Kinostart 14. August 2008 - 02/09/08
Beautiful Bitch
Ein Film von Martin Theo Krieger
** Ein Klaukind sehnt sich nach einem ganz normalen Leben
Deutschland 2007, 103 Min.
Mit Katharina Derr, Patrick von Blume, Sina Tkotsch, Lucien le Rest
Synopsis: Die 15-jährige "Bitch" kommt von den Straßen Bukarests direkt nach Düsseldorf. Dort macht sie als "Klaukind" Umsatz für ihren Patron. Eines Tages lernt sie "Milka" kennen, ein verzogenes Mädchen aus wohlhabendem Hause. Die beiden ungleichen Teenager freunden sich an, und "Bitch" bekommt Identitätsprobleme.
Kritik: Ende der 90er Jahre machten die "Klaukinder" und die Rumänen-Mafia Schlagzeilen in deutschen Tageszeitungen, die Überschriften mit fetten großen Lettern lieben. Mittlerweile ist es wieder etwas stiller geworden um die Kindersklaven, die von ihren Patronen ausgebeutet werden und jeden Tag zwischen 300 und 800 Euro ihrem Patron zu bringen haben, wenn sie nicht bestraft werden wollen. Doch eine Idee braucht eben ihre Zeit, bevor sie Film wird. Martin Theo Krieger, Autor und Regisseur, war fasziniert von dieser Idee. Er wollte mehr wissen über den Alltag dieser Kinder, die aus extrem armen europäischen Ländern direkt ins Paradies gebracht werden, an dem sie aber nicht teilhaben dürfen. Er recherchierte lange und drehte schließlich. Verzichtete aber darauf, echte Straßenkinder mitspielen zu lassen, auch wenn dies "möglicherweise Vorteile im Hinblick auf Authentizität hätte haben können. Nach reiflicher Überlegung haben wir dies aber abgelehnt." Der Regisseur und sein Team wollten und konnten nicht die Verantwortung für etwaige Folgeschäden übernehmen.
So läuft denn nun die eigentlich aus Sibirien stammende Katharina Derr als rumänisches Klaukind durch Düsseldorfs schicke Straßen, gemeinsam mit Nicu, der vorgibt, stumm zu sein, und den alle für ihren niedlichen kleinen Bruder halten. Sehr überzeugend ist Katharina Derr in ihrer allerersten Rolle. Beim Dreh in Rumänien wurde sie gar von echten Straßenkindern angesprochen, die dachten, sie wäre eine von ihnen. Katharina Derr ist das strahlende Highlight dieses Films, der leider unter einer unausgegorenen Dramaturgie leidet. Zuerst bemüht sich der Autor und Regisseur, den Figuren möglichst viel Zeit zu lassen, um deren Alltag zu beleuchten. Er erklärt etwa ausführlich die Rituale, die in der miesen Zweizimmerwohnung herrschen, in der sie zusammengepfercht hausen müssen. Bald meint man, jede Ecke dieses Lochs zu kennen, und auf einmal überschlagen sich die Ereignisse. Da gerät dann der Patron, der zuvor durchaus komplex in Szene gesetzt wurde, zum holzschnittartigen Abziehbild eines Bösen. Warum nur? Hat Krieger doch Cristu eigentlich als einen vom Weg abgekommenen und gescheiterten Ex-Polizisten mit durchaus fürsorglichen und väterlichen Gefühlen gezeichnet. Dann auf einmal sieht dieser rot und dreht durch. Das wirkt höchst unmotiviert. Schade, denn Patrick von Blume, der den Cristu spielt, weiß diesem Charakter eine interessante Ambivalenz zu verleihen.
Das Problem des Films ist es, dass Martin Theo Krieger zu viel Ambition in sein Projekt gesteckt hat, bei dem er nach vielen Jahren des Drehbuchschreibens für TV und Kinoprojekte endlich auch mal wieder selbst Regie geführt hat. BEAUTIFUL BITCH will Milieustudie rumänischer Klaukinder sein. Er fragt sich, wie diese ihren Alltag verbringen, wie diese mit ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten angesichts des greifbar nahen aber unerreichbaren Paradieses umgehen. BEAUTIFUL BITCH will aber auch ein Drama sein, mit einem Höhepunkt, das einen Toten fordert. Weniger wäre da sicher mehr gewesen.
Nana A.T. Rebhan
Erstellt: 02-09-08
Letzte Änderung: 02-09-08