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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart vom 19. März 2009 - 18/03/09

Slumdog Millionaire

Ein Film von Danny Boyle


( Arte Bewertung: 5 ) Vom Slumkind zum Rupien-Millionär. Ausgezeichnet mit acht Oscars, darunter mit dem Oscar Bester Film und Beste Regie.

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Synopsis: Jamal, ein 18-jähriger Junge aus den Slums von Mumbai, ist Kandidat bei der indischen Version von "Wer wird Millionär". Er kann alle Fragen richtig beantworten und gerät dadurch in den Verdacht zu schummeln. Nach der Sendung wird er brutal von der Polizei verhört. In Rückblenden erzählt er Geschichten aus seinem Leben, die jeweils eng mit den richtigen Antworten verknüpft sind und beweisen, dass er die richtigen Antworten wirklich wusste.

Kritik: "Slumdog Millionaire" ist der beste Film Danny Boyles seit seinem spektakulären Debüt "Trainspotting" im Jahre 1996. Der Film ist ein sehr gelungenes Potpourri aus dem visuellen Stilbewusstsein und der genauen Dramaturgie Hollywoods, dem bunten und chaotischen Flair der Bollywoodfilme und einer gehörigen Portion Boyle. Boyle, der sich selbst aus der Arbeiterklasse nach oben gekämpft hat, sympathisiert mit den "Underdogs". Sein Held Jamal ist ein Charakter, der einem Roman von Dickens entsprungen sein könnte, ein moderner Bruder Oliver Twists. Er ist zwar arm, aber sein Charakter ist unverdorben, und er ist und bleibt unbestechlich. Parallel dazu zeigt Boyle, wie dessen Bruder Salim nach und nach zum Handlanger von einflussreichen Gangstern wird, die die hübsche Latika - Jamals große und einzige Liebe - zur Prostitution zwingen.

"Slumdog Millionaire" beruht auf dem Debütroman des Diplomaten Vikas Swarup, "Q&A", das Drehbuch schrieb Simon Beaufoy, der mit seinem Buch zu dem britischen Feel-Good-Film "Ganz oder gar nicht“ bereits sein Gespür für Underdogs zeigte. Aber "Slumdog Millionaire" ist nicht nur witzig. Boyle, seinem Autor Beaufoy und dem Kameramann Anthony Dod Mantle ("Manderlay", "28 Tage später") gelingt es, diverse Genres in den Film einzubauen. Die vielen Rückblenden erlauben dies, denn sie erzählen jeweils eine eigene, in sich abgeschlossene Geschichte.

Slumdog Millionaire
Großbritannien/USA 2008, 120 Min.
Regie: Danny Boyle, Loveleen Tandaan (Co-Regisseur in Indien)
Mit Dev Patel, Anil Kapoor, Saurabh Shukla, Jenewa Talwar, Freida Pinto, Irrfan Khan
Da gerät etwa Jamal mit seinem Bruder Salim in die Hände von bösen Erwachsenen, die die Waisenkinder zum Betteln zwingen. Sie scheuen nicht einmal davor zurück, die hilflosen Kleinen zu blenden, da sie dann mehr Geld bekommen können. In letzter Sekunde rettet Salim den völlig naiven Jamal davor, geblendet zu werden, und sie fliehen, gemeinsam mit der kleinen Latika, die später Jamals große Liebe werden wird. Sehr unterhaltsam hingegen ist eine Episode, in der es um den Erfindungsreichtum geht, Geld zu beschaffen. Jamal kommt durch seine Flucht als blinder Passagier auf einem Zug zum Taj Mahal. Er hat keinerlei Ahnung von diesem berühmten Mausoleum, erfindet aber bei bezahlten Touristenführungen jede Menge lustige Anekdoten. Außerdem stiehlt er die Schuhe der Touristen, die diese vor dem Taj Mahal abstellen, und verkauft sie auf einem Markt. Großartig ist auch die Rückblende, in der eine berühmte Bollywoodlegende in der Stadt ist. Dummerweise wird er von den anderen Kids auf einem Plumpsklo eingesperrt, und weil er den berühmten Schauspieler sehen will, bleibt ihm nur der Sprung in die Jauchegrube. Dies ist eine der pikantesten und amüsantesten Szenen des Films und eine Parallele zu der wichtigsten Kloszene in "Trainspotting", mit dem damals noch fast unbekannten Ewan Mc Gregor.

"Trainspotting" wurde damals vorgeworfen, er würde Drogen verherrlichen, "Slumdog Millionaire" muss sich Vorwürfe der Slumbewohner gefallen lassen, die ihre Armut falsch dargestellt finden. Gedreht wurde zwar an Originalschauplätzen in den Slums von Mumbai und anderswo, aber die Geschichte erhebt nicht den Anspruch realistisch zu sein. Sie will entführen und verzaubern, wie dies den besten Filmen gelingt, sie erzählt das Märchen vom aufrechten Underdog Jamal, der durch sein Wissen zum Rupien-Millionär wird. Noch besser: Nicht einmal das Geld ist seine Triebfeder, es ist die Suche nach seiner einzigen wahren Liebe, Latika. Im farbenprächtigen Finale auf dem Bahnhof von Mumbai, da darf dann endlich auch - ganz nach Bollywoodtradition - getanzt werden, und einige Dutzend Tänzer geben ihr Bestes. Wunderbares Holly-Bolly-Boyle-wood Kino. Mehr davon, bitte. Ach ja, der Film - mit einem Budget von 12 Millionen Dollar - fast eine kleine Independentproduktion für amerikanische Verhältnisse - hat acht (!) Oscars gewonnen.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 02-02-09
Letzte Änderung: 18-03-09