(Frankreich, 2004, 85 Min.)
Mit: Melvil Poupaud, Valeria Bruni-Tedeschi, Jeanne Moreau, Christian Sengewald
Filmfestival Cannes 2005 - Un certain regard
Im Gespräch mit François OzonSynopsis: Romain (Melvil Poupaud), ein junger, schon erfolgreicher Fotograf, erfährt nach einem körperlichen Zusammenbruch, dass er eine fortgeschrittene Krebserkrankung hat – auch eine Chemotherapie würde nur noch eine geringe Heilungsschance bieten. Romain entschließt sich, ganz auf die Behandlung zu verzichten, und die letzten Wochen oder Monate auf seine eigene Weise zu nutzen.
Kritik: Nachdem François Ozon mit der Boulevard-Adaption 8 Frauen, dem Erotik-Krimi Swimming Pool und zuletzt mit dem Ehedrama 5 x 2 gezeigt hat, dass er die unterschiedlichsten Genres virtuos beherrscht und immer für ein ironisches Feuerwerk und überraschende Wendungen gut ist, kommt er nun mit einer scheinbar einfachen, geradlinigen und sehr traurigen Geschichte in die deutschen Kinos.
Der Plot mag altbekannt erscheinen, denn es gab schon eine ganze Reihe von Filmen, in denen plötzlich eine tödliche Krankheit diagnostiziert wurde, aber umso erstaunlicher ist Ozons stilsichere, sensible und berührende Erzählweise zu der er hier findet.
Romain erzählt niemandem von seiner Krankheit, nicht den Arbeitskollegen, nicht seinen Eltern, nicht seiner Schwester, und von seinem festen Freund Sasha trennt er sich, ohne ihm eine Erklärung zu geben. Das steigert seine tragische Einsamkeit ins beinahe Unerträgliche, aber gleichzeitig macht es ihn auch frei, sich ganz auf das zu konzentrieren, was er in der ihm verbleibenden Zeit tun will – und das ist vor allem die Suche nach dem intensiven Geschmack der Kindheit, der verlorenen Unschuld.
Vielleicht hat er sich deshalb nie für die Kinder seiner Schwester interessiert, weil sie ihn an einen Verlust erinnerten, den er nie verkraftet hat. Jetzt, in der Vorbereitung auf seinen Tod, öffnet er sich den Gedanken und Erinnerungen an Kindheit, nicht nur der eigenen. Einer völlig fremden Frau (Valerie Bruni-Tedeschi), die zusammen mit ihrem zeugungsunfähigen Mann verzweifelt nach einem Erzeuger sucht, erfüllt er sogar diesen Wunsch. Er beginnt langsam, sich mit dem Leben auszusöhnen.
Und er fährt zu seiner Großmutter Laura (Jeanne Moreau), die vom Leben und vom Tod einiges versteht, und die der einzige Mensch ist, dem er sich anvertraut – weil sie ja auch den Tod vor Augen hat.
Eine große Rolle für Melville Poupaul, man könnte ihm gerne immer weiter dabei zuschauen, wie er sich diese Empfindungen und verschütteten Gefühle Stück für Stück langsam zurückerobert, dabei innerlich ruhiger wird. Und Ozon kann man nur dafür bewundern, wie er ohne intellektuelle Scheu vor Sentimentalität, immer die richtigen Bilder für diese Wandlung findet.
Wahrscheinlich wird man „Le temps qui reste“ als Ozons bisher persönlichsten und intimsten Film bezeichnen. Das ist auch nicht falsch, aber gleichzeitig ist es die allgemeingültigste Geschichte, die er bisher erzählt hat: die Sehnsucht nach dem Paradies der Kindheit, aus dem wir alle vertrieben wurden. Es scheint nur, als müssten immer erst die individuellen Katastrophen passieren, bevor wir bereit sind, uns daran zu erinnern.
Thomas Neuhauser








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Als Romain erfährt, dass er bald sterben wird, macht
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