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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 18. Mai 2006 - 17/05/06

Napoleon Dynamite

Ein Film von Jared Hess


Kann ein Nerd wirklich
so arrogant sein?

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USA 2004, 82 Min.
Mit: John Heder, Jon Gries, Aaron Ruell, Efren Ramirez

Synopsis: Napoleon Dynamite lebt mit seinem älteren Bruder Kip und seiner Oma in Preston, Idaho. Als diese einen Unfall hat, kommt der schmierige Onkel Rico zum „Babysitten“. Die neue Lebensgemeinschaft gestaltet sich nicht besonders harmonisch, und der Rest des Lebens ist für Napoleon Dynamite auch nicht grade ein Zuckerschlecken. In der Schule wird er täglich systematisch fertig gemacht. Doch endlich findet er einen Freund – den neuen Mitschüler Pedro. Und vielleicht mag ihn ja auch irgendwann mal ein Mädchen ...

Kritik: Am Kürzesten wäre es wohl zu sagen, Napoleon Dynamite ist American Pie auf Valium. Diese Aussage wiederum würde dem Film natürlich nur bedingt gerecht werden. Das Ehepaar Jared und Jerusha Hess haben sich viel Mühe gegeben. Sie haben zusammen ein Drehbuch geschrieben, über den arrogantesten Nerd der Filmgeschichte. Normalerweise zeichnen sich diese für Mädchen sehr mäßig attraktiven Jungs wenigstens durch ihre Schüchternheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aus – bei ihnen durfte man immer die Hausaufgaben abschreiben, und sie wurden nie aufdringlich. Napoleon Dynamite vereint zwar die klassischerweise optischen Attribute eines solchen Jungen – er ist schlaksig, picklig, trägt eine sehr dicke Brille, und hat rotgekräuselte Haare – doch er verhält sich, als wäre seine Isolation selbst gewählt. Das macht ihn nicht eben sympathischer. Erstaunlich ist, dass sein Bruder Kip noch „nerdiger“ dargestellt wird als Napoleon. Er ist 32, arbeitslos und sitzt den ganzen langen Tag vor dem Rechner, um mit Frauen zu chatten. Und: Gerade er macht am Ende des Films den „fetten Fang“, indem er sich eine attraktive schwarze Lady angelt, die ihn zum Hip-Hopper stylt. Damit dürfte „Napoleon Dynamite“ es schon auf Platz Eins der Kultfilme sämtlicher Nerds geschafft haben, denn solch ein Traum wurde bisher noch nicht auf Celluloid gebannt.

Von seiner gesamten Konstellation erinnert Napoleon Dynamite an Todd Solondz Coming-of-Age Drama Welcome To The Dollhouse (1996). Doch konnte man damals mit dem Mädchen mitfühlen, das von seiner gesamten Familie gepeinigt wurde, mag man Napoleon einfach nicht leiden. Jared und Jerusha Hess mögen wohl wissen, wovon sie reden – sie sind immerhin in Preston selbst aufgewachsen und vielleicht kennen sie sich auch mit dem Thema Nerds gut aus. Doch irgendwie – hinterlässt der Film den gleichen – etwas hohlen -Nachgeschmack wie ein Hamburger. Beim Sehen der episodenhaften Dramaturgie fühlt man sich noch recht gut unterhalten, doch danach merkt man, dass man eigentlich nichts über Napoleons Innenleben erfahren hat. Wir haben über sein tollpatschiges, rüpelhaftes und arrogantes Wesen mal mehr mal weniger gelacht, und das wars. Das Ehepaar Hess hat sich recht unfair aus der Affäre gezogen. Aber eines muss man ihnen lassen: Napoleon trägt die ganze Zeit so coole T-Shirts, dass man meinen könnte, man befände sich in einem ironischen Foto-Shooting eines angesagten Fashion-Magazins.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 16-05-06
Letzte Änderung: 17-05-06