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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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26/11/03

Kommentar

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Als Denys Arcand 1987 mit seinem dritten Film „The Decline of the American Empire" nach Cannes in die „Quinzaine" eingeladen wurde, war es der Überraschungserfolg des Festivals. Eine von geschliffenen Dialogen getragene, bissig-sarkastische Zustandsbeschreibung der westlich-laizistischen Wohlstandsgesellschaft am Beispiel einer linksliberalen Intellektuellengruppe aus Montréal. Hier treffen wir sie alle wieder, Arcand hat sie für seinen neuen Film wieder zusammen geholt, und es ist für sie und für den Zuschauer ein sehr erfreuliches Wiedersehen nach fast zwanzig Jahren - trotz des eigentlich traurigen Anlasses.

Natürlich sind sie abgeklärter und desillusionierter, vielleicht auch zynischer, blicken auf Beziehungsschlachtfelder zurück oder pflegen ihre Versagensdepression, aber sie sind immer noch gut für scharfsinnige Gesellschaftsanalysen, witzige Pointen und für einen letztlich doch warmherzigen Humor, der den anderen Festivalfilmen in diesem Jahr praktisch vollständig fehlt. Auch wenn dabei fast unvermeidlich an manchen Stellen nostalgische Klassentreffen-Atmosphäre aufkommt, und die Gefühlslage leicht sentimental wird, das ist beste Kinounterhaltung und funktioniert, weil man mit diesen Typen auch selbst seit zwanzig Jahren befreundet sein könnte.

Die Utopien, Ideen und Ideologien sind verbraucht oder entlarvt, Rémy und seine Freunde stehen mit ihrer ganzen literarischen Bildung und ihrem liberalen Hedonismus längst auf verlorenem Posten, die Welt ist keineswegs besser geworden. Im Gegenteil, die humanistische Aufklärung scheint versagt zu haben, angesichts der zunehmenden Verteilungskämpfe und der plötzlich näher kommenden fundamentalistischen Barbarei. Aber sie setzen dem Zerfall und der drohenden Invasion trotzig etwas entgegen: Freundschaft, Menschlichkeit, und die Art und Weise, wie sie Rémy in den Tod begleiten. Auch das ist Widerstand und ein deutliches Zeichen dafür, dass sie ihre Errungenschaften nicht kampflos aufgeben werden.

Vielleicht ist das sogar eine Art Gegenentwurf zu den Menschen aus Lars von Triers „Dogville".

Thomas Neuhauser

Denys Arcand sagt selbst von sich, dass er „Dialoge und Schauspieler mag". In diesem Film trifft man wieder auf die gut gelaunte Truppe, die bereits im temperamentvollen „Déclin de l’Empire américain" zu sehen war. In seiner neuen Komödie behandelt der Regisseur ein ernstes Thema, Krankheit und Tod, mit dem ihm eigenen Stil: Mit viel Komik und Temperament und lautstarken Auseinandersetzungen über politische, kulturelle, soziale und ethische Probleme.

Die Inszenierung erfüllt für den Regisseur in erster Linie den Zweck, den Zuschauer auf Trab zu halten. Doch daran sollte man sich nicht stören, denn angesichts der Melancholie und der Morbidität, die in diesem Jahr von so vielen Festivalfilmen ausgeht, tut „Les Invasions Barbares" mit seiner guten Laune und seinem heiligen Zorn einfach gut, trotz einiger Schwächen. Manchen wird Danys Arcans Art von Humor zu vulgär sein. Doch gerade diese Derbheiten enthalten oft einen Kern Wahrheit und konfrontieren den Zuschauer unmittelbar mit der Realität.

Aus europäischer Sicht erscheint der Widerstand der Bewohner Quebecs gegenüber dem „Feind", d.h. gegenüber den als „Das Imperium" bezeichneten Vereinigten Staaten, äußerst vehement und unbegründet. Doch darf man dabei nicht vergessen, dass es hier um den Kampf der in Kanada und andernorts lange unterdrückten französischsprachigen Minderheit geht, deren Überleben zwei Jahrhunderte lang mehr als fraglich war.

Heute geht es beim Kampf Denys Arcans und seiner Mitstreiter, der im Film aus allen Blickrichtungen beleuchtet wird, um einzelne Werte: Es ist die Auflehnung einer Kultur gegen die Exzesse eines tyrannischen Wirtschaftssystems. Arcand fasst in seinem Film nichts und niemanden mit Samthandschuhen an, weder die in seinen Augen verrückt gewordene Gesellschaft noch seine geliebten Figuren, zu denen auch Rémy, sein rebellierendes Alter Ego, gehört. Vom Film, bei dem man oft nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, kann man einiges lernen, beispielsweise eine gewisse Wachsamkeit, aber auch vieles für das Leben an sich.

Delphine Valloire

Erstellt: 20-04-04
Letzte Änderung: 26-11-03