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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 06. Oktober 2005 - 04/10/05

The Cremaster Cycle

Ein Film von Matthew Barney


5-teiliger Film-Zyklus

Synopsis: Pentalogischer Filmzyklus des amerikanischen Künstlers Matthew Barney, ursprünglich als Performance für das Fernsehen geplant und im Verlauf fast 10-jähriger Anstrengungen zur megalomanen, kryptischen Schöpfung einer ebenso persönlichen wie universalen Mythologie expandiert.


Im Gespräch mit Matthew Barney
(Filmfestival Locarno 2003, Real Video)


Kritik: Den einen gilt er als elitär-gigantomanisch veranlagter Narziss, den anderen als genialster Bilderschöpfer seit Luis Bunuel – der ehemalige Footballspieler Matthew Barney, dessen Lebenswerk nach dem Hodenheber-Muskel benannt ist, der je nach Temperatur und Erregungszustand seinen Dienst verrichtet. Nachdem seine zwischen 1994 und 2002 in nicht chronologischer Reihenfolge entstandenen Kunstfilme zunächst nur in Museen zu sehen waren, geht der Zyklus nun auf Kinotournee (Daten s.u.).

Um Barney, seine surrealen Bildwelten im Kontext des Titels seiner Arbeit zu verstehen, empfiehlt sich zunächst ein kurzer Blick auf die eigene Biographie. Denn das Lebensmotto des früh zu Ruhm gekommenen Footballspielers lautet – damit sich ein Muskel bzw. Künstler entwickeln kann, muss man ihn zunächst einem Widerstand aussetzen. Diesen Gedanken greift Barney auch im opulentesten und letzten Teil seines Zyklus, Cremaster 3, auf, der im New Yorker Chrysler-Building während seiner Entstehung 1929-30 spielt: dort, im spiral-förmig nach oben wachsenden Treppenhaus, begegnet die Figur eines himmelstürmenden Lehrlings, gespielt von Matthew Barney selbst, einem Architekten, gespielt von Star-Architekt Richard Serra. Dieser Lehrling klettert die Etagen des Gebäudes Stufe um Stufe nach oben, Symbol einer Prüfung gemäß dem hierarchischen Übergangsritus der Freimaurer, die mit eiserner Disziplin bewältigen werden muss, will der Lehrling zum Gesellen und vom Gesellen zum Meister aufsteigen, um Gott = der Perfektion ein Stückchen näher zu kommen. Zunächst halten sich die Kräfte des Männlichen und des Weiblichen, Aufbau und Zerstörung die Waage, doch dann neigt sich das sexuelle und philosophische Patt zugunsten des Zerstörerisch-Männlichen, Vorbote für die düsteren folgenden Barney-Arbeiten.

Cremaster 3 ragt aus den fünf Barney-Arbeiten auch technisch heraus, weil hier erstmals anstatt der Betacam-Technik die hoch auflösliche Norm HDTV zum Einsatz kam. Wie in allen seiner Arbeiten haben auch hier die von Barney vergötterten Arbeiten Joseph Beuys, bzw. eines seiner bevorzugten Materialien – flüssige und feste Vaseline – ihren Auftritt, symbolisiert ein daraus geformtes, oral-anales Phantasieobjekt den Kreislauf des Vertrauungstrakts als in sich geschlossenes System, verschweißt Barney Skulpturen, opulent ausgestattete Figuren und darum herum gebaute Performance zu einem hypnotischen filmischen Erlebnis, in dem weder Dialog, noch Psychologie noch Handlungslogik Erklärungshilfe bieten.

Martin Rosefeldt

Kinostart Berlin: Mittwoch, 5. Oktober 2005
Kinostart Köln: Samstag, 12. November 2005
Kinostart München: Mittwoch, 28. Dezember 2005
Kinostart Hamburg: Sonntag, 5. Februar 2006
Kinostart Stuttgart: Mittwoch, 1. März 2006
Kinostart Frankfurt: Mittwoch, 12. April 2006

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The Cremaster Cycle
Drehbuch & Regie: Matthew Barney
USA, 1994-2002, 396’


  • Cremaster III
USA 182 Min. 2002
Mit Matthew Barney, Richard Serra und Aimee Mullins

Synopsis: Das Werk des "Cremaster"-Zyklus des amerikanischen Installationskünstlers Matthew Barney gliedert sich in fünf nicht chronologisch durchnummerierte Teile. Mit einem klassischen Werkverständnis in fünf Teilen arbeitet er seit 1994 an den einzelnen Filmen über den "Cremaster", den Muskel, der die Hoden kontrolliert. Jeder Teil enthält wiederkehrende Motive wie amerikanische Strassenkreuzer, merkwürdige Gynäkologiestühle, Freeclimbing in Gebäuden und jede Menge Skulpturen und Prothesen aus Vaseline und Bienenwachs. Der fünfte Teil ist, so Barney, der ausdifferenzier-teste, der erste der am wenigsten differenzierteste. "Cremaster 3" wurde teilweise im New Yorker Guggenheim Muse-um gefilmt. Er thematisiert auf stilisierte, assoziative Weise unter anderem den Bau des Chrysler Buildings, einen Mord bei einem Trabrennen und die Initiation eines jungen Mannes (Matthew Barney). Für diesen sind die Stockwerke des Guggenheim Museums die verschiedenen Levels eines Computerspiels. Auf jeder Ebene muß er Aufgaben lösen, sonst wird er immer wieder ins Erdgeschoß zurückgeworfen.




Kritik: Matthew Barney bedient sich in "Cremaster 3" der Symbolik der Fraumaurer, die dem augenscheinlichen Durcheinander der vom Großen Architekten geschaffenen Welt eine höhere Ordnung verleiht. Die Aufnahmen zeigen die rauen Landschaften Irlands und die moderne New Yorker Architektur mit ihren Metallkonstruktionen; im Zuge dieser oszillierenden Bewegung zwischen Natur und Zivilisation entsteht eine besondere Sprache mit Sinn und Funktion, die aus Geräuschen und Visionen besteht und so unbegreifbar ist wie Quecksilber.

Matthew Barney zeigt einen Architekten, das Alter Ego Hiram Abiffs, des Architekten des Königs Salomon, der in der Fraumaurerlehre eine wichtige Rolle spielt und im Film vom amerikanischen Bildhauer Richard Serra dargestellt wird. Der Architekt weist einen jungen Schüler, verkörpert von Barney selbst, in die Geheimnisse der Freimaurerlehre ein; die Szene spielt 1930 im Chrysler-Gebäude, das zu dieser Zeit gerade fertig gestellt wurde. Der erhabene Wolkenkratzer im Art-déco-Stil steht für den Tempel Salomons und symbolisiert gleichzeitig ein künstliches Rückgrat, in dem sich eine Arterie/ein Aufzug befindet, oder aber ein gewaltiger Penis, der erigiert ist, als der Lehrling während der an Cronenberg gemahnenden Initiationsszene kastriert wird. Die Eingangshalle des Guggenheim-Museums ist eine Mischung aus Uterus und Bienenstock. In diesen architektonischen Freiräumen, in den Körpern, die sich in ihnen bewegen, zirkulieren verschiedene Flüssigkeiten, Speichel, Sperma und Sekrete, die sowohl für Fruchtbarkeit als auch für Verwesung stehen. Nach den Flüssigkeiten und Konstruktionen kommen nach der Logik Matthew Barneys die Autos.

In Cremaster 3 betankt der Lehrling ein Auto mit Zement; man sieht siamesische Mutanten eines Ford Mustang, eine choreographierte Auto-Verschrottung nach Art des "Monster Truck" in Cremaster 2. Das Motorradrennen in Cremaster 4 ist eine wahnwitzige Flucht nach vorn, in der die reine Antriebskraft zelebriert wird. Das genaue Gegenteil wäre das Rennen der Zombie-Pferde in Saratoga in Cremaster 5. Die Gedanken über die Mutation des Menschen zur Maschine erinnern sehr an den Schriftsteller J.G. Ballard. Der Schwerpunkt der "Cremaster"-Reihe, in der die ungeraden Zahlen eine besondere Rolle spielen, liegt in der Mitte von Cremaster 3. Der Regisseur schafft so einen bizarren biologischen Prototyp. Die langen frontalen und seitlichen Kamerafahrten und die Zoomaufnahmen reproduzieren die Bewegung einer Spiegellinse bzw. eines optischen Geräts, mit dem Zellen beobachtet werden. Ob man nun etwas mit ihm anfangen kann oder nicht: Matthew Barney ist und bleibt ein größenwahnsinniger Entomologe, der die rätselhafte organische Mutation des Universums unter dem Zerrspiegel seines Mikroskops betrachtet.

Delphine Valloire


Kritik: Um den "Cremaster" als zentrales Sujet entwickelte Matthew Barney seinen Filmepos. Jeder Film behandelt einen einzelnen Aspekt, der sich wiederum in ein ihm eigenes Universum begibt. Barney hat sich in eine eigene Welt mit einem ihr eigenen Ordnungssystem, ihr eigenen Verbindungen und Assoziationen rund um den "Cremaster". Cremaster 3 ist der Elaborierteste der Reihe und mit gut drei Stunden der langatmigste, weil er gleich mehrere Themen beinhaltet. Er ist kein Spielfilm im herkömmlichen Sinn, sondern eine Kunstinstallation und erzählt seine Geschichten in einer Sprache, die sich eher über Kunst als über Film erschließt. Seine Bilder von meditativer Klarheit und Schärfe lassen Raum für vielerlei Interpretationen und speisen sich aus einem Stilmix aus zeitgenössischen Stimmungen und Partikeln des American Way of Life, genauso Mythen und Märchen. Barney benutzte bereits den Schriftsteller Norman Mailer, das Ex-Bond Girl Ursula Andress und aktuell den Bildhauer Richard Serra, um verschiedene Events der ame-rikanischen Geschichte darzustellen. So handelt beispielsweise Cremaster 2 von der Hinrichtung des Massenmörders Gary Gilmore, gespielt von Barney selbst und vom Entfesslungskünstler Houdini. Der war anscheinend Gilmores Grossvater, gespielt von Norman Mailer, der wiederum über den Mörder ein Buch verfasste.

Deutet man Barneys Kunst analytisch, kann man ihm durchaus wie einige Kritiker einen ausgeprägten Nar-zismus und die immer wieder kehrende anale Fixierung vorwerfen. Doch zweifellos gilt Barney als einer der herausra-gendsten Künstler der 90er Jahre und nimmt heute einen vergleichbaren Stellenwert in der Kunstwelt wie Jeff Koons in den 80ern ein. Der Erfolg von Matthew Barney liegt sicher auch an seiner zu mehreren Seiten offene Rezeption: Man könne sich dem Künstler, so John Rockwell in der New York Times, intellektuell oder intuitiv nähern, ohne dass sich das notwendigerweise widersprechen muß. Barney selbst nimmt seine Kunst todernst und will alles andere als in einem Popkontext verortet werden. Das heißt aber nicht, dass die Szenen nicht lustig sein dürfen.

Verena Dauerer

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Cremaster III
von Matthew Barney
USA 182 Min. 2002
Mit Matthew Barney, Richard Serra und Aimee Mullins

Erstellt: 04-10-05
Letzte Änderung: 04-10-05