Synopsis: Tobi (Robert Stadlober) ist mit seinem besten Freund Achim (Kostja Ullmann) im Sommerzeltlager des Ruderclubs. Endlich gesteht er sich ein, dass er sich in Achim verliebt hat, doch der kommt Sandra immer näher. Tobi ist irritiert, noch zumal die hübsche Anke (Alicja Bachleda-Curus) ganz eindeutig was von ihm will, und die schwulen Jungs vom Berliner Ruderclub „QueerSchläger“ Tobi total verwirren. Was passiert, wenn er Achim seine Liebe gesteht?
Der noch sehr junge, 26-jährige Regisseur Marco Kreuzpaintner (GANZ UND GAR) kann sich sehr gut an das alles erinnern. Ihm gelingt es, eine Atmosphäre in seinem Film zu vermitteln, die den Zuschauer mitten auf den Campingplatz versetzt, zwischen Zelt, Luftmatratze und Kochtopf. Kreuzpaintner erzählt dabei aber auch noch eine ganz persönliche Geschichte eines Coming Outs, das auch ein wenig mit seinem eigenen Coming Out zu tun hat. Eine Geschichte wie diese in einem kommerziellen Kinofilm, das ist eine deutsche Premiere. Das Tolle ist, dass Kreuzpaintner seine schwule Geschichte völlig selbstverständlich erzählt. Die Liebesszene zwischen Tobi und Leo etwa, Tobis „erstes Mal“ ist sehr sensibel und einfühlsam gedreht, und gehört auf jeden Fall mit zu den besten erotischen Filmszenen der letzten Jahre. Mit der Figur des Tobi hat Kreuzpaintner einen Charakter geschaffen, der sich als Identifikationsfigur fürs große Publikum hervorragend eignet.
Robert Stadlober hat für diese Rolle alle seine bisweilen nervenden Starallüren abgelegt, und verkörpert Tobi so pur und rein, dass es einem unter die Haut geht. Ein Blick in die Augen des sehnsüchtigen, aber ängstlichen Jungen und der Zuschauer bibbert und betet mit ihm, dass es ihm doch gelingen möge, genug Mut für ein Coming Out zu finden. „Wenn du dich ein Leben lang versteckst, findest du dich irgendwann nicht mehr“, sagt Leo zu ihm. Tobi weiß dass das stimmt, doch werden ihn seine (Hetero)Freunde und die Mädels so akzeptieren wie er ist – schwul? Das ist alles andere als einfach, und die Berührungsangst der bayrischen Jungs aus der Provinz mit den schwulen Jungs aus der Großstadt Berlin zeigt um deren eigenes Identitätsproblem und ihre damit verbundene Unsicherheit.
Sicher, SOMMERSTURM verbreitet auch viele Klischees, wie etwa die Gruppe der katholischen Sächsinnen, und manche der Witze und Pointen sind arg platt. Auch das etwas übertriebene Selbstbewusstsein mancher der QueerSchläger wirkt ein wenig penetrant, etwa wenn deren Sunnyboy sagt: „Ich hab noch jede Hete geknackt, da wird ich doch so ein kleines bayrisches Schweinchen auch noch knacken“, aber eigentlich ist es auch schon wieder lustig, so übertrieben klingt das. Auf jeden Fall kann man Marco Kreuzpaintner diese kleinen Ausrutscher nicht wirklich übel nehmen, denn dazu ist sein Film viel zu sympathisch und unterhaltsam.
Nana A.T. Rebhan
Deutschland 2004, 98 Min.
Regie: Marco Kreuzpaintne
Mit Robert Stadlober, Kostja Ullmann, Alicja Bachleda-Curus








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