Kritik: "Slumdog Millionaire" ist der beste Film Danny Boyles seit seinem spektakulären Debüt "Trainspotting" im Jahre 1996. Der Film ist ein sehr gelungenes Potpourri aus dem visuellen Stilbewusstsein und der genauen Dramaturgie Hollywoods, dem bunten und chaotischen Flair der Bollywoodfilme und einer gehörigen Portion Boyle. Boyle, der sich selbst aus der Arbeiterklasse nach oben gekämpft hat, sympathisiert mit den "Underdogs". Sein Held Jamal ist ein Charakter, der einem Roman von Dickens entsprungen sein könnte, ein moderner Bruder Oliver Twists. Er ist zwar arm, aber sein Charakter ist unverdorben, und er ist und bleibt unbestechlich. Parallel dazu zeigt Boyle, wie dessen Bruder Salim nach und nach zum Handlanger von einflussreichen Gangstern wird, die die hübsche Latika - Jamals große und einzige Liebe - zur Prostitution zwingen.
"Slumdog Millionaire" beruht auf dem Debütroman des Diplomaten Vikas Swarup, "Q&A", das Drehbuch schrieb Simon Beaufoy, der mit seinem Buch zu dem britischen Feel-Good-Film "Ganz oder gar nicht“ bereits sein Gespür für Underdogs zeigte. Aber "Slumdog Millionaire" ist nicht nur witzig. Boyle, seinem Autor Beaufoy und dem Kameramann Anthony Dod Mantle ("Manderlay", "28 Tage später") gelingt es, diverse Genres in den Film einzubauen. Die vielen Rückblenden erlauben dies, denn sie erzählen jeweils eine eigene, in sich abgeschlossene Geschichte.

Großbritannien/USA 2008, 120 Min.
Regie: Danny Boyle, Loveleen Tandaan (Co-Regisseur in Indien)
Mit Dev Patel, Anil Kapoor, Saurabh Shukla, Jenewa Talwar, Freida Pinto, Irrfan Khan

"Trainspotting" wurde damals vorgeworfen, er würde Drogen verherrlichen, "Slumdog Millionaire" muss sich Vorwürfe der Slumbewohner gefallen lassen, die ihre Armut falsch dargestellt finden. Gedreht wurde zwar an Originalschauplätzen in den Slums von Mumbai und anderswo, aber die Geschichte erhebt nicht den Anspruch realistisch zu sein. Sie will entführen und verzaubern, wie dies den besten Filmen gelingt, sie erzählt das Märchen vom aufrechten Underdog Jamal, der durch sein Wissen zum Rupien-Millionär wird. Noch besser: Nicht einmal das Geld ist seine Triebfeder, es ist die Suche nach seiner einzigen wahren Liebe, Latika. Im farbenprächtigen Finale auf dem Bahnhof von Mumbai, da darf dann endlich auch - ganz nach Bollywoodtradition - getanzt werden, und einige Dutzend Tänzer geben ihr Bestes. Wunderbares Holly-Bolly-Boyle-wood Kino. Mehr davon, bitte. Ach ja, der Film - mit einem Budget von 12 Millionen Dollar - fast eine kleine Independentproduktion für amerikanische Verhältnisse - hat acht (!) Oscars gewonnen.
Nana A.T. Rebhan






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