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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 29. Juni 2006 - 05/07/06

Hard Candy

Ein Film von David Slade


Spannender Thriller über
einen düsteren Racheengel

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USA 2006, 104 Min.
Mit Ellen Page, Patrick Wilson, Sandra Oh, Jennifer Holmes

Hayley (Ellen Page)Synopsis: Über das Chatten im Internet lernen sich die erst14-jährige Hayley und Jeff – ein Modefotograf Anfang 30 – kennen. Schon beim ersten Treffen in einem Cafe legt Hayley es darauf an, Jeff in sein mondänes Haus am Stadtrand zu begleiten. Dort angekommen, mischt sie ihm etwas in seinen Cocktail, überwältigt ihn und beginnt eine schaurige Inszenierung als selbst ernannter Racheengel – denn sie ist überzeugt davon, dass sie einen Pädophilen vor sich hat.

Der Trailer zum Film
(Windows Media Video)


Kritik: Das Anliegen des Regisseurs David Slide in seinem Debütfilm ist es, mit einem prekären Sujet zu provozieren. Das gelingt ihm, keine Frage. Selbstjustiz ist immer ein heikles Thema, Pädophilie auch – Hard Candy kombiniert beides. Pornografie bleibt zwar konsequent Off-Screen, doch der Film dreht sich die ganze Zeit darum. Hayley beschuldigt Jeff u.a. halbnackte bis pornografische Fotos von minderjährigen Mädchen geschossen zu haben, doch der Zuschauer bekommt kein einziges, der großformatigen „Kunstwerke“, die das Heim des Fotografen zieren, zu sehen - das ist auch gut so. Dennoch birgt der Film genug explosiven Stoff, um von einigen Kritikern und Zuschauern regelrecht gehasst zu werden.

Hayley (Ellen Page)Das verwundert nicht, gelingt es dem Film doch, den Zuschauer als Komplizen mit einzubeziehen. Raffiniert zieht er ihn hinein ins Geschehen, und ganz langsam wandern die Sympathien, die wir anfangs wie selbstverständlich für Hayley haben, zum Opfer Jeff – obwohl dieser angeblich ein Pädophiler ist. Doch: Woher wissen wir, dass Hayley mit ihren Anschuldigungen Recht hat? Wo sind die Beweise dafür? Ist gar am Ende Hayley selbst verrückt und gehört in psychiatrische Behandlung?

Hard Candy basiert auf dem Spiel von den extrem gut gecasteten Schauspielern Patrick Wilson und Ellen Page, die beide noch in keinen größeren Filmrollen zu sehen waren. Es ist ein Kammerspiel und so haben wir Zeit genug, uns ganz auf die beiden Hauptfiguren einzulassen, und ihre jeweiligen Positionen durchzuspielen. Es ist irritierend und faszinierend zugleich, dass das Drehbuch von Brian Nelson ständig auf Wendepunkte setzt, die uns verunsichern. Nach einer Weile wissen wir gar nicht mehr, wem wir unsere Sympathie eigentlich schenken sollen.

Hayley (Ellen Page)Die hervorragende Kameraarbeit (Jeremy Reed), die luzide Farbgestaltung und das ausgetüftelte Sounddesign tun ihr übriges. Die Kamera ist präzise, sehr gut kadriert, doch stets flink und beweglich. Hier scheint die Herkunft David Slades durch, der für zahlreiche Werbeclips und Musikvideos verantwortlich zeichnet. Leider ist ihm das Ende des Films aus den Händen geglitten. Es wäre wesentlich besser gewesen, den vermeintlichen Fall nicht aufzuklären, sondern den Zuschauer mit einem offenen Ende zu entlassen. Auch der Prozess des Nachdenkens – ein erklärtes Ziel des Regisseurs wäre dadurch noch angekurbelt worden.

David Slade: „An einer bestimmten Stelle werden die männlichen Zuschauer sicher die Beine übereinander schlagen. Mein Cutter und ich mussten immer wieder Pausen einlegen, unsere Zähne zusammenbeißen und versuchen, das alles irgendwie abzuschütteln.“ Der Einsatz hat sich gelohnt – David Slide ist ein Film gelungen, der garantiert kontrovers vom Publikum aufgenommen werden wird – und dadurch auf jeden Fall Diskussionsbedarf auslöst.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 27-06-06
Letzte Änderung: 05-07-06