eskalierte, wie er den beiden deutschen Staaten dann doch erspart blieb. Dessen Nachwirkungen belasten die Aussöhnung zwischen Nord- und Südkorea auch nach dem Ende des Kalten Krieges in einem Ausmaß, das alle während des Gipfeltreffens zwischen den beiden Staatschefs des Südens und des Nordens, Kim Dae-Jung und Kim Jung-Il, im Juni 2000 aufflammenden Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung mittlerweile wieder erstickt hat. Daran hat auch die Verleihung des Friedens-Nobelpreises an Kim Dae-Jung nichts ändern können.
Kommentar
JOINT SECURITY AREA ist ein Militärdrama, aber er ist noch viel mehr: Er ist ein Film über eine gescheiterte Freundschaft. Dem koreanischen Regisseur Park Chan Wook gelingt es, den entscheidenden Moment des Scheiterns einzufangen, in Zeitlupe kehrt die mehrere sekundenlange Sequenz an verschiedenen Stellen seines Filmes wieder. Es ist der Moment, in dem Hoffnung und Freundschaft in Haß und Feindschaft umkippen, weshalb drei Menschen sterben müssen. Die Freundschaft der vier Grenzposten kann nicht groß genug sein, um den jahrzehntelangen Haß zwischen Süd- und Nordkorea zu überwinden.
Park Chan Wook gelingt es, seiner eigentlich sehr einfachen Geschichte einer grenzüberwindenden Freundschaft eine monumentale Größe zu verliehen. Das hat nicht zuletzt viel mit der Stimmung und den Bildern zu tun, die er kreiiert. Sein Kameramann Kim Sung Bok - der auch für die Kamera des koreanischen Box-Office-Hits SHIRI (1998) verantwortlich zeichnete - zaubert eine menschliche, warme Atmosphäre in einer unmenschlichen, verödeten Grenzpostenlandschaft. Kleine Gesten und Blicke sind es, die er einfängt und die soviel Großes über die Freundschaft der vier Männer erzählen.
Der Zuschauer wird hineingeworfen in eine komplexe Situation, die er langsam - mit Hilfe von ausladenden Rückblenden - zu verstehen beginnt. Am Ende des Films ist er der integrierte Aufgeklärte, er besitzt gegenüber der forschenden Schweizerin einen Wissensvorsprung. Doch der hilft ihm keineswegs weiter, er stürzt ihn eher in Trauer ob der gesellschaftlichen Verhältnisse und der verworrenen Unlösbarkeit der politischen Situation zwischen den beiden koreanischen Staaten.
Regisseur Park Chan Wook erklärt seine Absicht: ‚mein Film beginnt mit Verwirrung und endet in Melancholie, und das entspricht in etwa den Gefühlen meiner Generation angesichts der Situation. Ich würde mir wünschen, dass mein Film eine neue Blickweise auf die Zweiteilung anregt, eher aus der Sicht des einzelnen Menschen als aus der von politischen Ideologien. Ich hoffe, dass JOINT SECURITY AREA zeigt wie Ideologie Menschen in Katastrophen treiben kann, und das Doppelsystem enthüllt, das versucht, Frieden zu bewahren indem es die Wahrheit verbirgt.‘
Gut möglich, daß es Park Chan Wook gelingt, mit seinem Film das Bewußtsein der Koreaner für ihre Situation zu schärfen, immerhin ist JOINT SECURITY AREA der erfolgreichste koreanische Film aller Zeiten im eigenen Land. Über sechs Millionen Koreaner von 46 Millionen Einwohnern haben ihn gesehen. JOINT SECURITY lief außerdem erfolgreich auf über 15 internationalen Festivals und konnte dort etliche Preise einsammeln.
Bis zuletzt wußte Park Chan Wook nicht einmal, ob er sein mutiges Projekt ins Kino bringen könnte, eine haarige Auslegung südkoreanischer Gesetze hätte alles verhindern können. Doch Mitte Juni 1999 - als sich der Film in Postproduktion befand - flog Südkoreas Präsident Mr. Kim nach Norden, um dort das Oberhaupt Nordkoreas zu treffen. Die Begegnung verlief mehr als positiv, und mittlerweile wird sogar über den Bau einer Nord-Süd-Eisenbahn nachgedacht.
Momentan da wegen der Fußball WM die ganze Welt ihren Blick auf Südkorea gerichtet hat, ist es sicherlich ein guter Moment, diesen Film ins Kino zu bringen. Ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit und Völkerverständigung. Das passt doch, wo wir alle noch das rote, friedlich fähnchenschwenkende Fußballzuschauermeer in Erinnerung haben.
Nana A.T.Rebhan
Erstellt: 20-04-04
Letzte Änderung: 03-07-02